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„Um meinen Fußball mache ich mir ohnehin selten Sorgen – ich fühle mich gut“, sagt Toni Kroos.
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„Um meinen Fußball mache ich mir ohnehin selten Sorgen – ich fühle mich gut“, sagt Toni Kroos.

DFB-Team

Toni Kroos: „Ich habe mich nie selbst aufgestellt“

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Toni Kroos über Expertenkritik, seine Corona-Erkrankung, das Verhältnis zum Bundestrainer und böse Vorahnungen 2018.

Herr Kroos, wie war die Gefühlslage, als Sie in Madrid die Nachricht vom positiven Corona-Test bekamen?

Ich war nicht mehr sonderlich überrascht. Ein Mitarbeiter bei uns zu Hause war positiv, dann meine Frau – und, na ja, da konnte ich mich darauf einstellen, dass ich es auch bekomme, weil der Abstand zu meiner Frau überraschenderweise nicht allzu groß war ( lacht ).

Hat es Sie umgehauen?

Ich hatte zum Glück einen vergleichsweise milden Verlauf, ein bis zwei Tage lang Fieber, war zwei bis drei Tage platt, und dann ging es wieder. Und ich konnte dann daheim, ehe meine Nachtestung dann endlich negativ war und ich zum Team reisen durfte, schon wieder laufen und Sport machen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit im Camp in Herzogenaurach? Spielen Sie auch mit Paddle-Tennis?

Ich gehöre zur Gruppe Regeneration. Beim Paddle-Tennis geht man Wege, die ich mir lieber fürs Spiel spare.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Turnier?

Ich glaube, uns bleibt nichts anderes übrig, als sofort voll da zu sein, denn wir spielen gleich am Anfang gegen Frankreich, den Weltmeister, und damit gegen den wohl größten Titelfavoriten. Das ist kein Spiel zum Reinkommen. Wenn wir nicht gut anfangen, kann es schnell vorbei sein. Die Gruppe zu überstehen, wäre schon ein Statement.

Als Sie vor der WM 2018 gefragt wurden, wer der stärkste Gegner des DFB-Teams ist, antworteten Sie: „Möglicherweise sind wir es selbst.“ Sie hatten sehr recht. Wie kam es dazu?

Ich habe seinerzeit immer wieder gelesen, dass wir WM-Favorit sind. Ich selbst habe das schon im März 2018 nach dem Spiel gegen Brasilien etwas anders gesehen und zum Ausdruck gebracht. Gerne hätte ich darauf verzichtet, recht zu behalten. Das können Sie mir glauben.

Wie sehen Sie es jetzt?

Man braucht gar nicht weit ins Turnier zu schauen, wer der schwerste Gegner ist. Ich finde aber, dass wir eine sehr willige Mannschaft haben mit vielen Spielern, die sich Gedanken um Fußball machen, nicht nur um ihre individuelle Aufgabe, sondern, wie es gesamtheitlich funktionieren kann. Wichtig wird neben einer anderen Taktik natürlich auch sein, dass jeder eine bessere Form hat als 2018, um erfolgreich zu sein.

Wie erleben Sie den Bundestrainer vor seinem letzten großen Turnier?

Er ist topmotiviert und sehr aktiv in den Trainingseinheiten. Er korrigiert immer wieder und ist vielleicht auch einen Tick emotionaler als sonst.

Sie haben Löw nun mehr als zehn Jahre lang als Bundestrainer erlebt, 102 Länderspiele absolviert, Sie sind gemeinsam durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Wie hat sich Ihr Verhältnis entwickelt?

Wir hatten von Anfang an ein gutes Verhältnis, und bis heute haben wir ein großes Vertrauensverhältnis. Aber es ist ja nicht so, dass mir zu Beginn etwas geschenkt wurde in der DFB-Elf. Ich hatte auch erst einmal ein oder zwei Jahre, in denen ich beißen musste. Wenn man neu dazukommt als junger Spieler, ist es normal, dass man sich hinten anstellt.

Dann hat Löw aber meist bedingungslos auf Sie gesetzt – sind Sie ihm dankbar?

