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Einst Nationalspieler, heute jubelt er in der zweiten Liga: Holger Badstuber vom VfB Stuttgart. 

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Holger Badstuber rechnet mit Schalke 04 ab

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Ex-Nationalspieler Holger Badstuber erzählt in einem bemerkenswerten Podcast über seine Karriere. Darin rechnet er mit Schalke 04 ab.

Mein Name ist Louis van Gaal. Wer sind Sie?“ – „Ich bin Holger Badstuber.“ – „Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“ So verlief 2009 – über lediglich ein paar Zentimeter hinweg – die erste Trainingsplatzbegegnung von Holger Badstuber mit dem Mann, der ihn entscheidend förderte und ihn von den Amateuren in die Profi-Stammelf des FC Bayern hochzog. Ein Jahr später war Badstuber Nationalspieler und bei der WM.

Heute ist Badstuber ein wenig in Vergessenheit geraten, denn er spielt derzeit nur in der 2. Liga, beim VfB Stuttgart. Aber es ist gut möglich, dass er in die Bundesliga zurückkehrt, er ist 30 und glaubt, „dass ich noch ein paar Jahre vor mir habe“. Auf alle Fälle aber ist er eine interessante Figur im deutschen Fußball. Aufgrund seiner langen Leidenszeit mit zwei Kreuzbandrissen und dem Verpassen möglicher Karriere-Höhepunkte wie dem Champions-League-Sieg 2013 und der Weltmeisterschaft 2014 hat man sich nicht mehr an ihn herangetraut, wohl weil man ihn mit Nachfragen zu seiner Befindlichkeit nicht weiter verletzen wollte. Man hat also lange gar nicht mehr wissen wollen, wie es Holger Badstuber geht.

Holger Badstuber hat viel zu erzählen im Podcast

Er hat viel zu erzählen, das zeigt sich in einer Ausgabe des in München-Giesing von Max-Jacob Ost produzierten Fußball-Podcasts „Rasenfunk“. Im „Tribünengespräch“, einem der Formate, in dem Sendungen zu Taktik, zum Modell Rasenballsport Leipzig oder ein Gespräch mit dem ehemaligen Profi und jetzigen TV-Kommentator Ralph Gunesch schon mal an die sechs Stunden heranreichen, erzählt Holger Badstuber drei Stunden und 45 Minuten über sich. Das ist äußerst ungewöhnlich in einer Zeit, in der hinter einem raumgreifenden Interview mit einem aktiven Spieler oft nur ein vom Verein kontrolliertes 15-minütiges Abrufen von Phrasen steht. Klar kommt auch Badstuber aus dem klassischen Fußballervokabular nicht heraus – aber einer, der von Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti trainiert wurde, hat durchaus was mitzuteilen.

Und so kommt Badstuber in dem Podcast, der gratis und werbefrei zu hören ist und sich über Spenden finanziert, schön ins Erzählen. Über die Erfolgserlebnisse, die man als Innenverteidiger hat („einen Zweikampf gewinnen oder eine Eins-gegen-zwei-Situation lösen“), seinen unangenehmsten Gegenspieler („Samuel Eto’o, weil er so wendig war. Mit körperlich großen Spielern hatte ich nie Probleme“), die beiden Kreuzbandrisse („Jetzt ist da alles wieder felsenfest, da wird nie mehr was passieren“) – und es geht natürlich auch um Personen.

Holger Badstuber berichtet: Philipp Lahm zweifelte an Louis van Gaal

Louis van Gaal: Sehr fordernd und akribisch. Nach eineinhalb Jahren allerdings zeichnete sich das Ende ab. Die Stimmung im Verein spüre man „an den Blicken, die zwischen Vorstand und Trainer ausgetauscht werden, wenn man auf Reisen ist“. Im Training sei es auch öfter zu Diskussionen gekommen, besonders Philipp Lahm habe seine Zweifel an mancher Vorgabe van Gaals formuliert.

Jupp Heynckes: „Ein ganz feiner Mensch“, unter dem „wir topfit waren“. Und: Er erkannte, welcher Spieler Freiraum benötigen und welcher klare Vorgaben bekommen müsse.

Pep Guardiola: „Er hat meinen Horizont erweitert.“ Der Katalane war in allem noch akribischer als van Gaal, die Mannschaft musste zwar – entgegen einem Gerücht – nicht die Ballkontakte mitzählen, aber das Spiel war darauf ausgelegt, solange zu passen, „bis man einen freien Man gefunden hat“. Es ging Guardiola um Dominanz, hinter jeder Aktion sollte Überzeugung stehen.

Carlo Ancelotti: Einige Spieler hättes es genossen, dass der Italiener die von Pep angelegten Fesseln löste. Doch die Begeisterung ließ schnell nach, Mannschaft und Trainer lebten aneinander vorbei. „Wir wussten nie, was er spielen lassen wollte.“ Badstuber selbst kam kaum noch dran, er war hinter Mats Hummels, Jerome Boateng und Javi Martinez nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Er ließ sich nach Gelsenkirchen ausleihen.

Leihe zu Schalke 04 war ein Fehler von Holger Badstuber

Schalke 04 war ein Fehler, sagt er. Er sei „blauäugig gewesen. Bei einem Wechsel wird dem Spieler immer was vorgegaukelt.“ Länger als die fünf Monate, die vereinbart waren, wollte er ohnehin nie bleiben. Es lief weder für ihn noch das Team. Von Trainer Markus Weinzierl gab es „nie ein Feedback“, kritische Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar seien ruhiggestellt worden.

„Das muss man erst mal schaffen, mit so einer Mannschaft nur Elfter zu werden“, kritisiert Badstuber das Wirken von Weinzierl und Manager Christian Heidel. Gut ein Jahr später traf er Weinzierl in Stuttgart wieder: „Da habe ich zu Mario Gomez gesagt: Das wird eine zähe Saison.“ Doch auch mit Weinzierls Vorgänger, mit Hannes Wolf, sei es schwierig gewesen. „Er hatte eine gewisse Philosophie, aber ich wusste, dass das in der Bundesliga nicht funktionieren wird,“

Holger Badstuber muss jetzt mehr rennen

Nun, in der zweiten Liga, ist Tim Walter der VfB-Coach. Badstuber sagt: „Die Masse an neuen Ideen ist enorm. Wir spielen mit Risiko. Ich muss viele Meter machen.“

Der Abschied vom FC Bayern – auch das spricht Holger Badstuber an – „war nicht so, wie ich mir das nach vierzehneinhalb Jahren vorgestellt hätte“. Er hat es durchaus als Genugtuung empfunden, dass er am letzten Spieltag 2018 die Bayern-Meisterfeier mit einem 4:1-Sieg mit dem VfB störte.

3:45 Stunden mit Holger Badstuber – ohne einen langweiligen Moment. Ein Erfolg für das Medium Podcast, das Badstuber schätzt. Er hört privat diverse Podcast.

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