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Hermann Nuber ist tot: Einmal Kickers, immer Kickers

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Von: Holger Appel

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Die Klublegende war bis zuletzt Stammgast im Stadion: Hermann Nuber.
Die Klublegende war bis zuletzt Stammgast im Stadion: Hermann Nuber. © Imago

Hermann Nuber, der beliebteste Fußballer Offenbachs, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Keiner verkörperte die Kickers und die einstige Arbeiterstadt Offenbach so wie er – auch wenn der Klub in seiner 121-jährigen Geschichte sicherlich den einen oder anderen besseren Fußballer hatte als Hermann Nuber. Aber – keine Frage – er wird immer der populärste und beliebteste Fußballer dieser Stadt sein, das Idol dieses Vereins. Am Montagmorgen ist Hermann Nuber in seiner Heimatstadt Offenbach im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Trauer ist groß.

Nuber, der zwischen 1953 und 1971 insgesamt 408 Ligaspiele für den OFC bestritt (164 Tore), hat trotz vieler Angebote aus ganz Deutschland niemals für einen anderen Verein gespielt. Motto: einmal Kickers, immer Kickers. Er hatte schon 1946 als Schüler in der OFC-Jugend angefangen. 1953 debütierte er als 17-Jähriger im DFB-Pokalspiel gegen Wormatia Worms. Trainer Paul Oßwald baute ihn behutsam auf. Ab 1955 war der technisch gute und kampfstarke Freistoßspezialist (beidfüßig!) Stammspieler; zunächst als Halbstürmer, später als Libero.

Nubers größter Erfolg war der Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft 1959 gegen die Frankfurter Eintracht. Unvergessen bleibt auf dem Weg dorthin die Aufholjagd gegen Tasmania Berlin, als die Kickers 0:2 zurücklagen, Nuber in der 87. Minute zum 1:2 traf und die Offenbacher noch 3:2 siegten. Im Finale verloren Nuber und Co. mit 3:5 nach Verlängerung gegen die Frankfurter. Bis zuletzt haderte Nuber mit den taktischen Vorgaben des damaligen Trainers Bogdan Cuvay.

Vier Jahre später verwehrte der DFB den Kickers einen Platz in der neugegründeten Bundesliga. Nuber blieb seinem Verein auch in der zweitklassigen Regionalliga treu. 1968 gelang ihnen der Sprung in die Bundesliga. Am vorletzten Spieltag der Aufstiegsrunde besiegten die Offenbacher die TuS Neuendorf mit 2:0. In den Jubelorgien nach der Partie überklebten die Fans die Schilder der Bieberer Straße mit der Aufschrift „Hermann-Nuber-Allee“.

Entdecker etlicher Stars

Der Ehrenspielführer der Kickers bestritt ein B-, zwei Junioren- und sechs Jugendländerspiele, ein A-Länderspiel war ihm nicht vergönnt. Bundestrainer Sepp Herberger hatte ihn zwar 1958 in das 22-köpfige Aufgebot für die WM in Schweden berufen, doch er gehörte zu den vier Spielern, die auf Abruf zu Hause bleiben mussten. Der erhoffte Anruf kam nicht. Nubers trockener Kommentar: „Da hatte ich in der Metzgerei wenigstens keinen Umsatzverlust!“ Hermann Nuber hatte nach seiner Schulzeit in einer Metzgerei die Ausbildung gemacht, später eine eigene Metzgerei betrieben, oftmals selbst geschlachtet und in der Küche gestanden – parallel zum Fußball auf hohem Niveau.

1969 nach dem Abstieg beendete er seine Karriere, verpasste 1970 den Sieg im DFB-Pokal, ehe ihn Trainer Rudi Gutendorf 1971 kurzfristig für die Bundesliga reaktivierte. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere half Nuber den Kickers 15 Jahre als Amateur- und Jugendtrainer. Er entdeckte und förderte die späteren Profis Rudi Völler, Uwe Bein, Dieter Müller, Jimmy Hartwig, Rudi Bommer, Jörg Neun, Reinhard Stumpf, Thomas Kroth, Oliver Reck, Jürgen Rollmann. Zudem sprang er bei den Profis zweimal als Interimstrainer ein, unter anderem 1983/84 in der letzten Bundesligasaison der Kickers.

Nuber hatte sich bis zuletzt gewünscht, nochmals einen Aufstieg seiner Kickers mitzuerleben, die seit zehn Jahren in der Regionalliga Südwest festhängen. Auch in dieser Saison haben sie bereits einen großen Rückstand. Die Kicker in den Farben rot und weiß, die er auch in dieser Runde so oft wie möglich im Rollstuhl mit Fanschal von der Tribüne aus anfeuerte, konnten dem OFC-Idol diesen Wunsch nicht mehr erfüllen.

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