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Thomas Müller im roten Bereich: Für dieses Foul an Nicolas Tagliafico flog der Münchner vom Platz. Der Amsterdamer trug eine Platzwunde davon.

Ajax - FC Bayern

Herzrhythmusstörungen

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Der FC Bayern wirkt auch in Amsterdam nicht so, als müsste man für ihn eine Ruhmesgalerie reservieren.

Wenn man das Stadion von Ajax Amsterdam betritt, begrüßen einen die Recken einer ruhmreichen Klub-Historie in Farbe und in Schwarz-Weiß. Die Treppenhäuser sind voller Poster, und ganz oben wartet dann das mehrere Meter große Porträt eines Mannes, der über allen steht. Es ist ein Bild aus den 70ern, jüngere Semester werden eher an Otto Waalkes denken, wenn sie die dünnen Strähnen und die fliehende Stirn sehen. Aber das ist natürlich nicht der Komiker mit den Ottifanten. Sondern Johan Cruyff, der Mann, nach dem das Stadion benannt worden ist.

Ob der Münchner Delegation das Foto am Mittwochabend aufgefallen ist, als sie die Arena verließ, ist bisher nicht überliefert. Doch es stand nach dem 3:3 durchaus an, mal Fragen mit Tiefgang zu stellen. Dieses junge, neue Ajax hatte ganz im Sinne eines modernen Cruyff aufgespielt. Irgendwann hängen eventuell mal die Fotos der aktuellen Spieler in der Galerie. Und welches Bild hatten die Bayern abgegeben? Hasan Salihamidzic gestand nach der Partie, er habe „gerade leichte Herzrhythmusstörungen“. Unstetes Aufflackern, das sind Symptome, die zu beunruhigenden Diagnosen führen. Die Münchner zeigten sie auf dem Platz. Für sie ist der Weg in die Ruhmesgalerie nicht leichter geworden.

Sportdirektor Salihamidzic blieb bei seiner Analyse erfreulicherweise auf dem bereits vor dem Abflug in die Niederlande eingeschlagenen Weg der Profilschärfung. Nur mit klaren Worten wird man ernst genommen, und mit denen sparte er nicht. „Wir haben uns immer weiter unter Druck setzen lassen, es nicht geschafft, unser Spiel aufzuziehen. Richtig von hinten heraus, Ballstafetten zu haben, mal die unter Druck zu setzen“, sagte er. 40:60 Ballbesitz sei zudem „für uns ungewöhnlich“. Fazit: „Ich habe das Spiel nicht gut gesehen, wir haben uns reindrängen lassen, sind hinterhergelaufen.“ Es war tatsächlich beachtlich, wie Ajax die Bayern vor allem in der zweiten Hälfte dominiert hatte. „Wir müssen vieles besser machen“, so Salihamidzic.

Kovac macht’s wie Heynckes

Die Analysen der nächsten Tage werden spannend, denn Niko Kovac bemühte sich, lieber die positiven Aspekte herauszuarbeiten. Der Trainer hat sich den Stil von Jupp Heynckes zum Vorbild gemacht und setzt auf Stabilität ohne Experimente. Das ist gewiss nicht der schlechteste Ansatz, Heynckes hat das ja bewiesen. Allerdings bedeutet das Aussetzen der Rotation und die Festsetzung einer neuen Hierarchie auch eine Gefährdung des Betriebsklimas. Bis zur Winterpause ist diese Problematik überschaubar. Für 2019 aber muss dann alles so geregelt sein, dass es keine gravierenden Störfälle geben wird. Und die Darstellungen auf dem Platz müssen überzeugender ausfallen. Alles andere öffnet finsteren Kräften die Türen.

Ebenso wird interessant, ob die Bayern bereits im Winter Transfers abwickeln. Einkäufe, die unmittelbar eine Hilfe sind, sind zwar nicht zu erwarten, da der Markt aktuell kaum Qualität offeriert. Doch Karl-Heinz Rummenigge hat bereits angedeutet, dass es zu Beschlüssen kommen kann, die den Sommer betreffen. Sobald Personalien publik werden, können sich die aktuellen Spieler ein Bild machen, wie lange sie noch gebraucht werden. Einen vorzeitigen Wechsel von Benjamin Pavard schloss Salihamidzic in Amsterdam aus: Er sei bei Stuttgart noch als feste Größe eingeplant. Außerdem hat er sich gerade verletzt. Es wird spannend, wen die Bayern für die Ruhmesgalerien ihrer Zukunft verpflichten. Womöglich ja Thomas Müller, der in Amsterdam allerdings einen schwarzen Tag erlebte.

Nach einem Tritt gegen den Kopf des Argentiniers Nicolas Tagliafico war der eingewechselte 29-Jährige zu Recht mit glatt Rot vom Platz geflogen. „Die Rote Karte von Thomas war glasklar. Er sieht ihn nicht, aber damit muss man rechnen, dass dann im Rücken der Gegner sich schon Richtung Ball orientiert“, sagte Kovac. Er weiß das ja aus eigener Erfahrung: Bei den Bayern muss man stets auch darauf achten, was hinter dem eigenen Rücken geschieht.

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