Hoffenheims MÀzen Hopp
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Das Friedensangebot, das Dietmar Hopp in einem Video vom Teleprompter abliest, nimmt die Fanszene höchst reserviert zur Kenntnis.

Fußball

Hopps Friedensangebot lässt Fans kalt: "Haben ganz andere Sorgen"

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Dietmar Hopp geht öffentlich einen Schritt auf die organisierte Fanszene zu, auch wenn er dabei nicht nur versöhnliche Worte wählt. Die Anhänger reagieren reserviert.

Wie lange ist das eigentlich her, dass diese gerade aufkommende Corona-Geschichte für ein Wochenende plus ein paar Tage völlig in den Hintergrund treten musste und das Nummer-eins-Thema in Deutschland war, ob Fußballspiele aufgrund von gegen einen Funktionär gerichteten Beleidigungen abgebrochen werden müssten? Es fühlt sich an, als wäre das vor Jahren geschehen, in einer anderen Welt vor Ausnahmezustand und Katastrophenalarm.

Die Fankurven, meist Ultra-Gruppen, gegen Dietmar Hopp, den Mann hinter der TSG Hoffenheim. 22. Februar: Kundgebung in Mönchengladbach. wo Hoffenheim gastierte. 29. Februar: Der Fast-Abbruch in Sinsheim, als Teile des Bayern-Blocks sich den Protesten gegen Hopp anschlossen und in einer Art Solidarität-mit-Hopp-Aktion die Teams die letzten zehn Minuten herunterkickten. Der DFB spürbar nervös, Schiedsrichter spähten überall auf die Ränge. Das Wochenende darauf: Anti-Hopp-Positionierung in fast jedem Stadion – nur pointierter: „Sohn einer Mutter“ statt „Hurensohn“. Und dann brachte das Virus den Fußball zum Stillstand. Und mit ihm das Thema, das gerade noch beherrschend gewesen war.

Seit Samstag ist es wieder auf der Tagesordnung. Das ZDF-Sportstudio und Hopp haben es draufgesetzt. Der reichlich konstruierte Anlass: Hopps (im Übrigen mit öffentlichen Zuschüssen subventioniertes) Engagement bei CureVac, einer Biotechnologie-Firma, die in der CoVid19-Forschung offensichtlich vor dem Durchbruch steht. „Vom Feindbild der Ultras zum Hoffnungsträger für einen Corona-Impfstoff“ titelte das ZDF – als ob es einen Zusammenhang gäbe. Die Kritikpunkte der aktiven Fans an Dietmar Hopp waren: Umgehung der 50+1-Regel mit der TSG (und somit Wegbereiter für das Modell Leipzig), sein Umgang mit Schmähung im Stadion (Dortmunder Block in Sinsheim mit Störgeräuschen übertönt; Klagen gegen einzelne BVB-Anhänger, die er mit Hilfe von Richtmikrofonen und Lippenlesern ausfindig machte), Druck auf den DFB, der die ausgesetzten Kollektivstrafen wieder zur Anwendung brachte – bei rassisistische Beleidigungen von Spielern aber weggehört hatte.

Es war kein klassisches Interview, das das ZDF mit Dietmar Hopp führte. Ihm wurden die Fragen schriftlich übermittelt, er beantwortete sie, vor einem Wappen seines Vereins stehend, es klang alles wie abgelesen. Die Filmchen wurden dem ZDF überstellt, die Möglichkeit der Nachfrage bestand nicht – ein Format, das in einer politischen Sendung undenkbar wäre und auch im Sport ohne Beispiel ist. Das ZDF machte sich zum Hoffenheim-TV, zur PR-Plattform.

Und was sagte Hopp? Dass er den Ultras gerne mal seine über 60 Jahre währende Geschichte mit Hoffenheim erläutern würde. Und: „Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist nicht nachvollziehbar. Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben. Ich will das aber alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist.“

Reaktionen: Auf der Plattform Twitter, wo sich viele Journalisten tummeln, Befremden über die Herangehensweise des ZDF. In der Fanszene Verwunderung, dass Hopp das Thema wieder aufmacht. In den vergangenen Wochen hatten vor allem Ultras bundesweit Respekt erworben – weil sie Transparente malten, auf denen sie medizinischem Personal dankten und sie selbst sich als Einkaufshilfen engagierten, teils in offizieller Kooperation mit den Vereinen. Der einzige aktenkundige Konflikt spielt sich derzeit in München ab, wo der FC Bayern gegen einen Fan wegen eines banalen Plakats („Bayern-Amateure gegen Montagsspiele“) ein umfassendes Hausverbot ausgesprochen hat, gegen das der Betroffene nun rechtlich vorgeht.

Am 7. März hatte es im Sportstudio eine differenzierte Aufarbeitung des Hopp-Themas gegeben, dabei kam auch Jan-Henrik Gruszecki vom Dortmunder „Bündnis Südtribüne“ zu Wort. Bei ihm fragte das ZDF nun auch nach, er antwortete: „Das Thema Dietmar Hopp ist uns derzeit egal – das Statement von Dietmar Hopp spricht für sich.“ Die Organisation „Unsere Kurve“ ließ wissen: „Wir haben aktuell ganz andere Sorgen.“ Weiteres nach der Corona-Krise.

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