Sind sich meist einig: Dietmar Hopp (links) und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.
+
Sind sich meist einig: Dietmar Hopp (links) und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Bundesliga

Hoffenheim: Dietmar Hopp will nicht mehr reden

  • vonHanna Raif
    schließen

Der Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp fordert personalisierte Tickets. Manchen Fans gefällt das überhaupt nicht.

Der 29. Februar war ein Samstag und man dachte fast zwei Wochen lang, dass er als wichtigster Tag der Bundesliga-Saison in die Annalen eingehen würde. Die Szenen aus Hoffenheim waren einprägsam. Geschmacklose Fan-Plakate, ein Nichtangriffspakt, Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp Seite an Seite im Regen, vor applaudierenden Bayern- sowie 1899-Profis. Eine Woche später, am 7. März, ging der bange Blick aller Reporter in die Fanblöcke. Eine weitere Woche später wurde nicht mehr gespielt. Gegen Corona waren Plakate plötzlich: Nebensache.

Manchmal ist es gut, wenn erhitzte Gemüter abkühlen. Am Konflikt, der beim 6:0 der Bayern in Hoffenheim und dem erneuten Schmähplakat gegen Hopp offensichtlich wurde, hat sich dennoch nichts geändert. Im Interview mit der „Sport Bild“ sagte der 80-Jährige nun sogar: „Es ist hoffnungslos!“ Im Laufe der Jahre habe sich am Umgang mit ihm „nichts gebessert, alles ist immer schlimmer geworden“. Dass das Verfahren gegen die an der Aktion beteiligten Fans seitens des DFB-Kontrollausschusses und Sportgerichts aufgrund der Corona-Pandemie eingestellt wurde, habe Hopp daher „gewundert“ – zumal er vom Verband darüber nicht in Kenntnis gesetzt worden sei.

Die Interessen der Parteien – Verband, Klubs, Fans – liegen weit auseinander. So weit, dass seitens der Vereine kaum Verständnis mehr für die Aktionen der eigenen Ultras vorhanden ist. Rummenigge äußerte seinen Unmut über den „Punkt, an dem ich immer nur lese: Wir fordern dies, wir fordern das“, – und stellte klar: „Wenn ich immer nur fordere, aber nie bereit bin, Pflichten und auch Verantwortung zu übernehmen, endet das in einer Einbahnstraße.“ Der 64-Jährige erkennt „keine Basis für eine seriöse Diskussion“, wenn es bei nicht erfüllten Forderungen sofort „Zirkus“ gibt.

Ultras kontern Rummenigge

Gedankenspiele in zahlreiche Richtungen sind die logische Konsequenz. Hopp bevorzugt inzwischen nicht mehr den Dialog, sondern konkrete Maßnahmen. So sprach sich der Hoffenheim-Mäzen offensiver als Rummenigge für personalisierte Tickets in den Bundesliga-Stadien aus. „Wir müssen unsere Polizisten schützen, dafür sorgen, dass Menschen nicht durch Pyro verletzt werden und die Eintrittskarten personalisieren“, sagte er und bezeichnete die Kollektivstrafe als „kein scharfes Schwert“.

Die organisierten Anhänger lehnen das Szenario freilich ab. Erst vor wenigen Tagen hatte die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ die Befürchtung geäußert, dass das zweite Corona-Konzept der DFL das Sammeln personenbezogener Daten einführen könnte. Rummenigge stellte daher klar: „Fußball ohne Zuschauer will niemand.“ Gespräche mit den Fans aber lägen in Verantwortung von DFB und DFL. Von diesen hatte zuletzt das neue Bündnis „Unser Fußball“ – bestehend aus Fanszenen einiger Clubs – grundlegende Reformen für mehr wirtschaftliche Nachhaltigkeit und Fairness im Fußball gefordert. Rummenigge bezeichnete alleine den Namen des Bündnisses als „anmaßend“: „Der Fußball gehört denen, die ihn spielen. Die Fans sind Teil der Bundesliga, aber sie gehört ihnen nicht.“

Der Konter kam prompt. Der Bayern-Boss habe „nichts verstanden“, sagte Bündnis-Sprecher Jan-Henrik Gruszecki: „Fußballfans geben sehr viel – vor allem Zeit und Leidenschaft, alles das, was den Fußball zu mehr macht als einen Sport.“ Wer das tue, dürfe „auch durchaus mal auf Dinge aufmerksam machen“.

Fortsetzung folgt. Und man merkt: Es geht nicht nur um diesen 29. Februar. Der Kern des Problems sitzt tief. (Von Hanna Raif)

Unterdessen erhalten Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp von der „SportBild“ eine Auszeichnung für die „Geste des Jahres“. Ein Schlag ins Gesicht für die Fans. Ein Kommentar.

Kommentare