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Ilkay Gündogan: Aufstieg zur Vereinslegende bei Manchester City

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Von: Hendrik Buchheister

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Zwei Tore, unbändiger Jubel: Ilkay Gündogan auf Knien den Fans entgegen rutschend.
Zwei Tore, unbändiger Jubel: Ilkay Gündogan auf Knien den Fans entgegen rutschend. © dpa

Meistermacher Ilkay Gündogan ist bei Manchester City jetzt ein Held und steht dennoch vor einer ungewissen Zukunft.

Ilkay Gündogan war aufgekratzt und erschöpft zugleich, als er den Wahnsinn erklären sollte. Immer wieder fuhr er sich im Sky-Interview mit den Händen durch die schwarzen Haare, fasste sich an den Hals, die Nase, die Stirn. Er atmete schwer in diesen Momenten. Sein Zustand war gut nachvollziehbar, denn er hatte Manchester City in einem Drama gerade zur vierten Meisterschaft in fünf Jahren geschossen. 0:2 lag die Mannschaft gegen Aston Villa zurück und drohte, den Titel am Finaltag der Premier-League-Saison an den FC Liverpool zu verschenken. Doch die Mannschaft kam zurück mit drei Toren in fünfeinhalb Minuten und sicherte sich durch den 3:2-Sieg den Meisterpokal.

Liverpools paralleler 3:1-Erfolg gegen die Wolverhampton Wanderers war letztlich wertlos. Jürgen Klopps Mannschaft bleibt nach dem Gewinn des Ligapokals und des FA-Cups immerhion noch das Champions-League-Finale am kommenden Samstag gegen Real Madrid. Auch nicht schlecht.

Das Ende der Träume vom „Quadruple“, von vier Titeln in einer Saison, brachte für Klopp ausgerechnet Gündogan, sein Ex-Schüler aus der gemeinsamen Zeit bei Borussia Dortmund. Er schoss zwei der drei Treffer, die Manchester City zum Meister machten, und das als Einwechselspieler. In der 68. Minute ersetzte der deutsche Nationalspieler Bernardo Silva, in der 76. Minute erzielte er per Kopf den 1:2-Anschlusstreffer und leitete damit das Comeback seiner Mannschaft ein, in der 81. Minute krönte er es, als er aus wenigen Metern zum 3:2-Endstand einschob.

Nach dem Siegtreffer rannte er mit ausgebreiteten Armen und aufgerissenem Mund zur Seitenlinie, rutschte auf den Knien über den Rasen, überschlug sich fast. Derart entfesselt hat man Gündogan selten beobachten können. „Wir können stolz auf uns sein. Auf solche Tage schaut man lange zurück“, sagte er hinterher, aufgekratzt und erschöpft zugleich.

Geschätzt wurde der deutsche Nationalspieler schon immer bei Manchester City, wo er 2016 ankam, als erster Transfer unter Trainer Pep Guardiola. Er ist dank konstant guter Leistungen eine Stütze in der milliardenschweren Startruppe und intern hoch angesehen als zweiter Kapitän. Durch den Doppelpack gegen Aston Villa hat er ein neues Level der Wertschätzung erreicht, er ist aufgestiegen zur City-Legende. Die englische Presse erinnerte nach dem nervenaufreibenden 3:2 an das Meisterschaftsfinale zehn Jahre zuvor, als Sergio Agüero die Mannschaft zum ersten Mal seit der Übernahme von Scheich Mansour auf den Premier-League-Thron hievte, durch sein Siegtor gegen die Queens Park Rangers (ebenfalls 3:2) in der 94. Minute. Gerade wurde vor dem Stadion eine Statue von Agüero enthüllt. „Vielleicht bekommt Gündogan eine Statue daneben“, schrieb die „Daily Mail“.

Manchester City sah gegen Aston Villa lange nicht wie Manchester City aus, die Mannschaft wirkte aus dem Takt. Dann kam Ilkay Gündogan und spielte eine besondere Stärke aus: „Er ist unser bester Spieler, wenn es darum geht, sich am langen Pfosten im richtigen Moment in Position zu bringen“, sagte Guardiola. Beide Tore erzielte Gündogan auf diese Weise.

Allerdings konnte er sein spezielles Talent in dieser Saison nur unregelmäßig einsetzen. In der Premier League stand Gündogan in nur etwas mehr als der Hälfte der Spiele in der Startelf. Bei wichtigen Partien wie zum Beispiel dem Topspiel gegen Liverpool Anfang April (2:2) oder dem Halbfinalhinspiel der Champions League gegen Real Madrid (4:3) kam er gar nicht zum Einsatz. Im Rückspiel in Madrid (1:3 nach Verlängerung) wurde er eingewechselt, spielte gut, verlor aber trotzdem mit dem Team. Wegen des Überangebots im Mittelfeld von Manchester City muss sich Gündogan, mittlerweile 31 Jahre alt, oft mit der Reservistenrolle abfinden.

Seine Zukunft ist demnach unklar. Im kommenden Jahr läuft sein Vertrag aus. Es halten sich Spekulationen, dass er den Klub in diesem Sommer verlassen könnte, auch wenn Trainer Guardiola zuletzt sagte: „Ich möchte ihn hier haben. Es gibt keine Absichten, ihn abzugeben.“ Auch Gündogan deutete nach dem Meisterschaftsfinale an, dass er sich weiter bei Manchester City sieht. Mit Blick auf Liverpool und seinen ehemaligen Trainer Jürgen Klopp, am Ende eines epischen Titelrennens nur einen Punkt schlechter als der Meister, sagte Gündogan: „Wir freuen uns darauf, uns in der kommenden Saison wieder mit ihnen zu duellieren.“

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