Von Beruf Optimist: Jürgen Klinsmann.  
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Von Beruf Optimist: Jürgen Klinsmann.  

Jürgen Klinsmann

Zwingend positiv

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Jürgen Klinsmann stülpt Hertha BSC seinen Optimismus über. Der blonde Erlöser muss aufpassen, dass er nicht zu viel heiße Luft in den Berliner Ballon bläst.

Es war bis zu diesem Wochenende bestimmt nicht zu behaupten, dass Marko Grujic in dieser Spielzeit eine prägende Figur bei Hertha BSC gewesen sei. Im Gegenteil: Die Leihgabe vom FC Liverpool ging als Symbol für den Berliner Absturz durch, obwohl doch der inzwischen von Jürgen Klinsmann abgelöste Ante Covic im Sommer alles getan hatte, um den serbischen Nationalspieler von einem Wechsel nach Bremen oder Frankfurt abzubringen. Mit einem Kraftakt konnte der Klub das Kraftpaket aus der Mittelfeldzentrale weiter in der Hauptstadt halten.

Doch offenbar musste erst der Baumeister des deutschen WM-Sommermärchens 2006 seinen Wohnsitz vorübergehend nach Berlin verlagern, um den hoch veranlagten 23-Jährigen wieder wachzuküssen. Ohne Grujic‘ Vorlage zum 1:0 von Dodi Lukebakio (30.) und seinem 2:0 (63.) hätte die Hertha mit dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt kaum den ersten Punkt unter Klinsmann-Regie verbucht. Grujic war wichtigster Widerstandskämpfer mit den meisten Ballaktionen und der größten Präsenz gegen einen überlegenen Gegner.

Auf dem Statistikbogen sprachen 27:8 Torschüsse, 22:4 Flanken, 16:1 Ecken und 58 Prozent Ballbesitz klar für die Hausherren von Adi Hütter, der den offenen Widerspruch zu Klinsmanns These vom „gerechten Remis“ wagte. Der eine Punkt erschien für die Alte Dame eher als Präsent vom Nikolaus, der im düsteren Frankfurter Stadtwald nicht alle Geschenke losgeworden war. Grujic verbuchte den Zähler als „gut fürs Selbstvertrauen“, was mit der Strahlkraft des Strahlemannes auf der Trainerbank zu tun habe: „Er besitzt einen der größten Namen im deutschen Fußball. Ich bin so glücklich, unter ihm zu arbeiten.“ Man müsse nur bis Januar warten, bis richtig deutlich werde, was der Projektleiter wirklich bewirke.

„Wir wissen, es geht nur ein Schritt nach dem anderen und ein Tag nach dem anderen“, betonte Klinsmann. Der Berufsoptimist erlebt nach eigener Aussage einen „spannenden Prozess“: Die Spieler seien „gewillt zuzuhören und die Dinge in schneller Zeit umzusetzen.“ Er selbst ist nicht minder aktionistisch: Als die Berliner Delegation am Freitag in die Frankfurter Arena einzog, verfügte der Hertha-Coach nach FR-Informationen, die Ordner an anderen Stellen zu postieren. Vermutlich störten sie Klinsmanns Harmonielehre.

Am Samstag nach dem Auslaufen stellte der 55-Jährige seinen Weihnachtsfahrplan vor: „Ein paar Punkte mehr unterm Baum“ stehen auf seinem Wunschzettel. Dafür werde man weiter „volle Pulle arbeiten.“ Vieles bei Klinsmann klingt nach vorgestanzten PR-Slogans, zu denen stets das immer gleiche Dauergrinsen aufgesetzt wird.

Großes Spiel gegen Freiburg

Nun warte ein „großes, großes Spiel gegen den SC Freiburg“, sagte Klinsmann. Aber was sind dann die Aufgaben bei Bayer Leverkusen (18.12) und gegen Borussia Mönchengladbach (21.12)? Der blonde Erlöser muss aufpassen, dass er nicht zu viel heiße Luft in den Berliner Ballon bläst. Der Bundesligabetrieb enttarnt recht schnell, wer mehr Schein als Sein anbietet. Und wenn sich „Klinsis“ offenbar angeborene Selbstüberzeugung nicht in der Spielweise widerspiegelt, bekommt auch er ein Problem.

Auf den Prüfstand gehört die taktische Grundordnung: Wie bei seinem Debüt gegen Dortmund (1:2) agierte Hertha erneut mit einer Fünferkette. Folglich fehlte meist der Zugriff im Mittelfeld. Ein Berliner Wintermärchen entsteht eher nicht, wenn sich der Big-City-Club-Visionär statt mit dem Offensivliebhaber Joachim Löw als taktischen Regisseur an seiner Seite nun vom Defensivdenker Alexander Nouri leiten lässt. Klinsmanns erster Assistent scheiterte letztlich als Chefcoach beim SV Werder im November 2017, weil Nouri mit jener Ausrichtung dem Bremer Team alle offensiven Lösungsmöglichkeiten genommen hatte.

„Wir wollten uns in gewissen Situationen tiefer fallen lassen. Wir werden schon noch variieren“, versprach Klinsmann bei der Systemfrage. Die Formation sei zunächst nur gegen den BVB und eine „starke Eintracht“ ausgewählt worden, „wir müssen noch sehen, was für die Mannschaft am besten passt.“ Grundsätzlich gehe es aber gar nicht um seine Handschrift: „Ich wünsche mir einfach, dass wir so schnell wie möglich nach oben kommen.“ Immerhin: Am 14. Spieltag ging’s rauf - von Platz 16 auf 15.

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