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Ein aufblasbarer Nikolaus hält die Stellung: Schnappschuss am vergangenen Sonntag beim Zweitligaspiel in Würzburg.
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Ein aufblasbarer Nikolaus hält die Stellung: Schnappschuss am vergangenen Sonntag beim Zweitligaspiel in Würzburg.

Profifußball

TV-Gelder im Fußball: Der Wille zur Reform hält sich in Grenzen

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der deutsche Profifußball wird von zwei Flanken bedrängt: Nach der Fernsehgeldverteilung besteht mehr denn je ein Glaubwürdigkeitsproblem, dazu sitzen viele Klubs schon wieder wegen den Corona-Folgen in der Kostenfalle.

Helen Breit hätte sich vermutlich nie vorstellen können, dass ein von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) angebotener Live-Stream aus einem Frankfurter Messehotel mal zu ihrem Pflichtprogramm gehören würde. Doch was bleibt der engagierten Anhängerin des SC Freiburg anderes übrig, wenn in der Corona-Krise kein Besuch von Spielen möglich ist – und sich ihr Tätigkeitsgebiet vom Schwarzwaldstadion in virtuelle Welten verlagert hat. Die Vorsitzende von „Unsere Kurve“ gilt als wichtiges Sprachrohr der Fanszene – und sie ließ kein gutes Haar an dem mit einer Enthaltung im neunköpfigen DFL-Präsidium getroffenen Beschluss zur Verteilung der Fernsehgelder: „Für uns ist das Ergebnis absolut enttäuschend. Wir können keine substanziellen Veränderungen erkennen.“

Verteilung der TV-Gelder: Nicht mutig genug

Der Chatroom mit Fanvertretern wie Anna Maria Hass, Dario Minden oder Manuel Gaber, allesamt aus der Fanarbeitsgruppe „Zukunft Profifußball“, die in der gleichnamigen Task Force der DFL in der dritten Sitzungsrunde auch in dieser Woche wieder die Faninteressen vorbringen, „hat geglüht“, sagt sie. Wie von ihrer Seite befürchtet, hielt sich der Reformwillen in Krisenzeiten in Grenzen. Die Säulen für die Vergabe der mehr als fünf Milliarden Euro Medienerlöse aus nationaler und internationaler Vermarktung in der nächsten vierjährigen Rechteperiode sind anders benannt, aber die Unterschiede verschwinden. Deshalb gab die Fraktion der Aufmüpfigen auch fast gleichlautende Statements heraus. „Nicht mutig genug“, befand Markus Rejek, der Geschäftsführer von Arminia Bielefeld.

Es handele „sich eher um eine Evolution statt Revolution“, urteilte Martin Hornberger, Geschäftsführer des SC Paderborn. Jan Lehmann, Finanzvorstand vom FSV Mainz 05, der an einem Gegenvorschlag mitgewirkt hatte, sagte, dass die Entscheidung des DFL-Präsidiums zwar „grundsätzlich in die richtige Richtung“ gehe, „andererseits hätten wir uns ein noch stärkeres Signal der Solidarität und zugunsten eines fairen sportlichen Wettbewerbs gewünscht“.

TV-Gelder: Neue Verpackung für alten Inhalt

Helen Breit folgerte derweil: „Die marginale Erhöhung des Prozentsatzes in der Säule Gleichverteilung entpuppt sich als vorübergehende Corona-Hilfsmaßnahmen, nicht als Einstieg in eine Veränderung des Gesamtsystems.“ Die 33-Jährige nennt es sogar einen „rhetorisch klugen Schachzug“. Sprich: Neue Verpackung für alten Inhalt, der die Lage der kleinen und mittleren Klubs nur marginal verbessert. Bei aller Komplexität wäre es aus ihrer Sicht besser gewesen, eine andere Botschaft zu senden.

