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Dortmunds Retter: Christian Pulisic im Zweikampf mit dem Hoffenheimer Leonardo Bittencourt.

Fadenkreuz-Plakate

Hilferuf aus Hoffenheim

Die TSG appelliert nach "Mordaufruf" an den deutschen Fußball.

Die TSG 1899 Hoffenheim spricht nach dem Fadenkreuz-Plakat von Dortmunder Fans gegen Dietmar Hopp von einem „Mordaufruf“ und appelliert an den gesamten deutschen Fußball, Hass und Hetze entgegen zu treten. „Mit tiefer Erschütterung haben wir die Anfeindungen gegen Dietmar Hopp im Rahmen unseres Heimspiels am Samstag gegen Borussia Dortmund erlebt. Wir verurteilen diese auf das Schärfste“, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief der Hoffenheimer Geschäftsführung. Die Mitteilung richtete sich an die Klubs, Gesellschaften und Vereine der ersten und zweiten Liga, „an den Deutschen Fußball-Bund, an die Deutsche Fußball Liga, an die Fußballfans in Deutschland“.

Borussia-Fans hatten in Sinsheim ein „Hasta la vista, Hopp“-Banner ausgerollt. Darauf war ein Konterfei von Hopp hinter einem Fadenkreuz zu sehen. Ein ähnliches Plakat, nur wesentlich kleiner, hatte vor zehn Jahren schon einmal für Aufsehen gesorgt. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat sich für das Verhalten seiner Anhängerschaft dederweil entschuldigt. „Ich möchte im Namen von Borussia Dortmund Dietmar Hopp um Entschuldigung bitten. Das ist nicht zu akzeptieren“, teilte Watzke mit und kündigte auch eine persönliche Entschuldigung bei dem 78-Jährigen an. Hopp selbst wollte nach dem Spiel „nix“ sagen.

Nach Angaben eines Hoffenheimer Vereinssprechers demolierten Dortmunder Zuschauer auch Gästetoiletten. „Denjenigen, die gestern mit unverhohlenem Hass und Hetze bis hin zu einem Mordaufruf nicht nur die Werte des Fußballs verraten, sondern eindeutig gegen Recht und Gesetz verstoßen, müssen wir entschieden entgegentreten: Vereine, Verbände, Verantwortliche, Spieler und Fans“, forderte der Klub aus dem Kraichgau. „Dafür braucht es Haltung und Integrität.“

BVB hat viele Baustellen

Die Proteste gegen Hopp verschärften sich offenbar wegen eines Strafantrags des Milliardärs gegen mehr als 30 BVB-Fans. Der Mäzen hatte sich juristisch gegen Schmähgesänge zur Wehr gesetzt, die es in der Partie Ende der vergangenen Saison gegeben hatte. Gleichzeitig galt ein Haus- und Betretungsverbot für die Beschuldigten. 

„Sollte Hopp tatsächlich glauben, er könne uns mit seinen Verboten mundtot machen, zeigen wir ihm am Samstag, wie falsch er damit liegt“, teilte das Dortmunder Fanbündnis Südtribüne am Freitag mit und kündigte an, das Strafverfahren rechtlich aufzuarbeiten. 

„Wir haben in dieser Woche, in der sich das Ganze leider immer mehr hochschaukelte, versucht zu deeskalieren und haben mit allen Parteien gesprochen“, erklärte Watzke. „Leider waren wir dabei nicht erfolgreich. So ein Verhalten entspricht in keinster Weise den Werten von Borussia Dortmund!“

Ziemlich in den Hintergrund trat, dass der BVB auch sportlich noch nicht richtig in Tritt gekommen ist. „Das war heute nicht unser bestes Spiel, aber wir nehmen den Punkt gerne mit. Für den Prozess, in dem wir uns befinden, ist der unheimlich wichtig“, bilanzierte Kapitän Marco Reus. Gegenspieler Ermin Bicakcic schoss dem BVB noch einen Giftpfeil hinterher: „Die fahren hier weg und wissen nicht, wo sie den Punkt her haben.“

Abgesehen vom Ausgleichstor durch Christian Pulisic nach Reus-Vorarbeit in der 84. Minute ging viel daneben bei den Gästen. Sogar so etwas wie ein an sich simpler Doppelwechsel nach einer Stunde: Marius Wolf ging vom Platz, Favre schimpfte wie wild und räumte später ein, dass der Stürmer dafür gar nicht vorgesehen war. „Es war eine falsche Kommunikation“, sagte Lucien Favre, wollte aber nicht verraten, wer anstelle von Wolf runter sollte: „Ich will nicht mehr darüber sprechen.“ (dpa/FR)

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