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Heribert Bruchhagen im Interview.
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Heribert Bruchhagen im Interview.

Interview

Heribert Bruchhagen über Corona-Leugner: „Ich bin fassungslos, wie einfältig sie sind“

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Ex-Boss von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, über das Leben in Zeiten der Pandemie, „Querdenker“, den Zoff beim DFB, Bundestrainer Löw, die Eintracht und seinen Zuckeltrab beim Joggen.

  • Das erste Mal seit Jahren gibt Heribert Bruchhagen der Frankfurter Rundschau wieder ein Interview.
  • Er spricht unter anderem über die Corona-Pandemie und „Querdenker“.
  • Der Ex-Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt verrät: „Ich vertraue der Kanzlerin total.“

Heribert Bruchhagen hat es sich daheim im ostwestfälischen Harsewinkel in seinem Fernsehsessel mit einem Becher Kaffee gemütlich gemacht. Der Frankfurter Rundschau hat der 72-Jährige jahrelang kein Interview mehr gegeben. Zu sehr hatte er sich über die Berichterstattung geärgert. Abgeschlossene Vergangenheit!

Der Ex-Boss des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt ist kein nachtragender Mensch. Er ist jetzt raus aus dem Hamsterrad, in dem er vier Jahrzehnte fröhlich unterwegs war. Schon als kleiner Junge hatte er das Fußballtrikot unterm Pullover. Und nach der Schule dann nichts wie raus zum Bolzen. Fußball ist sein Leben, so ist es immer gewesen. Heiligabend wird er mit seiner Frau daheim in Harsewinkel mit den Familien der zwei Töchter und den beiden Enkeln verbringen. Vorher noch schnell die Sportklamotten an und raus zum Joggen. Auch was das angeht, hat sich Heribert Bruchhagen seinen Hang zu feiner Ironie belassen.

Heribert Bruchhagen im Interview über Fitness und Geisterspiele

Wie viele Kilometer schaffen Sie denn noch im etwas fortgeschrittenen Alter?

Ich laufe seit 40 Jahren dieselbe Strecke. Für zehn Kilometer brauche ich knapp 75 Minuten.

Respektabel für einen 72-Jährigen!

Zur Einordnung: Früher war ich gefühlt eine halbe Stunde schneller. Das sieht jetzt schon ein bisschen erbärmlich aus, fürchte ich. Ich laufe deshalb da, wo mich keiner sieht.

Sie verstecken sich beim Laufen im Wald. Man hört auch sonst nur noch wenig von Ihnen. Was ist los?

Es ist doch normal, dass man irgendwann weniger gefragt wird. Mein Vertrag als Experte bei Sky ist ausgelaufen. Sky hat sich von der älteren Garde - Jörg Wontorra, Ewald Lienen, Heribert Bruchhagen - getrennt und jüngere Experten hinzugezogen. Ein ganz normaler, völlig nachvollziehbarer Prozess.

Und oben drauf kommen dann noch die Geisterspiele?

Ganz genau. Auch ich bin deshalb nicht mehr im Stadion präsent. Wenn man nicht kommen darf, trifft man auch niemanden. So ist das leicht erklärt. Dankenswerterweise habe ich ja eine Ehrenkarte bei Eintracht Frankfurt. Ich wäre gern dabei.

„Ich denke mal, dass man das ein Jahr durchhalten kann, dann hoffe ich aber auch, dass es damit gut ist.“

Heribert Bruchhagen über das zurückgezogene Leben durch die Corona-Pandemie

Heribert Bruchhagen begnügt sich mit Fußball im Fernsehen

Der Fußball war und ist für Sie von kleinauf immer auch eine Art Droge gewesen. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Ich begnüge mich damit, wie viele andere Menschen, Fußball im Fernsehen zu verfolgen. Zudem bin ich im Kuratorium der Egidius-Braun-Stiftung und gehöre zum Vergütungsausschuss des Deutschen Fußball-Bundes. Da hatten wir allein in diesem Jahr elf Tagungen mit hochkomplizierten Themen.

Sie haben unter anderem nach langem Ringen beschlossen, dass der DFB-Präsident Fritz Keller mit höchstens 246 000 Euro pro Jahr für seine Verbandsarbeit vergütet wird…

Sehen Sie, so ganz weg vom Fenster bin ich nicht. Manchmal werde ich noch um Rat gefragt. Kürzlich hat mich beispielsweise Carsten Schmidt hier bei mir zu Hause besucht.

