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Hitlergruß in Sofia

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Kein Respekt. Bulgarische Nazis und Rassisten zeigen, was sie von den Werten der Uefa halten.
Kein Respekt. Bulgarische Nazis und Rassisten zeigen, was sie von den Werten der Uefa halten. © dpa

Englische Fußballnationalspieler werden rassistisch in Bulgarien beleidigt. Während Verbandspräsident Michailow sich verschließt, kritisiert Premierminister Borissow das Verhalten. Dem Land droht jetzt eine harte Strafe durch die Uefa.

Gareth Southgate sprang entsetzt von seinem Platz auf. Schon wieder waren seine schwarzen Schützlinge Raheem Sterling, Marcus Rashford und Tyrone Mings zur Zielscheibe rassistischer Äußerungen geraten. Affenlaute mussten Englands Fußballstars in Sofia erdulden, höhnische Gesänge und sogar den Hitlergruß. „Eine inakzeptable Situation“, schimpfte der Trainer der Three Lions: „Aber wir haben die richtigen Antworten gegeben.“

Zum einen, indem seine Mannschaft das EM-Qualifikationsspiel bei den Bulgaren klar mit 6:0 (4:0) gewann. Und zum anderen, indem die Unparteiischen umgehend auf die widerlichen Entgleisungen einiger Zuschauer aufmerksam gemacht wurden. Auch deshalb stand die Partie gleich zweimal vor dem Abbruch. „In der Halbzeit haben wir gesagt, wenn noch etwas vorfällt, werden wir den Platz verlassen“, sagte Southgate. In der Pause war der bulgarische Kapitän Ivelin Popow zu den Fans gelaufen, um ihnen klarzumachen, dass die Partie kurz vor dem Abbruch steht. Danach hatten die Rassisten und Nazis das Stadion verlassen.

Bulgarische Anhänger waren bereits in der Vergangenheit durch ähnliche Vorfälle aufgefallen, das einseitige Duell am Montagabend fand deshalb vor teilweise leeren Rängen statt. Auf Anfrage teilte die Europäische Fußball-Union (Uefa) zwar mit, „erst die offiziellen Spielberichte zu analysieren und dann über etwaige Maßnahmen zu entscheiden“. Die Bulgaren müssen aber mit heftigen Sanktionen rechnen.

Artikel 14 der Rechtspflegeordnung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sieht bei einem wiederholten Fall nämlich ein „Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und eine Geldstrafe in Höhe von 50 000 Euro“ vor. Jedes weitere Vergehen kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem Wettbewerb führen. „Hoffentlich werden die höheren Mächte diesen Vorfall untersuchen“, sagte Englands Debütant Mings, während Sterling ergänze: „Es tut mir leid, dass Bulgarien durch solche Idioten repräsentiert wird.“

Auch der englische Verband FA bat die Uefa in einer ersten Stellungnahme, den „abscheulichen rassistischen Missbrauch“ zu untersuchen. Weitaus zielführender wäre vermutlich ein Selbstreinigungsprozess auch innerhalb des bulgarischen Verbands BFS. Dort allerdings verschlossen die handelnden Personen die Augen vor der traurigen Wahrheit.

„Ich war auf das Spiel konzentriert, ich habe nichts gehört“, sagte der bulgarische Nationaltrainer und ehemalige Bundesligaprofi Krassimir Balakow. „Da bin ich mir nicht so sicher Chef“, twitterte Sterling.

Verbandspräsident Boris Michailow hatte bereits vor der Partie geleugnet, dass es in Bulgarien ein Problem mit rassistischen Fans gebe – einen Tag später trat er aufgrund des öffentlichen Drucks im eigenen Land zurück. Der bulgarischen Premierminister Bojko Borissow hatte den Rücktritt gestern höchstpersönlich gefordert. Bei Facebook schrieb er weiter, es sei „unzulässig, dass Bulgarien ... mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung gebracht wird“.

Genau damit dürfte aber der sportlich glänzende Auftritt der Engländer, die Ende März in Montenegro mit ähnlichen Beleidigungen konfrontiert wurden, künftig in Verbindung gebracht werden. „Man wird sich an eine Nacht erinnern, die eine Schande für den Fußball gebracht hat“, titelte der „Daily Mirror“.

Der britische Premierminister Boris Johnson ließ am Dienstag über einen Sprecher mitteilen: „Das war ekelhaft und muss aus dem Fußball getrieben werden“. Johnson werde einen Brief an die Uefa schreiben, in der „harte Strafen“ gefordert werden.

Aus Deutschland äußerte sich Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah bestürzt: „Ich bin schockiert, zornig traurig. Ich bin so müde von diesem Scheiß. Die Vorfälle zeigen einmal mehr, dass wir weiter gegen Rassismus kämpfen müssen – im Fußball, überall, jeden Tag.“ (sid/tim)

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