+
War nach dem Spiel nicht zu beruhigen: Huub Stevens.

Schalke 04

„Du bist lächerlich!“

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Schalke-Trainer Huub Stevens fällt aus der Rolle und beschimpft Reporter.

Nach dem knüppelharten Niederschlag in letzter Sekunde versuchte Huub Stevens erst einmal alles, um seine Spieler zur Räson zu bringen. Der Schalker Trainer wirkte auf seine aufgebrachten Spieler ein oder, besser gesagt, er schob sie, zerrte sie und riss sie hinfort von Schiedsrichter Sascha Stegemann, den ganz Königsblau als Sündenbock auserkoren hatte. Er machte das, das gehört nun mal auch zur Wahrheit, aus einem nicht ganz uneigennützigen Grund, der gute, alte Herr Stevens aus Kerkrade, auch schon 65 mittlerweile, aber kein bisschen weise oder gar leise: So nämlich hatte er freie Bahn, um persönlich dem Schiedsrichtergespann mal so richtig und in für ihn angemessener Lautstärke den Marsch zu blasen. Was da so alles en détail rausgelassen wurde, will man so genau gar nicht wissen.

Doch bei aller verbaler Kraft, nein, auch dieses Spiel wird der Niederländer nicht mehr gewinnen, es wird dabei bleiben: Schalke eins, Eintracht Frankfurt zwei. Ende Gelände.

Huub Stevens ist kein Wunderheiler

Für Stevens war die Niederlage bitter, klar, die Schalker stecken nun wirklich dick unten drin im Morast, und es ist schon bemerkenswert, wie wenig das Ensemble aus Gelsenkirchen zustande bringt, die spielerische Armut ist frappierend, es sucht sein Heil in erster Linie in einer defensiven Zerstörer-Ausrichtung, sehr nicklig und hart und an der Grenze zum Unerlaubten spielend. Es ist kein Wunder und auch kein Zufall, dass S04 so weit unten steht und einfach nicht auf die Beine kommt – trotz eines sündhaft teuren Kaders. Und wenn diese Leistung gegen die keinesfalls berauschend auftretende Eintracht schon eine der besseren Vorstellungen gewesen sein soll, dann lässt das tief blicken.

Huub Stevens ist jedenfalls nicht der Wunderheiler, der die Schalker im Handstreich da unten herausführen wird. Das ist spätestens seit Samstagnachmittag klar. „Die ganze Welt ist gegen uns, dagegen muss man als Schalke 04 ankämpfen, und das werden wir tun“, sagte der Fußballlehrer in der offiziellen Pressekonferenz. Da hatte er sich noch halbwegs im Griff. Ein paar Minuten später nicht mehr, da verlor er komplett die Contenance.

Als ihn ein Journalist in der Mixed Zone betont sachlich fragte, ob sich der Schalker Spieler Suat Serdar in der Schlussphase nicht etwas unglücklich verhalten habe, als er am eigenen Strafraum den Eintracht-Akteur Filip Kostic gefoult und dafür Gelb-Rot gesehen hatte, platzte Stevens der Kragen. „Grandios. Super, dass Du diese Frage stellst.“ Er lobte den kämpferisch Einsatz des Torschützen, und als der Journalist dem Holländer erklären wollte, wie die Frage gemeint war, schimpfte der 65-Jährige: „Hör auf! Ich antworte dir nicht mehr! Weg! Du bist lächerlich! Du stehst hier und bist der große Junge, aber du bist lächerlich. Hast du kein Gefühl dafür?“

Stevens, einmal in Fahrt, legte nach und wandte sich an die übrigen Reporter: „Er stellt eine Frage nach einem Jungen, der 90 Minuten gekämpft hat und dann die zweite Gelbe Karte bekommt. Hört mir auf. Das ist keine Fußball-Vernunft.“ Der arg in die Enge getriebene Journalist forderte daraufhin einen respektvolleren Umgang ein, für ihn seien die Äußerungen des Coachs zu viel gewesen. Stevens wischte den Einwand beiseite: „Nein. Das kann für Dich zu viel sein, aber nicht für mich. Schreib‘ morgen, was Du willst. Mir macht das nichts aus. Ich bin in zwei Monaten eh wieder weg. Du kannst schreiben, was Du willst. Aber komm‘ mir nicht wieder mit einer Interviewanfrage. Das ist vorbei. So bin ich. Gerade raus.“

Aber damit noch immer nicht genug: Als einer die Frage des Kollegen erneut aufgriff, entgegnete Stevens. „Du musst jetzt nicht nachplappern, was er eben gesagt hat. Der Papagei muss nicht auf deiner Schulter sitzen.“

Kampfeslust steckt ja zumindest noch in ihm, dem sympathischen Herr Stevens, aber irgendwie ertappt man sich dennoch dabei, wie man seine Worte einfach auf jemanden anderen münzen möchte: „Hör auf! Weg! Du bist lächerlich!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare