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Im rauen Wind

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Von: Frank Hellmann

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Hoch das Bein, weg der Ball: Merle Frohms pariert im Wembleystadion einen Elfmeter vor 80 000 Zuschauern.
Hoch das Bein, weg der Ball: Merle Frohms pariert im Wembleystadion einen Elfmeter vor 80 000 Zuschauern. © imago images/Action Plus

Der Härtetest gegen England könnte die Defizite der deutschen Fußballerinnen offenlegen

Den Anspruch für das nächste Großereignis der deutschen Frauen-Nationalmannschaft mit der EM in England (6. bis 31. Juli) formuliert Joti Chatzialexiou recht eindeutig. „Wir wollen um Titel spielen, nicht mitspielen.“ Der Sportliche Leiter Nationalmannschaft macht gerade jene Rundreise der deutschen Fußballerinnen mit, die nach Stationen in Middlesbrough und Norwich nun nach Wolverhampton führt, wo das letzte und wichtigste Spiel bei einem Vierländerturnier gegen den EM-Gastgeber England (Mittwoch 20.30 Uhr/zdf.de) wartet.

Von einem „Appetizer auf die Euro“ spricht die rechte Hand von DFB-Direktionsleiter Oliver Bierhoff – und seine Vorfreude teilt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg uneingeschränkt, denn einen stimmungsvollen Härtetest in einem gut besuchten Stadion gab es in Pandemie-Zeiten noch gar nicht. „England zählt zum engsten Favoritenkreis für den EM-Titel. Wir freuen uns auch darauf, jetzt schon EM-Atmosphäre aufzusaugen“, sagt Voss-Tecklenburg. In den West Midlands wartet ein hochmotivierter Gegner, der mit der Rückendeckung von bis zu 20 000 Fans natürlich den Heimsieg einfahren will. Auf der Gegenseite erinnern sich die DFB-Frauen an das letzte Prestigeduell auf der Insel besonders gerne.

Merle Frohms denkt gerne an den gehaltenen Elfmeter in Wembley

Damals im November 2019, als in Wembley fast 80 000 Menschen zu Spottpreisen ein spektakuläres Länderspiel sahen, das Deutschland dank eines späten Siegtores von Klara Bühl mit 2:1 gewann. Zuvor hatte Torhüterin Merle Frohms einen Elfmeter gehalten - sie nennt es heute noch einen „Höhepunkt der Karriere“. Solch einen Schub darf es gerne wieder geben, findet Chatzialexiou, der damals zu den staunenden Augenzeugen gehörte.

Der 46-Jährige hält fest, dass andere Nationen den achtfachen Europameister Deutschland teilweise nicht nur eingeholt, „sondern in manchen Bereich vielleicht auch überholt“ hätten. Die Spanierinnen, aber auch die Engländerinnen sind mit massiver Anschubhilfe ihres Verbandes auf der Überholspur. Umso wichtiger sei es, dass das deutsche Team anders als in den vielen einseitigen Qualifikationsspielen endlich gefordert würde: Es sei wichtig, „die Intensität zu spüren“, denn international wehe eben ein „rauerer Wind“.

Die Frauen-Bundesliga hängt bei der Datenerfassung hinterher

Auch bei der Handlungsschnelligkeit hat er Defizite ausgemacht, die sich bei Frauen und Männern unter dem DFB-Dach gar nicht unterscheiden würden: „Der erste Kontakt mit dem Ball, die Auftaktbewegung, die technische Umsetzung.“ Tatsächlich waren die vielen Ballverluste und unpräzisen Zuspiele gegen Spanien (1:1) und Kanada (0:1) ein Ärgernis. Voss-Tecklenburg nannte die fehlenden Automatismen eines von insgesamt 14 Absagen und Ausfällen zerzausten Kaders und fehlende Spielruhe als Gründe.

Chatzialexiou hat ferner beobachtet, dass die Positionierung auf dem Platz oft nicht stimmt. Und das könnte auch damit zusammenhängen, dass es hierfür im Alltag der Frauen-Bundesliga keine Anhaltspunkte gibt. „Wie bei den Neandertalern“, sagte er wörtlich, gehe es beispielsweise bei der Datenerfassung zu. Was bei den Männern gang und gäbe ist – Laufparameter oder Positionsdaten zu analysieren – würde bei den Frauen im Alltag gar nicht erhoben. Tatsächlich waren nach England gewechselten Nationalspielerinnen wie Melanie Leupolz verblüfft, welche Analysetools in der Women’s Super League (WSL) wie selbstverständlich zur Verfügung stehen, während die Frauen-Bundesliga lediglich DIN-A4-Bögen mit Toren, Gelben Karten und Auswechslungen ausspuckte. Chatzialexiou sieht hier den Verband in der Verantwortung Abhilfe zu schaffen, „dafür müssen wir auch Geld investieren“. Für manche Maßnahme könnte es bis zur EM-Endrunde jedoch bereits zu spät sein.

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