Sie persönlich hätte sich gewünscht, wenn Oliver Leki, der Finanzvorstand des SC Freiburg, gehört worden wäre. Das Präsidiumsmitglied drückte selbst sein Bedauern aus, dass nicht wie von ihm vorgeschlagen eine „Effizienzquote“, also sportlicher Erfolg gemessen an den eingesetzten Mitteln, belohnt wird. Die Berücksichtigung von Nachwuchsarbeit, Ausbildung und Interesse sieht Helen Breit als ersten richtigen Ansatz, aber aktuell würde die Entfremdung viel stärker wachsen.

Für manchen Verein wird es eng

Markus Sotiranos, Fanvertreter vom Zweitligisten SV Darmstadt 98 und zweiter Vorsitzender von „Unsere Kurve“, griff in der HR-Sendung „Heimspiel“ sogar Rüdiger Fritsch frontal an, Darmstädter Klubpräsident und DFL-Präsidiumsmitglied: „Man muss sich natürlich fragen, inwieweit man diesen Weg weitergehen kann.“ Für das Wortspiel von DFL-Boss Seifert, man solle mitten im Sturm nicht versuchen, das Dach zu decken, hatte der Vorsitzende der Darmstädter Fan- und Förderabteilung einen anderen Vergleich parat. „Wir sagen, dass es nicht nur um das Dach geht – der ganze Schiffsbau hat einen Riss. Dieser Riss kam aber nicht durch Corona, der war vorher schon da“, sagte Sotiranos den Zeitungen der VRM. „Corona ist jetzt nur das Wasser, das eindringt. Wir dürfen deshalb nicht einfach weiterfahren.“ Einige Klubs sind finanziell bereits wieder leckgeschlagen. Seifert räumte ein, dass es für einzelne Vereine wieder „eng“ oder „sehr eng“ werde.

So kämpft der deutsche Profifußball gerade einen doppelten Kampf: um die Glaubwürdigkeit und ums Überleben. Intern soll der Bundesliga-CEO ob der ungenügenden Nachsteuerung bei den Finanzen lautstark Tacheles gesprochen habe. Dass einige den Personalkostenblock in der Corona-Krise sogar noch ausbauten, trifft auf völliges Unverständnis.

Es fehlen zwei Millarden Euro bis Sommer 2022

Das Spardiktat wird vorerst genauso wenig wie das Virus verschwinden. Und wie in der Pandemie scheinen die schlimmsten Zeiten erst noch zu kommen: In der vergangenen Spielzeit kam die Liga mit Einbußen von 275 Millionen Euro (sechs Prozent vom Umsatz) noch vergleichsweise glimpflich davon. In der laufenden Saison würden sich allein die Verluste bei den Zuschauererlösen auf 650 Millionen summieren, rechnete Seifert vor, 250 oder 350 Millionen kämen auf dem Transfermarkt weniger rein, dazu knicken die Sponsoringerträge ein. Unter dem Strich ergibt sich ein Umsatzrückgang von 20 Prozent, bis Sommer 2022 fehlen zwei Milliarden Euro. Die Lage soll viel, viel dramatischer sein als bisher bekannt.

Der DFL-Chef sprach öffentlich die „Spielergehälterfront“ an, wo zu wenig getan würde. Sein Präsidiumsmitglied Steffen Schneekloth von Holstein Kiel führte aus, man müsse sich gar nicht über Verteilermodelle bei den Medieneinnahmen streiten, wenn nicht ein Umdenken auf der Ausgabenseite einsetzt. „Das müssen wir stärker in den Fokus nehmen. Das ist Haltung gefragt von den Klubs.“ Eine Anpassung von Spielergehältern und der Beraterhonorare sei unausweichlich. Offenbar fällt der Gegenseite die Einsicht noch immer schwer, dass bald Änderungsklauseln oder Vertragsanpassungen unterschrieben werden müssen. Seifert gab zu bedenken, dass der Eingriff in laufende Arbeitsverträge juristisch zwar immer heikel sei, aber eine Reduzierung der Millionengagen sei nun einmal alternativlos. Denn: „Die Zahlen auf der Umsatzseite sprechen eine so klare Sprache.“

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