Luka Jovic. Reuters
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Luka Jovic. 

Real-Stürmer

Der ignorante Luka Jovic

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Während die europäischen Fußballligen durchweg das Saisonende hinauszögern wollen, verärgert der Ex-Frankfurter mit seinem Ego die Premierministerin in Serbien.

Luka Jovic, seines Zeichens Fußballspieler von Real Madrid, macht momentan das, was Fußballspieler nun mal so machen in diesen Coronazeiten: Er spielt daheim Monopoly mit seiner Liebsten, er zockt an der Konsole, er wirft Bälle durch die Reuse des provisorischen Basketballkorbs im Wohnzimmer. Das alles wäre kaum einer Erwähnung wert, wenn Luka Jovic, bis zum vergangenen Sommer ja bei Eintracht Frankfurt angestellt, nicht noch weitere Ablenkungen für den recht eintönigen Alltag gefunden hätte. Partys zum Beispiel, abseits des eigenen Heims, trotz Ausgangssperre in Serbien.

Dort werfen Boulevardblätter dem Stürmer nicht nur vor, seine Wohnung wegen eines Gangs zur Apotheke verlassen zu haben, sondern auch feiernd durch die Straßen Belgrads gezogen zu sein. Offiziell bestätigt sind diese Berichte nicht, freilich legen die Worte der serbischen Premierministerin Ana Brnabic deren Wahrhaftigkeit aber nahe. Sie sagte: „Leider haben wir negative Beispiele durch unsere Fußballstars. Sie verdienen Millionen und ignorieren die Vorgabe der Isolation.“ Brnabic hatte zuvor alle Serben im Ausland aufgerufen, möglichst nicht nach Hause zurückzukehren, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden.

Jovic juckte das ganz offenbar nicht, er ließ sich in Madrid zwar testen, nachdem bei den Real-Basketballern ein Covid-19-Fall aufgetreten war, dann aber stieg er doch in den Flieger, um in Serbien die Quarantäne anzutreten. „Es tut mir sehr leid, dass ich in diesen Tagen das Hauptthema bin“, so Jovic: „In Madrid war mein Covid-19-Test negativ, deswegen habe ich mich entschieden, nach Serbien zu reisen, um bei meiner Familie zu sein. Ich hatte dafür die Erlaubnis des Klubs.“ Er verwies darauf, „dass manche Leute ihren Job nicht professionell getan haben und mir keine konkreten Instruktionen gegeben haben, wie ich mich in meiner Isolation verhalten soll.“ So können sich Entschuldigungen also auch anhören.

Wann Jovic wieder seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Fußballspielen, nachgehen kann, ist aktuell natürlich ungewisser denn je. Geht es nach dem deutschen Virologen Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg sei eine Rückkehr zum Spielbetrieb „erst nächstes Jahr“ möglich. Der Mediziner hält es im Gespräch mit dem NDR für unrealistisch, die aktuelle Saison zu Ende führen zu können. „Man muss sich davon verabschieden. Selbst wenn es uns nicht so schlimm treffen sollte, heißt das noch lange nicht, dass der Fußball wieder anfangen darf. Denn das würde wieder zu einer deutlichen Verschärfung der Situation führen.“ Und weiter: „Wir sprechen hier über einen Zeitraum, der frühestens nächstes Jahr erreicht werden kann.“

Selbst die von den Fußballbossen angepeilten Geisterspiele seien nicht zielführend. „Auch Geisterspiele würden dazu verleiten, dass die Leute zusammen gucken wollen“, so Schmidt-Chanasiter. Während in der Bundesliga inklusive Nachholpartien noch 82 Spiele auszutragen wären, sind es in den anderen europäischen Topligen noch mehr. In England fehlen 92 Begegnungen bis zur Vollendung der Runde, in Spanien 110, in Frankreich 111 und in Italien gar 124 – ein Mammutprogramm. Entsprechend melden sich dieser Tage über alle Länder hinweg Verantwortungsträger zu Wort, um möglich zu machen, was immer schwerer möglich zu machen ist.

In England gilt beispielsweise die Regel, dass eine Saison nicht später als am 1. Juni enden darf, bis auf Weiteres nicht mehr. In Frankreich spricht sich Noel Le Graet, der Präsident des Fußballverbands, für Verlängerungen der Spielzeit bis Mitte Juli und des Geschäftsjahres bis Ende Juli aus, obwohl auslaufende Spieler- und Trainerverträge ja eigentlich nur noch bis Ende Juni Gültigkeit haben. Und selbst die Uefa lockert ihre Vorgaben mit Blick auf das Financial Fairplay. So verlängerte der europäische Fußballverband die Abgabefrist der Unterlagen für die Vereine um einen Monat. Die Klubs haben nun bis zum 30. April Zeit, um nachzuweisen, dass sie keine ausstehenden Zahlungen gegenüber anderen Vereinen, ihren Mitarbeitern und Steuerbehörden haben.

Bei all diesem Eifer, die Spielzeiten in den jeweiligen Ligen noch zu beenden, gibt es aber auch andere Stimmen. Jene, die nicht nur die Fußballblase im Auge haben. „Den Fußball wieder rollen zu lassen, hieße, der Gesellschaft zu signalisieren: Die Normalität ist wieder nahe. So ist es aber nicht“, rief Damiano Tommasi, Chef der italienischen Fußballergewerkschaft, in der „Süddeutschen Zeitung“ die Vorbildfunktion der kickenden Branche in Erinnerung.

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