Man muss das ja schon mal sehen: Ich habe über mehr als zehn Jahre hinweg alle meine Länderspiele unter einem Trainer gemacht. Das ist etwas Besonderes, wenn man mal nach links und rechts schaut zu anderen Nationen. Von daher denke ich, dass der Bundestrainer und ich uns gegenseitig dankbar sein können: Ich ihm für sein Vertrauen über all die Jahre – und ich glaube, auch er ist relativ froh darüber, dass ich ihm dabei geholfen habe, dass er als Bundestrainer eine gute Geschichte erlebt hat. Es war also immer eine Win-win-Situation.

Auf Ihrer Position im zentralen Mittelfeld tummelt sich, sofern alle Spieler fit sind, die Konkurrenz. Fürchten Sie eigentlich um Ihren Stammplatz?

Also erst einmal bin ich hier nicht der Trainer, wie man ja weiß, und ich habe mich auch selbst nie aufgestellt (lacht). Das war immer der Trainer, und das ist von mir auch immer mit Leistung untermauert worden. Mir geht es hier vor der EM auch nicht um die ganzen letzten Jahre. Mir reicht es, wenn man auf meine letzte Saison schaut. Und da komme ich, glaube ich, aus einem guten Jahr mit Real Madrid.

Dennoch: Löw hat neben Ihnen viele Optionen im Mittelfeld.

Ja, und darüber sollten wir uns doch freuen und nicht ein Problem daraus machen. Denn ich glaube, wir hatten hier auch Zeiten, da hätten wir uns gefreut, wenn wir zwei gute Mittelfeldspieler gehabt hätten. Von daher ist es doch gut so, wie es jetzt ist. Und es ist gut, dass wir, auch mit Blick auf das gesamte Turnier, viele Optionen haben. Und wissen Sie: Um meinen Fußball mache ich mir ohnehin selten Sorgen – ich fühle mich gut.

Die Zeit rund um so ein großes Turnier ist ja immer auch die Zeit der sogenannten Experten und der Kolumnisten. Einige von ihnen haben Sie als möglichen Problemfall für Löw ausgemacht, weil Sie als etablierter Weltmeister jetzt so eine starke Konkurrenz im Mittelfeld haben. Wie denken Sie darüber?

Ach, es gibt immer viele Expertenmeinungen rund um jedes große Turnier. Das ist auch alles okay, davon lebt der Fußball ja auch. Aber ich kann mich jetzt hier nicht um jeden und um jede Meinung kümmern (lacht).

Dafür beschäftigen Sie sich sicher auch mit der großen Frage, wie die deutsche Elf auflaufen soll in der Abwehr – also mit einer Viererkette oder einer Dreierreihe. Was wollen Sie?

Diese Frage ist für mich nicht entscheidend. Viel wichtiger als die Systemfrage ist es, dass sich jeder Spieler wohlfühlt auf dem Platz. Dass jeder weiß, was er zu tun hat. Jeder Spieler muss seine Aufgaben kennen und sie umsetzen. Also: Wen muss ich wann anlaufen bei gegnerischem Ballbesitz? Wo muss ich sein, wenn wir den Ball haben? Und in welche Räume muss ich starten? Solche Dinge sind am wichtigsten. Wenn das passt, mache ich mir keine Sorgen.

Was ist noch von Bedeutung?

Dass wir keine einfachen Bälle verlieren. Die Franzosen kontern gut. Wenn ein Mbappé ins Laufen kommt, ist es fast egal, wer von uns dabei ist – dann wird es schwer, ihn zu stoppen.

Sprechen Sie als Führungsspieler über die Taktik mit Löw?

Der Trainer spricht viel mit uns. Er holt uns regelmäßig mit ins Boot, auch in Gruppen. Das ist ja auch wichtig: Die Mannschaft muss sich wohlfühlen mit den Vorgaben. Wenn sich 20 Spieler komplett unwohl fühlen würden in einem System, würde er es als Trainer auch nicht durchziehen.

Aufgezeichnet von Jan C. Müller

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