Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wieder in Berlin am Ball: Kevin-Prince Boateng.
+
Wieder in Berlin am Ball: Kevin-Prince Boateng

FR-Bundesliga-Tipptabelle (2)

Hertha BSC: Flashbacks am Beckenrand

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
    schließen

Der Bundesliga-Check, Teil 2: Hertha BSC Sportdirektor Fredi Bobic soll nach der Zittersaison für Beruhigung sorgen.

Als verlässlicher Quell des Durcheinanders hat sich dieser Verein in den vergangenen Jahren hervorgetan. Bei der Hertha war immer was los. Wie eine irre Mondrakete ist sie in alle Richtungen gleichzeitig losgeflogen, konfus aufgemotzt von den Investor-Millionen des Lars Windhorst, und nur dank eines späten Rettungsmanövers ist sie im Mai nicht aus der Bundesliga rausgestürzt. Dabei will der Klub doch unbedingt ans andere Ende der Liga. Ob’s mit Manager Fredi Bobic gelingt, dem Heimkehrer aus Frankfurt?

Wie stark ist der Kader?

Veränderungen stehen an. Die Luxusstürmer Matheus Cunha (Leeds United soll interessiert sein, 30 Millionen Euro sind aufgerufen) und Dodi Lukebakio könnten zum Beispiel noch gehen. Bobic weiß, dass zwei desaströse Saisons nacheinander kein Zufall waren. Der Kader soll keine Ansammlung eitler Einzelgänger mehr sein, sondern eine funktionierende Gruppe, die Mentalität und Teamgeist auszeichnet. Als Anführer ist deshalb Kevin-Prince Boateng, 34, zu seinem Jugendklub zurückgekehrt. Bobic: „Die Art und Weise, wie er mit den Jungs umgeht, ist ein Flashback für mich. Das macht Spaß. Den brauchen wir. Er macht es unglaublich positiv.“

Worauf steht der Trainer?

Stabilität. Pal Dardai ist Nachnachnachnachfolger von sich selbst, die Klublegende war ja schon einmal der Mann, der bei der Hertha Vergangenheit und Zukunft zusammenführen sollte. Bis Michael Preetz, den langjährigen und inzwischen ehemaligen Manager, dem fatale Bedürfnis nach attraktiverem Fußball befiel. Nach den aus unterschiedlichsten Gründen gescheiterten Engagements von Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Bruno Labbadia soll es der treue Pal aber wieder richten, der mit verschränkten Armen über seine Mannschaft wacht wie ein Bademeister übers große Becken. Inzwischen hat man bei Hertha BSC eingesehen, dass es erst einmal Schlimmeres gibt als ein langweilig erspielter neunter Tabellenplatz. Motto: Nicht vom Beckenrand springen!

Wo hapert es noch?

Zu- und Abgänge

Zugänge: Kevin-Prince Boateng (AC Monza), Suat Serdar (FC Schalke 04), Dennis Jastrzembski (Waldhof Mannheim, Leihe endet), Arne Maier (DSC Arminia Bielefeld, Leihe endet), Davie Selke (SV Werder Bremen, Leihe endet)

Abgänge: Omar Alderete (FC Valencia, Leihe), Jessic Ngankam (SpVgg Greuther Fürth, Leihe), Eduard Löwen (VfL Bochum, Leihe), Sami Khedira (Karriereende), Matteo Guendouzi (FC Arsenal, Leihe endet), Nemanja Radonjic (Olympique Marseille, Leihe endet)

Gegenfrage: Wer ist Hertha BSC – und wenn ja, wie viel soll das kosten? Die Umwälzungen im Klub betreffen alle Bereiche, der Modernisierungsprozess ist in vollem Gange, sportlich und wirtschaftlich. „Es geht im Fußball um Nachhaltigkeit. Ein Verein muss insgesamt auf allen Feldern wachsen“, sagt Bobic, der seine Erneuerungsfähigkeiten bei Eintracht Frankfurt bewiesen hat. Goldelse nennen sie bei der Hertha ihr Projekt übrigens intern, Spitzname der Berliner Siegessäule. Nicht zu verwechseln mit dem Goldesel. Das ist Lars Windhorst.

Wer sticht heraus?

Man neigt dazu, die Entscheidung, Kevin-Prince Boateng zurückzuholen, als PR-Gag zu belächeln. Die Fans feiern den gebürtigen Berliner zwar, der nach 14 Jahren wieder da ist, und Dardai sagt: „Er soll der Chef sein.“ Weiß aber auch: „Erstmal müssen wir ihn körperlich hinbekommen.“ Boateng hat zuletzt in Monza gespielt, in der eher bedächtigen zweiten italienische Liga, und die Bandage um sein schon seit vielen Jahren lädierten Knie gehört zur Standardausstattung des ehemaligen Frankfurters. Man sieht sie nur nicht, weil er die Stutzen drüberzieht. Die Zeit wird zeigen, ob er noch Bundesligatempo in Boatengs Säbelbeinen steckt.

Der FR-Bundesligatipp

Bislang erschienen: Mainz 05

Eine Übersicht aller Texte finden Sie unter: fr.de/tipptabelle

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Seit seinem Einstieg mit seiner Investorengesellschaft im Jahr 2019 hat Milliardär Lars Windhorst 374 Millionen Euro in den Klub gesteckt. Ein Teil geht für alte Verbindlichkeiten drauf, ein anderer für strukturelle Maßnahmen, und natürlich wurde auch kräftig Geld in den Kader investiert – beziehungsweise: im Kader versenkt. In Zukunft soll es Fredi Bobic gelingen, aus den großen Möglichkeiten auch eine große Mannschaft zu formen.

Was ist drin?

Alles und nichts. Wie immer bei diesem seltsamen Hauptstadtklub, der es in jüngerer Vergangenheit wie kein anderer versteht, Größenwahn mit Fallsucht zu verquicken. Weil die Bundesliga zu unberechenbar ist (und Hertha sowieso), hat man zunächst nur für den Pokal ein klares Ziel ausgerufen. „Wir müssen immer den Traum haben“, fordert Bobic: „Wir wollen in dieses Finale, das in unserem Stadion gespielt wird. Wir müssen also eine Pokalmannschaft werden.“ In der Liga dürfte Hertha sich im Tabellenmittelfeld erholen von dem ganzen Stress. (Jakob Böllhoff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare