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Jonas Boldt ist neuer Sportvorstand beim HSV.

Kommentar

HSV? Fühlt sich „gut an“

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Die üblichen Peinlichkeiten aus dem Hause HSV. Ein Kommentar.

Zum Profifußballgeschäft gehört es insbesondere, dass Entscheidungen stets erst im Blick zurück auf ihre Wirkung beurteilt werden können. Es könnte also tatsächlich passieren, dass der heutige Tag beim rundheraus ruhmlosen Hamburger SV später mal als Wende zum Guten angesehen werden darf. Aus der leidvollen Erfahrung ist das allerdings wenig wahrscheinlich. 

Seit einem vollen Jahrzehnt haben sie beim HSV noch immer alles irgendwie vermurkst, was sie auch angepackt haben. Seinerzeit gewann der damalige Klubchef Bernd Hoffmann den Machtkampf gegen den Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, der sich daraufhin entnervt trollte, ehe er später bei seiner Rückkehr (nachdem man Hoffmann losgeworden war) kaum noch was auf die Reihe bekam. Inzwischen ist Hoffmann längst wieder der starke Mann im Klub, auf dessen Betreiben hin nun Beiersdorfers überforderter Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger Ralf Becker geschasst und, schwuppdiwupp, durch Jonas Boldt ersetzt wurde. Becker schaffte noch nicht mal ein Jahr an der sportlichen Spitze, noch weniger ergo als die in den vergangenen zehn Jahren in dieser Position hanebüchen erfolglos fungierenden Herren Reinhardt, Arnesen, Kreuzer, Knäbel, Todt sowie Beiersdorfer und Hoffmann selbst. Im selben Zehnjahreszeitraum wurden zwölf Trainer durch den Hamburger Fleischwolf gedreht, von denen zeitweise vier parallel auf der Payroll standen. 

Auch so erklärt sich, dass der HSV in den vergangenen acht Bilanzjahren jeweils einen Verlust auswies und aktuell mit einem Rekordjahresfehlbetrag von bis zu 20 Millionen Euro rechnen muss. Zudem hat er sich bei seinen Fans über eine Anleihe 17,5 Millionen Euro geliehen, um damit eine vorhergegangene Fananleihe abzulösen, deren Erlös statt wie versprochen in den Nachwuchs lieber in erfolglosen Profifußball gestopft wurde.

Derzeit, so hört man, denken sie ernsthaft darüber nach, ihre vor exakt fünf Jahren als zukunftsweisend gefeierte Rechtsform der Aktiengesellschaft durch eine Kommanditgesellschaft auf Aktien abzulösen, um so mehr Anteile verhökern zu können. Vor diesem Hintergrund ist es tatsächlich erstaunlich, dass der neue Sportchef Boldt vorgibt, es fühle sich „gut an“, beim HSV einzusteigen. Möglicherweise ist das aber so zu verstehen, dass der seinerzeit auffällig hastig in Leverkusen ausgestiegene Mann weiß, dass er nichts mehr großartig kaputtmachen, sondern im Grunde nur etwas gewinnen kann. Wenn es wieder schieflaufen sollte, ach herrje, dann wäre Boldt halt einer unter vielen, der es versucht, aber nicht geschafft hätte, den scheintoten Ex-Dino von der Bahre zu hieven.

Zu den üblichen Peinlichkeiten aus dem Hause HSV gehört es, dass Boldts Vorgänger Becker noch mit dem Trainerkandidaten Dieter Hecking verhandelte, derweil Hoffmann seinen Rausschmiss an den Aufsichtsrat delegierte. Dessen Vorsitzendem Max-Arnold Köttgen hätten sie die Pressekonferenz zur Vorstellung von Boldt besser erspart. Köttgen, bezeichnenderweise im Brotberuf Vorstand eines Recyclingunternehmens, hat die Tristesse in ein paar Stakkatosätzen zusammengestammelt. Man sei „zum richtigen Zeitpunkt“ zu einer „klaren Entscheidung“ gekommen. Und, na klar, Geld genug, das alles zu bezahlen, ist natürlich auch da.

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