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Ohne Chance: Rafal Gikiewicz. Foto: dpa
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Ohne Chance: Rafal Gikiewicz.

FC Augsburg in der Klemme

Hulk wütet

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Augsburgs aufgebrachter Torhüter Rafal Gikiewicz warnt nach 1:4-Pleite gegen Mainz 05 jetzt schon vor dem Abstieg - und das zurecht.

Rafal Gikiewicz hatte das Trikot und die Fußballschuhe ausgezogen, trug aber noch sein grünes Funktionshemd, die grüne Hose und die grünen Stutzen, als der Torwart des FC Augsburg zur Generalabrechnung ausholte. Nach der 1:4-Abreibung beim FSV Mainz 05 hätte Gikiewicz‘ Gesamtkomposition bestens zu jeder Hulk-Inszenierung gepasst, wenn die Titelfigur aus den gleichnamigen Comics sich bei jedem Anflug von Wut zum rasenden Monster verwandelt. Das grüne Männchen mit den stahlblauen Augen motzte in bester Oliver-Kahn-Manier über seine Vorderleute: „Wir haben keine Eier mit Ball, wir haben keine Eier gegen den Ball. Wenn Du so spielst jede Woche, sind wir im Sommer in der zweiten Liga!“

Es waren Sätze wie Peitschenhiebe, die der seit 2014 in Deutschland beschäftigte Pole fallen ließ. Er werde am kommenden Dienstag – einen Tag vor dem DFB-Pokalspiel beim VfL Bochum (Mittwoch 18.30 Uhr) – 34 Jahre alt und habe eigentlich vor, noch ein bisschen in der Bundesliga Bälle zu fangen. „Mit so einer mentalen Vorbereitung kannst du nicht in der Bundesliga spielen, nicht einmal in der Kreisliga. Wir kommen zum Spiel, der Schiri pfeift – und alles ist weg.“ Seine träge Mannschaft sei nur „eine Vorspeise“ für hungrige Mainzer gewesen. Er habe „das Gefühl, wir sind zu satt und haben keine Lust, Fußball zu spielen.“ Der frustrierte Leistungsträger hatte sich Mitte der zweiten Halbzeit Hohngesänge auf den nahenden Untergang („Zweite Liga – Augsburg ist dabei“) anhören müssen und konnte keine Gegenargumente anführen, außer: „Darauf habe ich keinen Bock, dass ein ganzes Stadion das singt.“

Trainer Markus Weinzierl ärgerte sich vor allem an der fehlenden Wehrhaftigkeit seines handzahmen Ensembles: „Wenn wir die Zweikampfquote nicht nach oben schrauben, wird es schwierig, ein Spiel zu gewinnen.“ Der 46-Jährige gab mit versteinerter Miene zu, sein Matchplan sei „nicht befolgt“ worden. „Wir sind zu früh rausgelaufen, waren nicht kompakt, das Spielfeld war zu groß.“ Ergo habe der Gegner leichtes Spiel gehabt. Mit Blick auf die nächsten Bundesligapartien gegen den VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg und FC Bayern sorgt sich auch FCA-Abwehrspieler Jeffey Gouweleeuw: „Wenn wir so spielen, holen wir keine Punkte. Wir reden auf dem Platz zu wenig.“

„Ein bisschen Krieg“

Deshalb sei es in der Kabine auch richtig laut geworden, „ein bisschen Krieg“ habe es gegeben und das müsse auch so sein, erklärte Gouweleeuw, während Gikiewicz konkret von „kaputten Flaschen“ erzählte. Weinzierl negierte zwar in der Pressekonferenz derartige Vorfälle, was nichts daran ändert, dass bei den Fuggerstädtern bereits Grundsätzliches zerborsten ist: die Zuversicht, endlich eine sorgenfreie Saison zu spielen. Stellt sich unweigerlich die Frage, welche Verantwortung der Trainer an der mageren Ausbeute mit erst sechs Zählern besitzt. Zumal Markus Weinzierl seit Amtsantritt im April mit erst zwei Siegen in zwölf Ligaspielen nicht gerade eine Erfolgsbilanz vorzuweisen hat.

„Es ist zu wenig, was wir anbieten. Da ist jeder gefordert“, sagte Manager Stefan Reuter. Der 55-Jährige stellte klar, dass „Markus Weinzierl unsere volle Rückendeckung hat“. Der Weltmeister von 1990 geht übrigens bei der steilen These von Klubchef Klaus Hofmann mit, der unter der Woche gesagt hatte, dass der FC Augsburg sich unter den Vorgängern Heiko Herrlich und Martin Schmidt, mittlerweile übrigens Sportdirektor in Mainz, „systematisch das Fußballspielen abgewöhnt“ habe. „Die letzten Jahre waren wir mit der Art und Weise nicht zufrieden, wie wir gespielt haben“, bestätigte Reuter, wohl wissend, dass es schwierig werden dürfte, in nächster Zeit Stabilität und Effektivität auch noch mit Attraktivität zu paaren.

Rafal Gikiewicz empfahl derweil, bis zur Winterpause 20 Punkte zu holen – und erinnerte in diesem Zusammenhang an seinen Wechsel vor zehn Jahren zu Slask Wroclaw in Breslau. „Zur Halbzeit waren wir Vorletzter, am Ende Meister.“ Dass sich diese Geschichte in der Bundesliga mit den bayrischen Schwaben eher nicht wiederholt, wusste der impulsive Keeper, aber eines wollte er damit sagen: Nach neun Spieltagen ist es für Korrekturen nicht zu spät. Vielleicht kann seine Verwandlung in einen Hulk dabei sogar helfen.

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