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Islands Torwart Hannes Halldorsson. Foto: AFP
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Islands Torwart Hannes Halldorsson.

DFB-Gegner Island

Hungrig ohne Hu

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Islands Fußballer fehlt die Unterstützung von den Rängen. Als Einheit sind sie aber nicht zu unterschätzen.

Knapp 60 Prozent der rund 360 000 Einwohner Islands konzentrieren sich auf den Großraum rund um Reykjavik. Dennoch verströmt eine der putzigsten Hauptstädte nie den Charme von hektischer Betriebsamkeit. Markenzeichen ist vielmehr ein kräftiger Wind, der eigentlich unentwegt um die vielen Holzhäuser pfeift – und wohl auch die meisten Corona-Aerosole hinfort bläst. Die Sieben-Tages-Inzidenz für Island liegt aktuell bei 6,2 und ist damit die niedrigste in Europa. Die Insel im Nordmeer ist eine der wenigen Regionen, bei denen nicht mal Karl Lauterbach eine Reisewarnung aussprechen dürfte. Und daher war es auch nicht beunruhigend, dass sich die fußballerischen Repräsentanten zuerst in Reykjavik versammelt haben, um nun zum Qualifikationsspiel nach Deutschland zu kommen.

Die letzten Länderspiele gegen England (0:4) und Belgien (1:2) verliefen ebenso wenig erfreulich wie die EM-Qualifikation. In den Playoffs gegen Ungarn entriss der Neu-Leipziger Dominik Szoboszlai den Isländern in der Nachspielzeit das sicher geglaubte Ticket – sonst wäre Joachim Löw auch bei der EM auf den ersten Kontrahenten auf dem Weg zur Wüsten-WM 2022 getroffen. Der Bundestrainer stellte am Mittwoch vor allem „die gesunde Mentalität“ bei einem Gegner heraus, der sich „über eine gute Mannschaftsleistung“ definiere. Island könne „echt gut verteidigen, weil sie tief in der eigenen Hälfte stehen“. Insgesamt würden die Gäste „schnell, schnörkellos, mit langen Bällen“ spielen, „das sieht nicht immer schön aus“.

Die Ausrufezeichen gelangen vor allem bei der EM 2016. Erst überstand der Außenseiter die Gruppenphase gegen Portugal, Österreich und Ungarn, bezwang dann im Achtelfinale sensationell England. Torwart Hannes Halldorsson und Torjger Kolbeinn Sigthórsson avancierten über Nacht zu Nationalhelden. Noch mehr ins Gedächtnis brannte sich das Begleitorchester auf den Rängen: Tausendfach im Stakkato über den Kopf geführte Hände, die immer schneller klatschten und dabei „Hu-Hu-Hu“ riefen, sollte zu dem Stimmungshit eines Turniers werden, das auf französischem Boden lange unter den rigorosen Sicherheitsvorkehrungen litt. Im Grunde brachen die Nordmänner das emotionale Eis; und dass Gastgeber Frankreich diese Inszenierung gar nachahmte, sagte eigentlich alles.

Stark als Team

Auch bei der WM 2018 war Island dabei, landete in der Vorrundengruppe mit Argentinien, Nigeria und Kroatien aber auf dem letzten Rang. Für prächtige Stimmung in den russischen Spielorten sorgten Fans mit Wikingerhelmen trotzdem. Ein Jahr später kam auch das deutsche Frauen-Nationalteam mit dem besonderen Singsang in Berührung, als die DFB-Frauen beinahe die WM-Qualifikation vergeigt hätten – im September 2019 erstickte Svenja Huth unter einem schillernden Regenbogen im vollbesetzten Nationalstadion von Reykjavik den „Hu-Hu-Hu“-Schlachtruf.

Dass die kickenden Idole Islands diese Unterstützung brauchen, ist unbestritten. Das würde man schon sehr vermissen, beteuern die Protagonisten. Keine leichte Aufgabe für den neuen Nationaltrainer Arnar Vidarsson, der zuvor die U21-Auswahl coachte. Ihm macht aber noch etwas anderes zu schaffen: Während der Zufluss für die Geysire so schnell nicht versiegt, sprudelt die Talentequelle nicht mehr so üppig, obwohl viele Kunstrasenplätze errichtet worden sind. Noch immer steht eine ältere Generation in der Verantwortung, zu der eigentlich auch der verletzte Stürmer Alfred Finnbogason vom FC Augsburg gehört.

Der Prozess der Verjüngung, räumte der 32-Jährige beim Sportinformationsdienst ein, habe noch nicht stattgefunden. Doch unterschätzen solle man seine Spielgefährten nicht, auch wenn der einst bei der TSG Hoffenheim tätige Topstar Gylfi Sigurdsson (FC Everton) wegen der bevorstehenden Geburt seines Kindes fehlen wird: „Wir haben nicht die besten individuellen Spieler in Europa, aber als Team sind wenige so stark wie wir“, sagt Finnbogason. „Ich glaube, es ist noch etwas drin in dieser Mannschaft. Wir haben den Hunger, noch etwas zu erreichen.“

Nur ohne „Hu, Hu, Hu“.

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