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HSV-Krise: Aufstieg Pflicht? Ein Missverständnis zwischen Fans und Führung

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Von: Robin Dittrich

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Der HSV befindet sich in einer sportlichen Krise. Für die Führung der Hamburger ist das kein Grund zur Panik. Die Fans gehen jedoch auf die Barrikaden.

Hamburg – Der Hamburger SV* ist seit vier Ligaspielen ohne Sieg. Das ist die harte Realität im Aufstiegsrennen. Neun Punkte sind die Rothosen bei einem Spiel weniger schon hinter Tabellenführer FC St. Pauli. Trotz DFB Pokal-Halbfinale* ist der Unmut bei den Hamburger Fans deshalb groß. Auf Social-Media hagelt es mehr unsachliche Beleidigungen als sachliche Kritik.

Doch die Führung des HSV um Sportvorstand Jonas Boldt* hält am bisherigen Kurs fest. Für sie war von vornherein klar: Der Aufstieg ist keine Pflicht. Das haben die Fans der Rothosen noch immer nicht verinnerlicht.

Fußballverein:Hamburger SV
Gründung:29. September 1887
Mitglieder:Über 85.000
Nächstes Gegner:SC Paderborn, 2. April 13:30 Uhr

HSV-Fans reden sich auf Social-Media in Rage – Jonas Boldt beschwichtigt

Der Aufschrei der HSV-Fans auf Social-Media* war nach dem zwölften Unentschieden der Saison groß. Als „unterirdisch“ und „bodenlos“ wurde die Leistung der HSV-Spieler bezeichnet. Solche Worte tun insbesondere von den eigenen Anhängern weh. Menschen, die sich sonst unter die 57.000 im Volksparkstadion* mischen und die eigene Mannschaft über 90 Minuten nach vorne peitschen, werden zu Gegnern der eigenen Spieler. Wieso herrscht so wenig Vertrauen in das Team von Trainer Tim Walter*?

Jonas Boldt neben Fans des Hamburger SV
Der HSV in der Krise? Jonas Boldt und die Hamburger Fans sind sich uneinig. (24hamburg.de-Montage) © Jan Huebner/Sven Simon/imago

Ein Großteil der Kommentare nach dem Spiel bezog sich auf den Aufstieg in die Bundesliga. „Und noch ein Jahr Zweite Liga“ sowie „Aufstieg weg“ waren dabei die sachlichsten Beiträge. Aber: War das jemals das ausgeschriebene Ziel? Nicht laut Sportvorstand Jonas Boldt. Er stellte schon in der Hinrunde klar, dass ein Aufstieg natürlich schön, aber keine Voraussetzung wäre – es ist nicht das ausgeschriebene Ziel. „Es ist wichtig, einen Weg einzuschlagen, der nachhaltig ist.“ Für ihn ist der Aufstieg nur das langfristige Ziel.

Interessant für alle Stadiongänger: Das sind die aktuellen Regeln im Hamburger Volksparkstadion*.

Der HSV muss sich erst in der Zweiten Liga etablieren, bevor ein Aufstieg Sinn ergibt

Viele Fans werden bei solchen Worten sagen: „Der HSV ist ein großer Traditionsverein und hat in der Zweiten Liga nichts zu suchen.“ Doch genau mit den letzten drei Saisons haben die Rothosen bewiesen, dass sie aktuell nicht in die Bundesliga gehören. Das haben die Verantwortlichen vor der Spielzeit 2021/22 erkannt und Konsequenzen gezogen. Jonas Boldt verpflichtete mit Tim Walter einen anderen Trainertypen, als es Dieter Hecking und Daniel Thioune waren. Im Laufe der Saison deckte Boldt seinem neuen Mann an der Seitenlinie mehrfach den Rücken* und lehnte eine Diskussion um seine Position strikt ab.

Auch in der Kaderplanung gab es gravierende Änderungen. Viele neue Spieler wie Kapitän Sebastian Schonlau*, Robert Glatzel* und Jonas Meffert wurden verpflichtet. Der HSV stellt zudem das jüngste Team aller Zweitligisten, weil Talente wie Faride Alidou* und Anssi Suhonen in die erste Mannschaft befördert wurden. Den Aufstieg mit einem so frischen Team vorauszusetzen, spricht von einer Art Arroganz und Erfolgsverwöhntheit. Doch: Der Hamburger SV ist aktuell nicht mehr das große Team der frühen 80er-Jahre.

Eine langjährige Misswirtschaft sorgte dafür, dass die Rothosen verdientermaßen in der Zweiten Liga landeten. Daraus muss sich in langen Schritten herausgekämpft werden. Die ersten Schritte dafür sind schon getan. Jonas Boldt konnte in den letzten Wochen die Käufe von Marko Vuskovic* und Miro Muheim* verkünden. Wenn sich dieses Team in der Zweiten Liga etabliert, kann es auch in der Bundesliga bestehen.

Könnte der HSV in der Ersten Bundesliga die Klasse überhaupt halten?

Auch wenn der HSV nach dem Sieg der Deutschen Meisterschaft und des Europapokals der Landesmeister 1982/83 keine großen Erfolge mehr verbuchen konnte, spielten sie zu Beginn der 2000er Jahre trotzdem oben mit. Wohlgemerkt in der Ersten Liga. Zwischen 2003 und 2011 waren die Rothosen stets unter den besten Acht zu finden. Danach folgte der sportliche und wirtschaftliche Zerfall. Doch ein Großteil der Fans lebt nach wie vor in dieser durchaus erfolgreichen Zeit. Jonas Boldt kritisierte im Laufe der Saison die Erwartungshaltung der HSV-Anhänger.

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Er wisse nach eigenen Aussagen selber nicht, wo dieser Druck auf das Team herkomme. Die Hamburger spielten in den letzten Jahren beileibe nicht schlecht, ließen im Saisonendspurt nur merklich nach. Auch in dieser Spielzeit scheint es zu einem ähnlichen Szenario zu kommen*. Der Schrei nach einem Trainerwechsel und Neuverpflichtungen würde allerdings nicht in die neue Philosophie des HSV passen. Die lautet: Als Team zusammenfinden und damit langfristig erfolgreich werden. Am liebsten mit all ihren Fans im Rücken – und 57.000 im Volkspark. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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