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Hat weiter ein Auge auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Adidas-Firmengründer Adi Dassler.
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Hat weiter ein Auge auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Adidas-Firmengründer Adi Dassler.

DFB und Adidas

Im Namen der drei Streifen

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Dass die deutsche Nationalmannschaft auf dem Adidas-Firmengelände ihr Quartier aufschlägt, ist der Höhepunkt einer langen Partnerschaft

Adi, stoll‘ auf.“ Der Satz ist Fußballgeschichte. Er war die Anweisung von Bundestrainer Sepp Herberger an Zeugwart Adi Dassler vor dem WM-Finale 1954 von Bern. Regen im Juli (Fritz-Walter-Wetter) hatte den Rasen schwerer, tiefer gemacht. Dafür hatte Adi Dassler spezielle Stollen im Materialkoffer. Er war der Schuhtüftler, schon Wundersprinter Jesse Owens hatte er bei den Olympischen Spielen 1936 versorgt.

Nun diente der Gründer und Chef von Adidas dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Daran erinnert man sich in den Tagen, in denen die Nationalmannschaft der Jetzt-Zeit sich auf die Europameisterschaft vorbereitet – auf dem Firmengelände von Adidas in Herzogenaurach. „Es ist unsere längste und wichtigste Sport-Partnerschaft“, sagt Kasper Rorsted, der dänische Vorstandsvorsitzende des traditionsreichen Sportartikelherstellers.

Allerdings: 1954 gab es noch keine vertragliche Bindung zwischen Verband und Ausrüster. Beim „Wunder von Bern“ trugen die Spieler zwar Schuhe aus der Fabrikation von Dassler, die Trikots allerdings waren von der heute nicht mehr existierenden Marke Leuzela, hergestellt von der Pfullinger Firma G. & A. Leuze. Sie wurde längst von Erima aufgekauft. Erst 1971 kam Adidas so richtig an den DFB heran. Bei der WM 1970 in Mexiko war der Ausstatter der deutschen Mannschaft noch Umbro aus Großbritannien gewesen.

Das, wie man heute sagen würde, „Branding“ unterlag dann über 30 Jahre sehr strengen Richtlinien. Auch als in den 70er-Jahren ein starker Mönchengladbacher Block im Nationalteam existierte und die Borussia das Paradeteam des großen Rivalen Puma – ebenfalls entstanden aus der zerstrittenen Familie Dassler – war: Die Stars wie Günter Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts kamen bei den Auftritten für Deutschland nicht darum herum, an den Füßen die Produkte von Adidas zu tragen. Zumindest sollte es so aussehen. Weswegen die Pumas, die sie aus dem Verein mitbrachten, umdekoriert wurden. Auch der Franke Lothar Matthäus, dessen Vater als Hausmeister bei Puma arbeitete, musste sich dem Adidas-Diktat fügen.

Hoheit übers Schuhwerk

Für Adidas war das Geschäft mit den Trikots wichtig. Die Herzogenauracher gingen auf Sonderwünsche ein wie das rote Auswärtstrikot, das Jürgen Klinsmann 2004 als Bundestrainer haben wollte, weil er glaubte, es steigere die Aggressivität seiner Spieler. Während der WM 2014 in Brasilien setzte Adidas drei Millionen Deutschland-Trikots ab, vor allem das gestreifte, eine Hommage an den brasilianischen Klub Flamengo Rio de Janeiro, wurde zum Hit. Und es war tatsächlich ein Teil des WM-Erfolgs, weil es die Sympathiewerte für die DFB-Kicker steigerte.

Die Hoheit über das Schuhwerk hatte Adidas da allerdings schon verloren. Nach der WM 2006 setzten die Nationalspieler die freie Schuhwahl durch. Immer mehr hatten individuelle Verträge, vor allem Nike griff auf dem deutschen Markt an. Torhüter Jens Lehmann begründete das Ansinnen aber mit medizinischen Argumenten: „An seinen Schuh ist man gewöhnt wie an die Matratze zu Hause. Man kann in einem Hotel eine gute haben, doch wenn sie ungewohnt ist, bekommt man Rückenschmerzen.“

Für Manfred Drexler, ehemaliger Bundesligaspieler, wurde mit dem Schuhwahlentscheid von 2006 die Arbeit komplizierter. Denn er war als Angestellter von Adidas abgestellt als Servicemann für die Nationalmannschaft. Als er 2012 in Ruhestand ging, bestellte Adidas auch keinen Nachfolger mehr. Wäre die Nationalmannschaft auch in anderen Trikots als denen von Adidas vorstellbar? Warum nicht?

Nike lockt mit Megavertrag

Oliver Bierhoff, der 2004 beim DFB einstieg, hatte als Spieler einen Vertrag mit Nike und überbrachte auch ein Angebot des US-Riesen. Für acht Jahre (begonnen hätte der Zeitraum 2011) wäre ein Paket mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro geschnürt worden. Adidas konnte die Attacke aus Amerika abwenden, die letzte Vertragsverlängerung erfolgte 2018 vorzeitig, der aktuelle Kontrakt läuft bis 2026.

Dass Adidas nun sogar das deutsche Turnierquartier stellt und zum „Homeground“ wird, ist nach einigen kürzeren Aufenthalten in Herzogenaurach – zuletzt vor dem Confed-Cup 2017 – der ultimative PR-Coup. Vom Aufziehen der Stollen zum Hochziehen einer Hotelanlage.

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