Eintracht Frankfurt - Hertha BSC

Hertha BSC: Unerfüllte Erwartung

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Berlin hat nach fabelhaftem Start stark nachgelassen.

Die Imagekampagne vor der Saison war mal wieder gut gemeint. „In Berlin kannst du alles sein. Auch Herthaner.“ Ein cooler Spruch, der jüngere Publikumsschichten ansprechen sollte, die irgendwie mit Hertha BSC, dem Berliner Klub aus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht so viel anfangen können. Der Zeitpunkt für dieses Buhlen an der Basis schien richtig gewählt, denn der Bundesligist hatte sein Verjüngungsprojekt sogar mit Eigengewächsen angereichert: Jordan Torunarigha und Maximilian Mittelstädt, beide Jahrgang 1997 und in Berlin geboren, sollten ebenso näher an die Stammelf rücken wie Ausnahmetalent Arne Maier, Jahrgang 1999.

Und warum sollte Javeiro Dilrosun, 20, aus der Reserve von Manchester City nicht in der Bundesliga zünden, Lukas Klünter, 22, nach dem Abstieg mit dem 1. FC Köln hier einen Neustart unternehmen oder Pascal Köpke, 23 Jahre alter Sohn des Bundestorwarttrainers Andreas Köpke, nachweisen, dass ihm die Berliner Luft gut tut. Der Hauptstadtklub gab der Jugend eine Chance. Am Anfang ist die Saat unter Trainer Pal Dardai rasend schnell aufgegangen. Fast wie in einem Treibhaus, in dem an die Jungpflanzen kiloweise Dünger verschüttet wird.

Die Bayern bezwungen

Am 28. September des vergangenen Jahres hatte Hertha an einem Freitagabend den FC Bayern verdientermaßen in die Knie gezwungen. Das ausverkaufte Olympiastadion johlte vor Glück, als die Tabelle auf der Anzeigetafel erschien: Tabellenerster Dortmund, Zweiter Bayern, Dritter Berlin. Die Hertha hievte sich mit ihrem Stil auf die Titelseiten fast aller Tageszeitungen. Es gehört zum schnelllebigen Geschäft, dass die Meriten selbst innerhalb einer Spielzeit wenig wert sind. Denn die hohen Erwartungen zu Beginn blieben unerfüllt. Vor allem in der Rückrunde ist der Spannungsabfall mit Händen zu greifen.

Ausgerechnet der extrem beliebte Cheftrainer Dardai muss am Saisonende gehen, weil der Ungar die fußballerische Weiterentwicklung nicht hinbekommen hat. Und über Mittelmaß definiert sich kein Hauptstadtklub. Ob der 43-Jährige zwingend mehr aus dem Kader herausholen hätte müssen, ist nicht schlüssig zu beantworten. Aber immerhin hat der loyale Fußballlehrer eine gewisse Verlässlichkeit verkörpert, nach der sich Manager Michael Preetz vielleicht noch zurücksehnen wird.

Dass sich Trainer und Spieler noch einmal für die letzten vier Partien aufraffen, ist erklärter Wunsch der Sportlichen Leitung. Im Frankfurter Stadtwald steigt nun ein Charaktertest. „Es ist wichtig, ein Tor als Dosenöffner zu erzielen“, sagte Dardai vor dem Auftritt beim Tabellenvierten aus Frankfurt. Sechs Spiele ist die Hertha sieglos, hat in vier Partien nur einen Treffer zustande gebracht.

Hinzu kommen offenbar disziplinarische Verfehlungen. Salomon Kalou, unbestritten mit 33 Jahren immer noch der Profi mit der größten fußballerischen Begabung, für Dardai sogar das „einzige Genie“ im Kader, hat zarte Hinweise gegeben, woran der Einbruch liegen könnte: an den Verlockungen der Hauptstadt. „Berlin ist eine wunderbare Stadt. Hier kann man leicht Ablenkung finden. Zudem haben wir ein junges Team. Kommt Druck, kann es schnell zu viel werden.“

Oder steht sich manch einer selbst im Wege? Entdeckung Valentino Lazaro wurde zuletzt gegen Hannover 96 (0:0) eine Denkpause verordnet, Mittelfeldspieler Marko Grujic handelte sich die fünfte Gelbe Karte an, zu allem Überfluss verletzte sich Innenverteidiger Niklas Stark schwer am Knöchel. Vorzeitiges Saisonaus für den kommenden Nationalspieler. Führungsspieler wie Torwart Rune Jarstein, Linksverteidiger Marvin Plattenhardt oder Abräumer Per Skjelbred sind zu ruhig, Kapitän und Torjäger Vedad Ibisevic hat genug damit zu tun, seinen Platz gegen Davie Selke zu verteidigen. Preetz wehrt sich aber gegen einen radikalen Umbruch auf Spielerseite. „Es wird unser Bestreben sein, dass die Mannschaft wieder im Kern zusammenbleibt und wir sie idealerweise punktuell ergänzen.“

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