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Neulich im Derby: Der St. Paulianer Finn-Ole Becker (links) überläuft HSV-Mittelfeldspieler Ludovit Reis.
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Neulich im Derby: Der St. Paulianer Finn-Ole Becker (links) überläuft HSV-Mittelfeldspieler Ludovit Reis.

Zweite Bundesliga

HSV und St. Pauli: Verkehrte Fußballwelt in Hamburg

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Während der Hamburger SV oftmals ins Verderben rennt, führt der FC St. Pauli die zweite Liga abgezockt vor.

Schietwetter gerade in Hamburch, Sturm und Regen, der die Leute nach einem außergewöhnlich milden Herbst von den Straßen kehrt. Passt zur Stimmung beim Hamburger SV. Der wurde zuletzt mit Pfiffen und Bierbechern aus dem Volkspark verabschiedet. 1:1 gegen 70 Minuten dezimierte Düsseldorfer. Sechstes Unentschieden der Saison. Vorwärts in Mäuseschritten.

Sieben Punkte trennen die Rothosen auf Platz acht vom Tabellenführer FC St. Pauli. Bei HSV-Fans führt das zu intensivem Phantomschmerz. Ausgerechnet Pauli dominiert die Liga. Mit abgezocktem Gegenteilfußball zum Ex-Platzhirschen. Der HSV rennt regelmäßig ins Verderben. Ballbesitz, gelaufene Kilometer, Großchancen - überall ist Tim Walters Ultraoffensivteam spitze, dennoch steht vor dem Freitagspiel (18.30 Uhr) in Paderborn der schlechteste Saisonstart im vierten Zweitligajahr im Zwischenzeugnis.

Der langjährige HSV-Reporter der vielgelesenen Onlineplattform „Moin Volkspark“, Marcus „Scholle“ Scholz, fürchtet, dass Walters spektakuläres Spielsystem „auch genauso spektakulär“ scheitern könnte. Walter selbst gibt sich unbeeindruckt. Er findet, trotz der vielen Meter grünen Wiese hinter seiner extrem hochstehenden Abwehr sei „eine Balance drin“ im Spiel. Das sehen die meisten der ständigen Beobachter anders. Denn der HSV lässt sich regelmäßig naiv auskontern wie in Überzahl gegen Düsseldorf. Wahr ist aber auch: Der Traditionsklub ist nicht deshalb mehr ein „sinkendes Schiff, da man lange Zeit antike Motoren für wertvoll erachtete“, wie Blogger Scholl erkannt hat. Terodde (33), Ulreich (33), Leistner (31), Gjasula (31), Hunt (35): alle weg. Antik ist praktisch nichts mehr in einem der jüngsten Teams der zweiten Liga. Was geblieben ist, hat der Trainer Walter längst erspürt: „Unentschieden sind bei uns eine gefühlte Niederlage.“

Trainer Timo Schultz und die „unheimliche Wucht“

Mit Punkteteilungen hat sich der FC St. Pauli an den ersten zehn Spieltagen nur einmal aufgehalten. Sieben Siege, oft spektakulär wie beim 3:2 im Derby gegen den HSV oder jüngst beim 4:2-Sieg nach Pausenrückstand in Heidenheim, hat die Mannschaft von Timo Schultz bereits gesammelt. Die Konkurrenz ist beeindruckt. Dresdens Trainer Alexander Schmidt lobte nach dem 0:3 vor zwei Wochen am Millerntor die „unheimliche Wucht“ der Gastgeber. Der Karlsruher Chefcoach Christian Eichner sprach nach dem 1:3 gegen den Hamburger Stadtteilklub von dessen „fußballerischer Reife und Raffinesse“. Attribute, von denen der Hamburger SV sich gerade weit entfernt bewegt.

St. Pauli hat die Abgänge des von Eintracht geborgten Rodrigo Zalazar (jetzt Schalke 04) und des aus Wolfsburg entliehenen Omar Marmoush (jetzt VfB Stuttgart) erstaunlich gut aufgefangen. Nichts ist mehr übrig von der Düsternis zur Jahreswende, als Sportchef Andreas Bornemann und Präsident Oke Göttlich den Usancen der Branche trotzten und Trainer Schultz nicht nur deshalb auf einem Abstiegsplatz im Amt beließen, weil der emphatische Ostfriese schon als Spieler, Jugendtrainer und Teammanager zehn Jahre lang dem Klub treu geblieben war.

St. Pauli ist bestes Zweitligateam 2021

Seitdem hat der 44-Jährige geliefert und die beste Zweitligamannschaft des Kalenderjahres 2021 gebastelt. Mit zwei Offensivleuten, Torjäger Guido Burgstaller und dem Ex-Wiesbadener Daniel-Kofi Kyereh, die jede Zweitligabwehr in Angst und Schrecken versetzen können, mit Mittelfeldspieler Jackson Irvine, einem Australier, der mit Bahn und Bus zum Training kommt, mit dem unbarmherzigen Afeez Aremu, einem Mann, der alle Gegner in Grund und Boden rennt, und mit dem frisch verheirateten Kapitän und Abwehrchef Philipp Ziereis, seit acht Jahren im Klub.

Pauli-Fan Dirk Borkowsky könnte noch ein halbes Dutzend weiterer Spieler aufzählen, die ihm gerade Spaß bereiten, „die kriegen alle ein Sternchen, manche auch ein Doppelsternchen“. Donnerstagabend hat er sich mit seinem alten Kumpel Oliver Thier getroffen. Der ist HSV-Fan. Borkowsky hat das Thema Tabellenspitze einfühlsam ausgelassen. Die Freundschaft ist ihm wichtiger.

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