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Im Himmel ist die Sicht am besten

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Von: Hanna Raif

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Nicht aufzuhalten: Jamal Musiala (rechts) enteilt seinem Gegenspieler Tom Krauss vom FC Schalke 04.
Nicht aufzuhalten: Jamal Musiala (rechts) enteilt seinem Gegenspieler Tom Krauss vom FC Schalke 04. © Laci Perenyi/Imago

Jamal Musiala verkörpert zugleich Gegenwart und Zukunft für den FC Bayern - Thomas Müllers Rolle beim Rekordmeister verändert sich dadurch.

Wenn man Jamal Musiala sprechen hört, fühlt man sich bei den Standard-Aussagen an den jungen David Alaba erinnert. Natürlich will der 19-Jährige immer „sein Bestes geben“, am liebsten „der Mannschaft helfen“ und überhaupt „alles dem Teamerfolg unterordnen“. Dass aber sogar auf dem Gebiet der Rhetorik beim jüngsten Star des FC Bayern in den vergangenen Monaten eine Entwicklung stattgefunden hat, zeigt sich pünktlich zur Wiederaufnahme der so langen WM-Saison. Denn über all diese selbstverständlichen Dinge hinaus ließ Musiala sich bei einem Sponsorentermin unter der Woche mit folgenden Worten zitieren: „Ich möchte für mich eine Menge Trophäen gewinnen, von anderen lernen und noch besser werden.“ Worte, die man auch in Bayern-Kreisen vor dem Auftakt bei RB Leipzig am Freitag (20.30 Uhr) gerne hört.

Auch wenn Fußballer freilich nicht an ihren Aussagen gemessen werden, passen Einschätzungen wie diese zur Rolle, die Musiala sich spätestens im vergangenen Jahr im roten Trikot erarbeitet hat. Als „Deutschlands einzigen Weltklassespieler“ bezeichnet ihn Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, und auch die Bayern haben freilich längst bemerkt, dass sie da kein Juwel, sondern bereits einen Diamanten in ihren Reihen haben. Der Marktwert des jüngsten Spielers, der bisher mindestens 50 Pflichtspiele für den Dauermeister bestritten hat, ist im Zuge der WM trotz des deutschen Misserfolgs auf über 100 Millionen Euro gestiegen. Und in München ist klar, dass das alte Gesetz „Müller spielt immer“ nicht mehr gilt, sondern sich die Aufstellung von Julian Nagelsmann inzwischen um Musiala dreht.

Mitspieler beeindruckt

„Thomas wird sich dem Konkurrenzkampf stellen“, sagte Vorstandsboss Oliver Kahn beim DFL-Neujahrsempfang. Allerdings wird der 33-Jährige eher nicht mehr als Zehner auflaufen, sondern sich weiter vorne um einen Platz bewerben müssen. Natürlich ist Müller nach wie vor wertvoll, „wenn er auf dem Platz ist, dann merkt man, dass er die anderen auch mitreißen möchte, dass er – und das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt – immer gewinnen will“, sagte Kahn. Er ist aber sportlich nicht mehr so unantastbar, wie es Musiala nun ist. Der ist gesetzt.

Die Mitspieler wissen, warum. „Er beeindruckt mich wirklich enorm“, sagte Alphonso Davies unter der Woche: „Er ist so jung – und es ist einfach unglaublich, seine Motivation und seine Ambitionen zu sehen.“ Wenn er so weiterarbeite, sieht der Kanadier „keinen Grund, warum er nicht bald der Beste auf seiner Position sein sollte“. Oder ganz simpel formuliert: „Der Himmel ist Musialas Grenze.“

Es ist schon viel, was da über Musiala erzählt wird. Aber das Gute ist, dass man dem Jungen zutraut, mit all diesen Lorbeeren umzugehen. Denn neben den Werten auf dem Platz – 15 direkte Torbeteiligungen bis hierher sind ligaweit Bestwert – besticht der Halb-Engländer durch Weitsicht. Er weiß seine Rolle einzuordnen, und er weiß, dass er nicht nur der wichtigste Baustein auf dem Weg zu den als Saisonziel ausgegebenen drei Titeln ist, sondern auch derjenige, um den die Mannschaft der Zukunft geformt werden soll.

Die Bayern bemühen sich längst um eine Vertragsverlängerung über 2026 hinaus. Sie hoffen schon jetzt, dass nur die Rhetorik an Alaba erinnert. Anders als der Österreicher, inzwischen bei Real Madrid, soll Musiala am besten für immer bleiben. Als Himmelsstürmer – und Mr. FC Bayern.

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