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Uli Hoeneß.

Karl Hopfner über Uli Hoeneß

Uli Hoeneß „ist ein Überzeuger“

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Karl Hopfner, langjähriger Funktionär beim FC Bayern, über Leben und Wirken von Uli Hoeneß.

Herr Hopfner, Uli Hoeneß hört auf – der Rentner muss sich nun an die Rente gewöhnen, der Verein an ein Weiterleben ohne ihn. Was wird schneller gehen?
Das ist die Frage: Kann Uli Hoeneß ohne den FC Bayern? Oder kann der FC Bayern ohne Uli Hoeneß? Es war die Entscheidung von Uli, aufzuhören, einen Schritt zurückzutreten. Er hat den Verein extrem geprägt. Und sein Einfluss wird nach wie vor da sein, er ist ja im Aufsichtsrat. Und er hat ein Telefon, man kann ihn anrufen, ein Faxgerät als Ersatz für E-Mail, das angeschaltet bleiben wird.

Ist der Zeitpunkt richtig?
Ich möchte nicht sagen, dass er alt ist, aber jung ist er auch nicht mehr. Er hat einen tollen Nachfolger gefunden, ich kenne Herbert Hainer schon sehr lange und bin 100 Prozent d’accord, dass er der richtige Mann ist. Und es gibt ja noch weitere Umbrüche, auch im Vorstand der AG. Es ist der Zeitpunkt gekommen, in dem man sagen kann, er hat das Feld bestellt.

Und was passiert am Samstag? Ein ruhiges Frühstück des Ehepaars Hoeneß am Tegernsee?
Wie ich Uli kenne, hat er einen Terminplan, der weit ausgebucht ist. Es wird nicht zu Hause sitzen oder für die Susi einkaufen gehen.

Sie kennen Uli Hoeneß seit fast vier Jahrzehnten. Wie hat er sich verändert?
Es klingt für einen Außenstehenden vielleicht nicht glaubhaft, aber er ist ruhiger geworden (lacht). Das ist wirklich so. Früher war das ein ganz anderes Arbeiten, Uli und ich waren hier mit ein paar Mitarbeitern. Und er hat wirklich immer alle angetrieben. Er ist Frühaufsteher, er hatte nie einen Acht-Stunden-Tag, er war immer da. Aber zum Wohl des Klubs – das muss man dazu sagen.

Welche Siegeszigarre schmeckte am besten?
Die erste Meisterschaft 1985, die war schon die intensivste. Das war alles klein, zur Meisterfeier kamen maximal 50 Leute, das war toll. Und dann gab es natürlich den Champions League-Sieg 2001, zwei Jahre nach der großen Katastrophe 1999. Aber auch Spiele, in denen man auswärts bei Barcelona und Madrid gewonnen hat. Da muss man den Augenblick genießen.

Wie waren Verhandlungen mit Hoeneß?

Zur Person
Karl Hopfner , 67, ist seit mehr als 33 Jahren beim FC Bayern, erst Geschäftsführer, dann im Vorstand und, von 2014 bis 2016, im Präsidentenamt als Vertreter von Uli Hoeneß, mit dem ihm längst eine Freundschaft verbindet. „Ich wünsche Uli, dass er nichts nachtrauert, sondern das Leben genießen kann und gesund bleibt“, sagt Hopfner über Hoeneß, der sich am Freitagabend beim Rekordmeister als Präsident zurückzog. 

Uli hat die Gabe gehabt, es immer ziemlich schnell auf den Punkt zu bringen. Und er konnte auch den Spieler überzeugen, dass er zu uns kommen soll und muss. Die andere Stärke ist dann aber auch in der Verhandlung – und beim Preis hat er auch mal nein gesagt. Er ist ein Zahlenmensch, ein akribischer.

Der schwerste Transfer?
Vielleicht der Ribery-Transfer. Da gab es viele Reisen, auf denen Karl-Heinz Rummenigge, Uli und ich in ganz Europa waren, um mit Marseille zu verhandeln.

Muss man da den Emotionsmenschen Hoeneß da manchmal runter holen?
Nein, das kann ja auch positiv sein. Aufstehen, rausgehen, wiederkommen – das ist ja auch eine Verhandlungstaktik. Aber er war auch in dem Fall überragend darin, dem Spieler die Überzeugung zu geben. Das ist großartig!

Wie nah lässt er Feindseligkeit an sich heran?
Sie wurmt ihn. Er ist ein Überzeuger, er versucht dann immer, auch noch die anderen zu überzeugen. Aber es gelingt ihm nicht immer.

Und was passiert, wenn man ihm sagt, dass er falsch liegt?
Man kann mit ihm diskutieren, aber hinter verschlossenen Türen. Das ist oft gemacht worden.

Mit welchem Resultat?
Er kommt in eine Überlegungsphase. Wie die ausgeht, weiß man erst später (lacht).

Interview: Hanna Raif

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