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Smarter Manager in Hoffenheim: Alexander Rosen.

TSG Hoffenheim

Alexander Rosen - ein smarter Macher

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Der Hoffenheimer Manager Alexander Rosen wird oft noch unterschätzt.

Es war ein Aufsehen erregender Abschied, den Alexander Rosen einst bei der Frankfurter Eintracht gab. Was im Sommer 1998 hoffnungsvoll als Perspektivspieler begonnen hatte – schließlich nahm der junge Mann bald an der U20-Weltmeisterschaft in Nigeria teil – endete nach nicht einmal einer Handvoll an Zweitligaeinsätzen 2001/2002 mit einem kleinen Eklat. „Danke für nichts“ soll auf dem Trikot gestanden haben, dass er damals bei den Adlerträgern zum Abschied trug. In der Frankfurter Rundschau zeigte sich Rosen zuvor geschockt über eine Aussage des Teammanagers Friedel Rausch: „Er hat mir gesagt, dass man mich überhaupt nicht kenne.“

Der defensive Mittelfeldspieler war zwischenzeitlich nämlich zum FC Augsburg und VfL Osnabrück verliehen worden. Eine richtige Erfüllung fand er nach Abstechern über Elversberg oder die zweite norwegische Liga erst arg spät bei der TSG Hoffenheim. Dort sollte er 2009 mit seiner Erfahrung jungen Spielern beim Übergang vom Junioren- in den Profifußball helfen. „Das war mit die schönste und prägendste Zeit meiner Laufbahn“, berichtete er später.

Zudem fand er im Kraichgau ein Betätigungsfeld für die Zeit danach, nachdem er wegen einer Knieverletzung seine aktive Karriere beenden musste. Seiner IHK-Prüfung zum Sportfachwirt folgte eine Anstellung als Sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum. Und 2013 übernahm er die Position als Leiter Profifußball bei der TSG. Ein Glücksfall für beide Seiten.

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Dass Hoffenheim als heißer Anwärter auf die Europapokalplätze am Samstag in Frankfurt antritt, hat definitiv auch mit ihm zu tun. Oft wird der reiche Ertrag im Kraichgau – Vierter 2017, Dritter 2018 – auf den jungen Trainer Julian Nagelsmann reduziert, der unbestritten große Verdienste an der Entwicklung der Mannschaft hat. Vergessen wird hingegen der Kaderplaner, der mit Weitsicht die Strippen zieht. Im Fachmagazin „Kicker“ hat Rosen mal die Bescheidenheit beiseite gelassen: „In den vergangenen drei Jahren waren wir nach Punkten das drittbeste Team der Bundesliga, haben in meiner Amtszeit das zweitgrößte Transferplus und mit die meisten Spieler aus der Akademie in den Profibereich gebracht. Das sind herausragende Statistiken.“ Ohne Zweifel. Aber aus den Sätzen ist beim 39-Jährigen auch herauszuhören: ein bisschen mehr Wertschätzung wäre schön.

Tatsächlich sind Manager wie Max Eberl (Borussia Mönchengladbach), Horst Heldt (Hannover 96) oder Jörg Schmadtke (VfL Wolfsburg) öffentlich weitaus präsenter. Dauergäste in den Talkrunden und Stammtischen. Rosen ist das nicht. Warum eigentlich nicht? Der zweifache Familienvater ist rhetorisch geschickt, hat ein freundliches Wesen und eine smarte Ausstrahlung. Im Trainingszentrum in Zuzenhausen, wo die Geschicke dieses Bundesligisten gelenkt werden, sprechen Mitarbeiter großes Lob über einen Teamplayer aus, der ein exzellentes Netzwerk besitzt und offen für andere Meinungen ist.

Wen er einmal in Gedankengänge zu seiner Kaderzusammenstellung einweiht, der staunt. Dass er mit Nagelsmann schon in der Nachwuchsschmiede zusammengearbeitet hat, hat zu einem gedeihlichen Doppelpass der beiden geführt. Umso wichtiger wird es, für den zu RB Leipzig weiterziehenden Trainer einen fähigen Nachfolger zu finden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dem ehemaligen Mainzer Bundesligaprofi Marco Rose (Salzburg) ein unterschriftsreifer Vertrag vorliegt. Doch neuerdings hat Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz beschlossen, den Deutschen noch ein bisschen länger in Österreich zu behalten. Für Rosen wäre eine Absage ein Rückschlag, denn er hat versprochen, „im Winter“ den neuen Coach zu präsentieren. Aber ein Ultimatum will sich der Manager selbst nicht setzen, seien seine Hausaufgaben doch erledigt: „Der Kern des Teams ist langfristig gebunden, und selbst nachdem Julians Wechsel klar war, haben Topkräfte verlängert. Natürlich wollen die Spieler irgendwann wissen, wer ihr Chef ist. Doch hier gibt es neben dem Trainer auch einen attraktiven Klub.“ Anders als damals in Frankfurt.

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