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„Der Fußball ist verrückt, wie ein Hollywood-Märchen“, sagt Andreas Herzog.

Israel

Herzerl gnadenlos

Andreas Herzog stellt mit Israel seine österreichischen Landsleute bloß.

Andreas Herzog hatte Mitleid. Schließlich weiß Österreichs Rekordnationalspieler nur allzu gut, was in seinem Heimatland nun auf Franco Foda einprasselt. Nachdem Herzog als Trainer der Fußball-Nationalmannschaft Israels die Auswahl seiner Landsleute mit 4:2 (2:1) bezwungen hatte, nahm er seinen deutschen Amtskollegen deshalb lange in den Arm – und flüsterte ihm dabei einige Worte des Zuspruchs ins Ohr. „Ich habe ihm gesagt, dass wir eigentlich einen Scheißjob haben“, berichtete Herzog hinterher: „In der Halbzeit hätte er hoch führen müssen und im Nachhinein feiere ich. Für Trainer ist es eine Achterbahn der Gefühle.“ Tatsächlich hatte Österreich die Gastgeber vor der Pause klar dominiert, unterm Strich stand dennoch eine Blamage. Die zweite Pleite im zweiten Spiel machte den Fehlstart in die EM-Qualifikation perfekt.

Entsprechend vernichtend fiel anschließend die mediale Kritik in Österreich aus. Der Wind bläst dem gebürtigen Mainzer und langjährigen Bundesligaprofi im Alpenstaat immer stärker ins Gesicht. Leo Windtner, der Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), wollte nach dem Offenbarungseid in Haifa zwar noch keine Trainerdiskussion aufkommen lassen, aber doch zumindest „alles hinterfragen“. Foda selbst übernahm „komplett die Verantwortung“ und kündigte an: „Wir werden sicherlich einige Veränderungen vornehmen müssen.“

Dabei schien nach dem Führungstreffer durch Marko Arnautovic (8.) lange alles für die Österreicher zu laufen. Ohne den verletzten Bayern-Verteidiger David Alaba aber dennoch mit fünf Bundesligaspielern in der Startelf kontrollierten die Gäste das Geschehen, ehe der entfesselt aufspielende China-Legionär Eran Zahavy (34., 45., 55.) die Partie auf den Kopf stellte. Munas Dabbur (66.) machte früh den Deckel drauf, Arnautovics (75.) zweiter Treffer bedeutete lediglich Ergebniskosmetik.

Foda, der 2017 vom ÖFB bei der Besetzung des vakanten Nationaltrainerpostens just dem ehemaligen Bremer und Münchner Herzog vorgezogen worden war, muss nun schleunigst Lösungen finden. Die größte Blamage der jüngeren Länderspielhistorie Österreichs wird Spuren hinterlassen.

Derweil darf Andreas „Herzerl“ Herzog mit Israel nach vier Punkten aus den ersten zwei Spielen von der erstmaligen EM-Teilnahme träumen. „Der Fußball ist verrückt, wie ein Hollywood-Märchen“, sagte der gebürtige Wiener: „Am Anfang wurde ich nicht so freundlich aufgenommen, weil ich 2001 die Israelis aus der WM-Quali geschossen habe“. (dpa)

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