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Im Namen des Powerdrinks

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Von: Jan Christian Müller

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Werbeträger für eine Brause: Emil Forsberg. Foto: AFP
Werbeträger für eine Brause: Emil Forsberg. © AFP

Die vielen Millionen aus Österreich sind erfolgreich investiert worden. Die Sympathien liegen dennoch klar auf Seiten des SC Freiburg. Ein Kommentar.

Natürlich wurden den jubelnden Fußballspielern von Rotbullen Leipzig bald nach Schlusspfiff T-Shirts mit Sonderdruck Pokalfinale 2022 gereicht. Die Profis zogen die schwarzen Teile sogleich pflichtgemäß über ihre verschwitzten Köpfe. Man muss es nicht sympathisch finden, dass der auffälligste Aufdruck auf den Triumph-Hemden nicht etwa der Tatsache gewidmet war, dass Leipzig auch in diesem Jahr wieder im Endspiel von Berlin dabei ist, sondern der Werbung. Hier: dem Emblem des Red-Bull-Produzenten und Vermarkters aus Österreich. Da kennen sie nix bei Rasenball, sie stehen konsequent dazu, dem zu dienen, der das Geld gibt. Das ist, im Namen des Powerdrinks, offen, ehrlich, professionell. Und wenn der Melange der Jubelnden dann noch wahrhaftige Tränen der Rührung des Vorstandschefs Oliver Mintzlaff beigemischt werden, kommt gar ein bisschen was dabei heraus, was ans Herz gehen könnte.

Zumal man dem in einer ausnehmend klugen Finanz-, Marketing- und Sportstrategie entwickelten Klub ja zugestehen muss, dass er die Knete von Dietrich Mateschitz nicht annähernd so dösig zum Fenster rausgeworfen hat, wie das an anderen Standorten der Republik schon der Fall gewesen ist: Eintracht Frankfurt zur Jahrtausendwende mit US-Vermarkter Octagon, München 1860 mit dem Jordanier Hasan Ismaik, Bayer Uerdingen mit dem Russen Mikhail Ponomarev, Hertha BSC mit Lars Windhorst.

Leipzigs Plan geht auf

RB Leipzig dagegen: Viermal Champions League in den ersten fünf Jahren der Bundesligazugehörigkeit, nun schon zum dritten Mal binnen vier Jahren im DFB-Pokalfinale (bisher zwei Abreibungen: 0:3 gegen die Bayern, 1:4 gegen Dortmund). Aufwand und Ertrag stehen in Leipzig jedenfalls nicht in einem Missverhältnis. Das ist mal klar und respektabel.

Und nun gibt es obendrauf schon wieder diese wunderschöne Geschichte, dass der strohblonde Emil Forsberg den Matchwinner gibt. Der sympathische Schwede war bisher vor allem als hochbegabt mit den Füßen am Ball bekannt. Am Mittwochabend rammte er in der vorletzten Minute der Nachspielzeit eine Präzisionshereingabe von Benjamin Henrichs per Kopf ins Tor, nachdem er schon vergangenes Jahr im Halbfinale gegen Werder Bremen kurz vor Ultimo das Ticket nach Berlin gelöst hatte.

RB Leipzig darf getrost für sich reklamieren, mit Forsberg, dem ebenfalls eingewechselten Dänen Yussuf Poulsen, mit Torwart Peter Gulasci sowie den Verteidigern Willi Orban, Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg gleich ein halbes Dutzend Spieler im Kader zu haben, die mindestens schon in der zweiten Liga dabei waren. Und Leipzig darf zudem in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, ein paar Rohdiamanten zu internationalen Stars geschliffen und entsprechend wertsteigernd veräußert zu haben: Allein Naby Keita, Timo Werner, Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté spülten Transfererlöse von fast 200 Millionen Euro in die Kasse. Hinzu kommen noch mal zusammen 40 Millionen Euro für Trainer Julian Nagelsmann und Marcel Sabitzer von den Bayern.

Dass die schwerwiegenden Verluste Nagelsmann, Sabitzer, Upamecano und Konaté im vergangenen Sommer nicht sofort kompensiert werden konnten, ist inzwischen bekannt, auch, weil es keine gute Idee war, mit dem netten, aber naiven US-Amerikaner Jesse Marsch zurück zum Pressing-Umschaltspiel gelangen zu wollen. Domenico Tedesco, 2016 im selben Trainerlehrgang wie Nagelsmann und seinerzeit vor diesem Jahrgangsbester, hat dann die richtige Mischung aus Power und Passspiel gefunden.

Es sieht also verdächtig danach aus, als hätte der ehemalige Leichtathlet, Medienberater und Spieleragent Mintzlaff gerade wieder die richtigen Stellschrauben gefunden und gedreht, um den Retortenklub zu stabilisieren. Aber klar ist dennoch, wem am 21. Mai weithin im Land doller die Daumen gedrückt werden: Den tapferen Wächtern der reinen Fußballlehre aus Freiburg.

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