Proteste wegen Gelb-Rot gegen Plea (Nummer 14): Schiedsrichter Tobias Stieler im Blickpunkt.
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Proteste wegen Gelb-Rot gegen Plea (Nummer 14): Schiedsrichter Tobias Stieler im Blickpunkt.

Schiedsrichter

„Höchste Zeit“

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der DFB bleibt bei seiner Linie für die Schiedsrichter. Die Bundesligatrainer lehnen Verantwortung für Gewalt bei Amateuren ab. Das ist „konstruiert“, sagt Schalke-Trainer David Wagner.

Die Debatte um einen rigideren Kurs der deutschen Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga geht unvermindert weiter. Es herrscht offenkundig großer Gesprächsbedarf, erst Recht nach dem Platzverweis des Mönchengladbachers Alassane Plea durch Schiedsrichter Tobias Stieler am vergangenen Samstagabend. Der DFB-Vizepräsident Rainer Koch meldete sich via Facebook: Es sei ein Irrglaube, „dem Spiel würden die Emotionen geraubt, wenn Schiedsrichterentscheidungen nicht kritisiert werden dürfen. Emotionen ja, aber im Geist von Fairplay und Respekt.“ Koch hält es für „höchste Zeit, dass wir uns im Fußball ein Beispiel an Basketball, Eishockey, Football, Handball, Rugby, Volleyball und all den anderen Sportarten nehmen. Schiedsrichterentscheidungen werden respektiert oder es gibt strenge Sanktionen.“ Das funktioniere „überall ohne Probleme“.

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre sieht die Unparteiischen auf dem richtigen Weg. „Dass die Schiedsrichter jetzt angehalten sind, schneller Gelb zu zeigen, ist okay. Wenn gepfiffen ist, muss man das respektieren und weiterspielen.“ Ähnlich äußerte sich Achim Beierlorzer von Mainz 05.

Auch Schalke-Trainer David Wagner hat sich zu Wort gemeldet und dabei den Mönchengladbacher Kollegen Marco Rose gestützt. Weder Rose noch Wagner akzeptieren eine Mitverantwortung des Profifußballs für Gewalttätigkeiten gegen Schiedsrichter im Amateurbereich, die zum Ende des vergangenen Jahres für Schlagzeilen gesorgt hatten. Die DFB-Eliteschiedsrichter hatten sich daraufhin im Trainingscamp im portugiesischen Lagos darauf geeinigt, mit Beginn der Rückrunde konsequenter gegen Unsportlichkeiten wie aggressives Meckern oder Zeitspiel vorzugehen. Das war den Klubs mit sehr knapper Vorlaufzeit schriftlich mitgeteilt worden.

Wagner hält es für den falschen Weg, „uns in der Winterpause so ein Schreiben zu schicken und zu sagen, die Schiedsrichter sind dazu angewiesen, radikaler auf solche Vergehen zu reagieren“. Er „blicke den Zusammenhang nicht zwischen dem, was im Amateurfußball passiert, was absolut zu verurteilen ist, und dem, wie sich die Spieler in der Bundesliga verhalten“. Nach Ansicht des 48-Jährigen ist das „konstruiert“. Denn: „Wir haben in der Bundesliga keine Jagdszenen.“

Ähnlich hatte sich zuvor Gladbachs Coach Rose geäußert: „Wir sind uns unserer Rolle bewusst. Schwierig wird es aber, wenn das Thema in eine Richtung gelenkt wird, in der wir mit unserem Verhalten dafür zuständig sein sollen, dass in unteren Ligen Schiedsrichter geschlagen werden.“

Meier kritisiert Stieler

Fifa-Schiedsrichter Stieler wies darauf hin, dass die Uefa die strikte Linie „schon viele Jahre“ fahre. „Wir in Deutschland waren da ein wenig nachlässig.“ Vom ehemaligen Fifa-Referee Urs Meier erfuhr Stieler dagegen Kritik: Er sei „klar über das Ziel hinausgeschossen“. Es gebe im Fußball „offiziell 17 Spielregeln, ein Schiedsrichter hat aber eigentlich 18 Regeln. Diese 18. Regel ist der gesunde Menschenverstand. Den sollte man nicht ausblenden. Es gehört auch Verständnis für die Spieler dazu.“

Bundesliga-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich will einerseits beim ersten Gegenwind nicht gleich einknicken, andererseits aber „auch Feedbacks der Klubs einholen. Im Sommer werden wir sehen, wo wir angekommen sind“.

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