Sollen sich daheim fit halten: die Darmstädter Fußballprofis Fabian Holland (von links), Sebastian Hertner und Igor Berezovskyi. hübner
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Sollen sich daheim fit halten: die Darmstädter Fußballprofis Fabian Holland (von links), Sebastian Hertner und Igor Berezovskyi. 

Hanteltraining und Geistertickets

Wie hessische Profiklubs in der Corona-Krise vorgehen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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  • Christian Düncher
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  • Markus Katzenbach
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Manche Vereine schicken ihre Sportler ins Homeoffice, andere versammeln sich zu Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Überblick.

Medizinbälle, Wackelbretter, Hanteln: Alles, was gut verstaut werden konnte in den Privatautos und was vor allem dazu taugt, den Körper fit zu halten in diesen fußballfreien Corona-Tagen, nahmen die Profis von Darmstadt 98mit nach Hause, weggetragen in blauen Müllsäcken. „Bis auf weiteres trainieren alle Spieler mit individuellen Plänen, die sowohl Lauf- als auch Stabilisationsübungen beinhalten“, erklärte der Zweitligaklub aus Südhessen noch und ist damit natürlich nicht alleine.

Eintracht Frankfurtzum Beispiel stellt seinen Berufskickern zwar den Geräteraum in der Arena zur Verfügung, gab dem Team ansonsten aber erst einmal eine Woche frei (siehe Artikel unten). Erstligakonkurrent FSV Mainz 05will dagegen ab Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben, mit Bedacht wohlgemerkt. „Wir haben eine Fürsorgepflicht unseren Spielern, Mitarbeitern und Fans gegenüber, und eine Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit. Es ist wichtig, dass Bundesligavereine mit ihrer Strahlkraft den Solidargedanken vorleben, in dem sie die Verhaltensempfehlungen der Gesundheitsbehörden so gut es geht umsetzen“, so der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann befürchtet derweil mit Blick auf die Aussetzung des Spielbetriebs: „Je nachdem, wie sich die Situation weiter entwickelt, kann sie existenzbedrohend werden.“

Ähnliche äußerte sich auch Nico Schäfer, Sprecher der Geschäftsführung beim Mainzer Nachbarn, dem SV Wehen Wiesbaden. Er malte für den Zweitligisten ein düsteres Zukunftsbild. „Wenn bis zum Saisonende keine Fans zugelassen werden, dann ist das durchaus existenzbedrohend.“ Der Etat des Aufsteigers sei mit acht Millionen Euro „auf Kante genäht“. Schäfer bezifferte den wirtschaftlichen Schaden pro verbleibendem Heimspiel auf durchschnittlich 200 000 Euro – fünf Partien auf eigenem Platz stehen für den SVWW noch aus. Wie es bei den hessischen Landeshauptstädtern in Sachen Training weitergeht, soll das Team am Dienstag erfahren, bis dahin hat es frei.

Zwei Ligen tiefer, beim FSV Frankfurt, ist nicht absehbar, wann die Mannschaft wieder am Bornheimer Hang übt. Ohnehin scheint dies das geringste Problem des Fußball-Viertligisten. „Für uns ist das alles schwierig, weil es nicht nur die Regionalligaspiele betrifft, sondern verschiedene Geschäftsbereiche“, sagt FSV-Präsident Michael Görner. Zum Klub gehört auch das Nachwuchsleistungszentrum und eine eigene Fußballschule. Zudem betreibt der FSV das Stadion am Bornheimer Hang selbst.

Es sei kein Geheimnis, dass der Verein nach der Insolvenz „nicht von einem großen Sparbuch“ lebe, so Görner, der trotzdem zu Besonnenheit aufruft: „Der Fußball ist nur eine kleine Facette in der Gesamtproblematik. Wir müssen sehen, wie wir mit den Konsequenzen leben und die schlimmsten abfedern.“

Bei Kickers Offenbach, ebenfalls Viertligist, helfen die Fans aus. Sie kaufen derzeit unter anderem für 19,01 Euro – angelehnt an das Vereinsgründungsjahr – sogenannte Geistertickets. Stand Sonntag, 13.30 Uhr, wurden derer 866 veräußert. „Das macht mir unfassbar viel Mut, dass wir als Verein sogar gestärkt aus dieser Situation herausgehen“, sagt OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik. Präsident Joachim Wagner berichtet zudem von einem bemerkenswerten Erlebnis. Ein Fan habe ihm 50 Euro für die Aktion in die Hand gedrückt. „Ich kannte ihn nicht. Er sagte, er sei zu alt und kenne sich mit dem Onlineticket nicht aus“, so Wagner. Heute bitten die Kickers ihre Spieler wieder zum Bieberer Berg, dann werde das weitere Vorgehen besprochen. Beim Frauen-Bundesligisten FFC Frankfurtsoll darüber ebenfalls in den nächsten Tagen befunden werden.

Auch die Basketballer der Frankfurt Skylinerswollen „natürlich allen Vorgaben der Behörden nachkommen“, so Geschäftsführer Gunnar Wöbke. Und im Volleyball treibt die Männer der United Volleys Frankfurtund die Frauen des VC Wiesbadenvor allem die Sorge um die Zukunft um. Der finanzielle Schaden bei den Volleys gehe laut Geschäftsführer Jörg Krick „weit in den sechsstelligen Bereich“. Nicht so hart trifft das vorzeitige Saisonaus den VCW, der die Playoffs sportlich sowieso verpasst hatte. (mit dpa)

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