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Zurück. In die Zukunft? Ex-Trainer Thomas Schaaf, eigentlich ein Auslaufmodell, ist wieder in Bremen an Bord.

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Werder Bremen holt Thomas Schaaf zurück ? und der einstige Erfolgstrainer ist wieder dort angesiedelt, wo für ihn alles begonnen hatte: im Nachwuchsbereich.

Der Abgang war eher unschön. Und er passte so gar nicht in das so gerne gezeichnete Bild der auf Harmonie getrimmten Werder-Familie. Kaum hatte der Geschäftsführer Thomas Eichin am 15. Mai 2013 die Trennung von der Trainer-Legende Thomas Schaaf verkündet, brauste die grün-weiße Lichtgestalt im schwarzen Dienstwagen davon. Der prinzipientreue Familienvater der mit seiner Philosophie des bedingungslosen Offensivfußballs aus der grauen Maus auf Jahre ein farbenprächtiges Aushängeschild gemacht hatte, war vom vorzeitigen Ende seiner 14 Jahre währenden Amtszeit als Profitrainer tief getroffen.

Schaaf ließ damals das letzte Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg sausen – statt dessen kauerten im Frankenland seine ewigen Assistenten Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach auf der verwaisten Trainerbank. Nicht nur die Bremer fragten sich: War denn damals kein würdevollerer Abgang einer solchen Institution möglich? 

1811 Tage später ist das vergessen. Am Montag verkündete Eichin-Nachfolger Frank Baumann beim SV Werder die Wiedereingliederung des verlorenen Sohnes. Sein Titel: Technischer Direktor. Seine Aufgabe: Mentor für alle Fußballlehrer unter dem Werder-Dach. Seine Herausforderung: Bindeglied zwischen dem Profibereich und Ausbildungssektor, also die Nahtstelle, die nur wenige Klubs gut verknüpft haben. Seine Bezahlung: Soll sich an den leitenden Angestellten in ähnlichen Funktionen orientieren. „Aus wirtschaftlichen Gründen hätte es andere, interessantere Aufgaben gegeben“, sagte Schaaf gegenüber dem Portal „Mein Werder“. 

Schaafs letzte Trainerstationen endeten ungut

Der Rückkehrer bezieht also nicht annähernd ein Salär wie ein Bundesligatrainer. Der heißt in Bremen ja seit genau einem halben Jahr Florian Kohfeldt, hat sich mit seinen Assistenten, darunter Schaafs Lieblingsschüler Tim Borowski, just bis 2021 gebunden – und freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Altmeister. „Ich bin mir sicher, dass ich auch den Austausch mit ihm suchen werde, auch wenn seine Aufgabe nicht im Tagesgeschäft mit dem Bundesligateam verortet ist“, teilte der 35-Jährige mit. Und damit die Autorität des noch im Reifeprozesses befindlichen Aufsteigers nicht angekratzt wird, stellte Baumann klar, dass es komplett ausgeschlossen sei, dass Schaaf noch einmal auf die Trainerbank zurückkehre: „Dafür ist die Position des Technischen Direktors zu wichtig.“ 

Schaaf spricht von einem „Schritt mit Weitblick“: Er soll den Verein zukunftsfähig machen. „Wir wollen auch in fünf bis zehn Jahren in der Bundesliga bestehen“, betonte Baumann. Tatsächlich sprudelt die Talentquelle von Platz 11, wo das Drittligateam jetzt als letzter Bundesliga-Repräsentant den Abstieg hinnehmen muss, längst nicht mehr so üppig. Wie schwer es den besten Nachwuchskräften trotz wohlwollender Förderung fällt, zeigt das Beispiel Johannes Eggestein. In allen Junioren-Jahrgängen spitze, bekommt der junge Torjäger in der Bundesliga im Gegensatz zu Bruder Maximilian kein Bein auf den Boden. Die Bremer Geschäftsführung glaubt, dass Schaaf auch hier helfen kann. Doch spricht der wirklich noch die Sprache der jungen Generation?

Baumann hat wie das beinahe euphorisch reagierende Umfeld keine Zweifel: Der ehemalige Kapitän jener sagenhaften Werder-Elf, die etwa 2004 das Double an die Weser holte, sieht in der Person „jemanden, der ein Profil mitbringt, das in Deutschland nur wenige haben“. Gleichwohl war es um den in Brinkum vor den Toren Bremens beheimateten Radsportliebhaber zuletzt ziemlich ruhig geworden. Nachdem sich sein auf zehn Spiele begrenztes Intermezzo bei Hannover 96 vor zwei Jahren noch mehr als Missverständnis herausstellte als sein einjähriges Engagement bei Eintracht Frankfurt, schien Schaaf vom Trainerkarussell rotiert, auf das immer jüngere Vertreter aufstiegen. Seine Kommunikation wirkte nicht glücklich, und weil er auch darauf verzichtete, sein Gesicht in jeder Talkrunde zu zeigen, wähnte ihn manch einer fälschlicherweise vielleicht im Vorruhestand. 

Doch fernab der Öffentlichkeit leuchtete er im Auftrag der Uefa hochkarätige Europapokalspiele aus, tauschte sich bei Trainertagungen aus – und hielt den Draht zu seinem Heimatverein, dem er einst im Kindesalter beigetreten war. Baumann war schon seit Monaten angetan davon, „einen Trainer für die Trainer“ zu verpflichten. Dass die Verkündung der Zusammenarbeit ein bisschen länger als gedacht gedauert habe, belege doch nur, wie sehr beide Seiten um die richtige Ausgestaltung gerungen haben.

Und ganz unpassend war der 30. April dafür ja nicht: Schaaf feierte am Montag seinen 57. Geburtstag. Ein Dreijahresvertrag als Technischer Direktor ist da ja ein passendes Präsent.

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