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Hertha BSC: Es kann nur besser werden

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Von: Jan Christian Müller

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Der Trainer und seine Führungskraft: Sandro Schwarz (Mitte) und Kevin-Prince Boateng (rechts).
Der Trainer und seine Führungskraft: Sandro Schwarz (Mitte) und Kevin-Prince Boateng (rechts). © Matthias Koch/Imago

Der Bundesliga-Check, Teil 4: Hertha BSC. Coach Sandro Schwarz soll nicht nur für gute Stimmung sorgen, auch das Zittern um den Klassenerhalt muss er beenden.

Noch mehr nach allen Regeln der Kunst zerlegen, als der Haupstadtklub aus dem Westen der Metropole das seit der missglückten Parodie mit Jürgen Klinsmann als Trainer getan hat, kann ein Verein sich eigentlich nicht. Die alte Dame Hertha hat alles geliefert, um aufzuzeigen wie man es nicht macht, inklusive öffentlich ausgetragenem Zoff mit Investor Lars Windhorst. Es kann also eigentlich nur besser werden. Mit der Betonung auf eigentlich. Denn ob das mit Ex-Ultra Kay Bernstein als Präsident gutgeht? Man weiß es nicht.

Wie stark ist der Kader?

Hmm. Jedenfalls nicht so gut, als dass Sportchef Fredi Bobic und der neue Trainer Sandro Schwarz auf den reichlich in die Jahre gekommenen Kevin-Prince Boateng als Führungskraft hätten verzichten mögen. Mehr als zwei Handvoll Spiele auf Topniveau sollten sie von dem 35-Jährigen aber realistischerweise nicht erwarten. Es geht mehr um dessen Einfluss auf die Kabine als auf dem Platz. Spannend wird zu beobachten, ob Schwarz seinen einstigen Mainzer Zögling Suat Serdar wieder stabil ins Laufen bekommt. Der war immerhin mal Nationalspieler.

Worauf steht der Trainer?

Schwarz hat in Mainz Wert darauf gelegt, dass nicht nur Fußball gekämpft wird, sondern auch eine gewisse Spielkultur Einzug erhält. Er ist ein zugewandter Mann mit Empathie, der für gute Stimmung im ganzen Klub sorgen kann, was in einem Verein, in dem gute Stimmung zuletzt eine Seltenheit war, gewiss nicht zu unterschätzen ist. In Moskau hat er nochmals an Profil gewonnen. Aber in dem auch medial unruhigen Berlin wird der 43-Jährige sich erst noch bewähren müssen. Das kennt er so aus dem beschützten Mainzer Umfeld nicht.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Derry Scherhant (Hertha BSC II), Tjark Ernst (VfL Bochum), Robert Kwasigroch (eigene Jugend), Jonjoe Kenny (FC Everton), Filip Uremovic (Rubin Kazan), Mesut Kesik (eigene Jugend), Deyovaisio Zeefuik (Blackburn Rovers, Leihe beendet), Krzysztof Piatek (AC Florenz, Leihe beendet), Omar Alderete (FC Valencia, Leihe beendet), Jordan Torunarigha (KAA Gent, Leihe beendet), Javairo Dilrosun (Girondins Bordeaux, Leihe beendet), Dodi Lukebakio (VfL Wolfsburg, Leihe beendet), Jessic Ngankam (SpVgg Greuther Fürth)

Abgänge: Ishak Belfodil (Ziel unbekannt), Daishawn Redan (FC Utrecht, Leihe, war zuvor an PEC Zwolle verliehen), Eduard Löwen (St. Louis City FC, zuvor an VfL Bochum verliehen), Anton Kade (FC Basel), Alexander Schwolow (FC Schalke 04, Leihe), Arne Maier (FC Augsburg, nach Leihe fest verpflichtet), Marcel Lotka (Borussia Dortmund), Niklas Stark (SV Werder Bremen), Lukas Klünter (Ziel unbekannt), Nils-Jonathan Körber (Hansa Rostock)

Wo hapert es noch?

Wo soll man anfangen, wo aufhören? Es sind verliehene Spieler zurückgekehrt, die den Etat extrem belasten und die man lieber nicht mehr dabei hätte: Dodi Lukebakio zum Beispiel oder der polnische Nationalspieler Krzysztof Piatek, gemeinsam mit dem Franzosen Lucas Tousart mit fünf Millionen Euro Topverdiener im schlecht komponierten Kader, für den die Hertha im Transferfenster Winter 2020 vor Corona mehr Geld ausgab als jeder andere Klub auf dem Globus.

Wer sticht heraus?

Oh je. Ist die Frage ernst gemeint? Okay, dann hier eine Antwort, die der Wahrheit wahrscheinlich am nächsten kommt: Lars Windhorst, der Millionär, und Kay Bernstein, der ehemalige Hardcore-Fan und neue Präsident,

Was ist drin?

Es wäre verwegen zu glauben, dass Schwarz und Bobic die Truppe mal eben dorthin navigieren, wo sie in Anbetracht des vor ihrer Festanstellung investierten vielen, vieles Geldes eigentlich stehen müsste. Die schlichte Wahrheit ist nämlich, dass die Kohle weitgehend futsch ist und der arme Bobic nun einen zweistelligen Millionenbetrag mehr einnehmen als ausgeben soll. Weshalb dann auch die in der Endphase der verkorksten vergangenen Saison noch ganz guten Tousart und Santiago Ascacibar Verkaufskandidaten sind. Ergo: Drinbleiben ohne wieder zu zittern, wäre schon ein rechtschaffener Erfolg. Mehr ist wohl kaum drin.

Tipptabelle
Tipptabelle Hertha BSC © FR

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