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Hungriger Außenseiter

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Von: Daniel Schmitt

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Offensivkraft für die Lilien: Magnus Warming. Foto: Imago images
Offensivkraft für die Lilien: Magnus Warming. Foto: Imago images © IMAGO/Beautiful Sports

Nach dem knapp verpassten Aufstieg greift der SV Darmstadt 98 wieder an - ohne sich dabei unnötig unter Druck zu setzen.

Diesen Eindruck wollte Carsten Wehlmann nicht auf sich sitzen lassen. „Nein, nein“, bedeutete der Sportchef von Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98, „das täuscht.“ Darauf zu schließen, dass er und die anderen Entscheidungsträger bei den Hessen eine entspannte Sommerpause erlebt hätten, nur weil der Klub auf dem Transfermarkt vergleichsweise wenig agierte, sei ein Trugschluss. „Es ist immer genug zu tun, man bewegt sich dauerhaft am Markt und bereitet sich auf alle Eventualitäten vor“, sagt Wehlmann im Gespräch mit der FR.

In der Tat aber können sie in Darmstadt recht zufrieden sein mit den bisherigen Wechselspielchen. Trotz einer herausragenden Saison mit Platz vier im Abschlusstableau konnte das Gros an Stammkräften gehalten werden. Lediglich zwei verließen den Klub, Torjäger Luca Pfeiffer und Außen Tim Skarke, im Gegenzug kamen mit den beiden Offensiven Oscar Vilhelmsson (18 Jahre, IFK Göteborg) und Magnus Warming (22, FC Turin) sowie dem Mittelfeldkämpfer Yassin Ben Balla (26, FC Ingolstadt) drei potenzielle Stammspieler dazu. „Die Truppe lebt und ist bereit“, sagt Torsten Lieberknecht, der am Samstag (13 Uhr/Sky) mit dem Spiel bei Jahn Regensburg in seine zweite Saison als Lilien-Trainer startet. Eine die noch besser als die erste werden könnte? „Wir bleiben ambitioniert und versuchen, wieder unsere Nische zu finden“, antwortet Lieberknecht. Ein klares Ziel formuliert er bewusst nicht.

Honsak fällt länger aus

Obwohl die Liga nach den Aufstiegen der beiden Schwergewichte aus Bremen und Schalke (siehe Artikel unten) um zwei Attraktionen und Favoriten ärmer ist, will auch Wehlmann die Erwartungen nicht hochschrauben. Ganz im Gegenteil. Der erfolgreiche Manager tritt in der Außendarstellung auf die Bremse. „Nur weil wir Vierter geworden sind, werden wir nicht automatisch jetzt Ziele formulieren. Das wäre vermessen mit Blick auf die starke Konkurrenz und die unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten, das würde auch nicht zu Darmstadt 98 passen.“ Man tue gut daran, weiterhin auf sich zu gucken und „unseren Weg zu gehen. Wir wollen den Fans etwas bieten.“ Ein einstelliger Tabellenplatz, vor allem keinerlei Abstiegssorgen sollen es mindestens sein.

Die Liga sei „unberechenbar“, findet Lieberknecht, Manager Wehlmann hält sie für „extrem ausgeglichen“. Auch gebe es genügend Klubs, die mit hohen Ansprüchen in die Saison starten. „Nürnberg, Hannover, Düsseldorf, die Absteiger Bielefeld und Fürth, St. Pauli, Heidenheim, der HSV sowieso“, zählt der Sportliche Leiter auf. Die zwei sogenannte Schwergewichte seien zwar raus, „aber es gibt immer noch eine Reihe von Klubs, die ordentlich Gewicht mitbringen. Das macht die Liga attraktiv.“

Für den an der Seitenlinie zwar oft wild umherhüpfenden, ansonsten aber sehr bodenständig daherkommenden Trainer ist ohnehin immer das nächste Spiel das schwierigste. Ein vermeintlich langweiliger Ansatz, den der Coach jedoch in der täglichen Trainingsarbeit auch vertritt. Lieberknecht gesteht seinen Spielern Freiheiten ein, will diese aber niemals ausgenutzt wissen. Larifari lässt er nicht zu - zumindest dann nicht, wenn volle Konzentration gefragt ist. So wie am Wochenende: „Ich erwarte, dass wir sofort brennen.“

Auf unbestimmte Zeit, „mehrere Wochen“, so Lieberknecht, werden jedoch die beiden Offensivspieler Mathias Honsak (Knochenödem am Rücken) und Aaron Seydel (Hirnhautentzündung) fehlen, das schmerzt, da auch der junge Schwede Vilhelmsson erst Anfang der Woche zum Team gestoßen war. Der 18-Jährige, der bereits mit 15 in der Heimat sein Profidebüt gab, soll auf Sicht den Abgang von Pfeiffer kompensieren. Vilhelmsson sei eine Mischung aus „Soforthilfe und Perspektivspieler“, sagt Wehlmann, der bei der ersten Begutachtung des Juniorennationalspielers gleich erkannt habe, dass dieser „einiges an Qualität besitzt“. Bloß: „Man darf ihn mit Erwartungen nicht überladen, er ist noch sehr jung.“ Am Samstag wird wohl Phillip Tietz als Solist in vorderster Linie beginnen. Die Lilien halten zudem die Augen nach einem weiteren Angreifer offen. Lieberknecht spielt ja ohnehin am liebsten mit einem Zweiersturm.

Erfahrene Achse

Vor allem aber wird es die erfahrene Achse richten müssen, die - das ist eine Stärke der Lilien - aus einer Vielzahl an Spielern besteht. Im Tor ist Marcel Schuhen zwar kein Mann für spektakuläre Reflexe, aber eine absolut sichere Bank. Auf links verteidigt seit eh und je solide bis sehr gut der Kapitän Fabian Holland, auf der anderen Seite entwickelte sich Matthias Bader zu einem der besten Rechtsverteidiger der Liga. Im Mittelfeldzentrum räumt Klaus Gjasula ab, während Nebenmann Tobias Kempe, der Schlüsselspieler, die Angriffe initiiert. Vorne hat Tietz seine Knipserqualitäten längst nachgewiesen.

Alles in allem verfügt der SV Darmstadt über eine Mannschaft, die nicht automatisch ganz oben anklopfen muss, es bei einem optimalen Saisonverlauf - wenige Verletzungen, Spielglück, schwächelnde Konkurrenz - aber durchaus erneut kann. Kategorie: hungriger Außenseiter.

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