Spürbar anders - das gilt auch für Armin Veh.
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Spürbar anders - das gilt auch für Armin Veh.

1. FC Köln

"Ich bin Realist"

  • vonAndreas Morbach
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Ohne große Hoffnungen auf den Klassenerhalt geht Armin Veh seine neue Aufgabe beim 1. FC Köln an - und wird dennoch mit salbungsvollen Worten empfangen.

Die erste Kölner Emotionswelle hat Armin Veh bereits überstanden. Am vergangenen Mittwoch, als sein neuer Jab als Geschäftsführer Sport beim Ultrakrisenklub 1. FC Köln publik wurde. „Was ich da an SMS bekommen habe, das war weitaus mehr als bei der deutschen Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart“, verglich der gebürtige Augsburger die Kurznachrichtenflut mit dem Höhepunkt seiner Trainerkarriere vor mittlerweile gut zehn Jahren. Jetzt wisse er immerhin, wie viele aus seinem Bekanntenkreis mit dem Geißbockklub verbunden sind und inzwischen auch in Köln leben. Auf diesem Weg brachte Veh nun also die Lebensumstände einiger Freunde auf den aktuellen Stand. Und auf die hinterhältige Frage, ob man ihn wegen der frischen Aufgabe eher beglückwünscht oder bemitleidet habe, schmunzelte er: „Teils, teils.“

Keiner kennt die fatale Lage des Vorjahresfünften, der in immer dunklerer Einsamkeit die rote Laterne des Ligaletzten schwenkt, besser als Werner Spinner und Alexander Wehrle. Präsident und Finanzchef des FC saßen Veh bei dessen Vorstellung am Montag zur Seite. Dabei wirkten beide Herren, als könnten sie es noch immer nicht fassen, dass sich der 56-Jährige „in dieser schwierigen Phase“ (Wehrle) überhaupt zu einem Engagement im Kölner Grüngürtel bereit erklärt hatte. Der absolute Tiefpunkt in dem an Tiefpunkten überreichen Herbst 2017 war am Sonntagnachmittag erreicht – mit dem 3:4 gegen den Tabellenvorletzten Freiburg. Nach eigener 3:0-Führung.

Fans fordern „Vorstand raus!“

Kaum war die Partie mit dem zweiten verwandelten Strafstoß von SC-Stürmer Nils Petersen entschieden und abgepfiffen, zückten die FC-Fans in der Südkurve ein Transparent mit der knappen Forderung: „Vorstand raus!“ Ihre Überlegungen für eine bessere Zukunft des dreimaligen deutschen Meisters brüllten die entnervten Anhänger den Verantwortlichen dann auch in wilder Wut entgegen. Die Klubspitze reagierte wenig später mit einem offenen Brief, in dem Oberboss Spinner und seine beiden Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach eigene Fehler eingestanden. Vor allem habe man Vehs Vorgänger Jörg Schmadtke und den frisch bei Borussia Dortmund untergeschlüpften Trainer Peter Stöger zu lange ungehindert walten lassen.

Den sehr kurzfristigen Wechsel des Österreichers zum BVB habe er nicht für möglich gehalten, kommentierte Wehrle ebenso pikiert wie enttäuscht. Dann wandte sich der gebürtige Schwabe entschlossen Nebenmann Veh zu, mit dem er 2006 schon mal beim VfB zu tun hatte. „Es gab große Erfolge, aber auch schwierige Phasen“, erinnerte sich Wehrle, lobte Integrität, Loyalität und Begeisterungsfähigkeit des neuen Sportchefs – wie auch dessen „tollen Humor“ und „positive Lebenseinstellung“. Passend dazu erwähnte Präsident Spinner noch die Empathie und den Optimismus von Armin Veh – „Eigenschaften, die beim 1. FC Köln in Zukunft eine große Rolle spielen werden.“

Für übertriebene Zuversicht war der Gebauchpinselte angesichts von sagenhaften elf Punkten Rückstand auf den Vorletzten Bremen aber nicht zu haben. „Ich bin Realist. Wenn wir gegen Freiburg gewonnen hätten, hätten wir noch eine kleine Chance gehabt. Jetzt dagegen müssen wir anders planen, ohne dass man die Bundesliga komplett wegschenkt – das wäre der Konkurrenz gegenüber nicht anständig“, ließ Veh seinen Gedanken freien Lauf, innerlich bereits eine Fußballetage tiefer angekommen. „Wenn kein großes Wunder geschieht, wir im nächsten Jahr also in der zweiten Liga anfangen – dann müssen wir eine Mannschaft zusammen haben, die sofort die Favoritenrolle übernehmen kann.“

Neben den dringend notwendigen Reparaturarbeiten am Profikader in der Winterpause ist die dringlichste Aufgabe des neuen Sportchefs die Suche nach einem Chefübungsleiter. Allerdings, so Vehs Hinweis zu Interimscoach Stefan Ruthenbeck: „Ich muss erst mal den jetzigen Trainer kennenlernen. Nicht dass wir da eine Entscheidung treffen, die uns die Zukunft verbaut.“

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