Der neue Boss von Hertha BSC und langjährige Sky-Topmanager macht sich beim alten Fahrensmann kundig, was auf ihn zukommt?

Naja, ich bin ja nun nicht neunmalschlau. Eine Einschätzung konnte ich aber schon geben, was ihn erwarten könnte. Am aktuellen Tagesgeschehen nehme ich natürlich nicht mehr teil.

Aber Sie verfolgen es als passionierter Zeitungsleser schon noch?

Selbstverständlich. Und manchmal, wie jetzt wieder bei der Verteilung der Fernsehgelder, habe ich ein Aha-Erlebnis.

Bruchhagen über das Leben in der Corona-Pandemie: „Mit der Familie skype ich“

Kommen wir später noch zu. Teams- und Zoom- und Skype-Konferenzen können Sie auch?

Mit der Familie skype ich. Die Ausschusssitzungen beim DFB laufen über das Videokonferenzsystem Blue Jeans. Ich sitze zu Hause vor dem Computer, das ist jetzt Standard auch für mich.

Was fehlt Ihnen und Ihrer Frau in diesen Zeiten der Pandemie?

Wir haben unterschiedliche Interessen und ein großes Haus, in dem ich mich dem Sport widmen kann und sie mehr der Literatur. Mir bleibt zudem noch das Golfspielen zu zweit hier ganz in der Nähe an der Klosterpforte. Es ist ein sehr überschaubares Leben. Ich denke mal, dass man das ein Jahr durchhalten kann, dann hoffe ich aber auch, dass es damit gut ist.

Leiden Sie?

Das wäre übertrieben formuliert. Aber es ist schon trist bisweilen. Mir ist das zu wenig Action, zu wenig Treffen mit Freunden zum Essen oder alten Studienkollegen in Münster, kein Kino, kein Theater. Also: Der ganz große Theatergänger war ich ja noch nie. Aber es fehlt was. Ich werde klassisch darauf trainiert, was einen im Rentnerdasein erwartet. Einen besseren Probelauf hätte man gar nicht bekommen können.

Bruchhagen: „Die Kanzlerin ist klüger als wir Bürger. Viel, viel klüger!“

Sie akzeptieren das so, wie es ist?

Ich vertraue der Kanzlerin total. Sie ist eine Physikerin, die Kanzlerin ist klüger als wir Bürger. Viel, viel klüger! Ich halte mich komplett an alle Regeln, trage Maske und nehme nicht an Treffen teil, außer Weihnachten mit unserer Familie.

Wie nehmen Sie die Gesellschaft wahr hier im Land?

Was die Corona-Leugner angeht: Ich bin fassungslos, wie einfältig sie Verschwörungstheorien folgen. Da ich aus dem Fußball komme, kenne ich solche Verschwörungstheorien – wenngleich auf ganz anderer Ebene. Mit übler Nachrede kennen sich alle Protagonisten im Profifußball aus, seit es das Internet gibt. Mit Hetze im Netz bin ich groß geworden.

Das erfahren Menschen wie Angela Merkel, Christian Drosten und Jens Spahn gerade besonders.

Ja, die müssen einiges aushalten, das begleitet uns im Fußball schon seit Jahren mit jeder Trainer- oder Managemententscheidung und jedem schlechten Tabellenbild.

Was macht das mit einem?

Die Sensibilität bleibt gleich. Man stumpft nie ab. Man ist getroffen. Und die Behauptung „Ich lese keine Zeitung“ ist Blödsinn. Ich habe jeden Morgen um neun Uhr den Pressespiegel vorliegen gehabt. Unser Pressesprecher Carsten Knoop hatte darunter zu leiden, der musste immer schon um acht Uhr die Artikel zusammenstellen. Ich wollte wissen, was Ihre Kollegen Durstewitz und Kilchenstein gezaubert haben.

„Seinerzeit habe ich bei Bruno Labbadia gebettelt und gebeten, er möge doch auf eine ihm zustehende Zahlung verzichten, weil ich das Geld nicht hatte.“

Heribert Bruchhagen über schwierige Gehaltsverhandlungen

Sind Sie zu Weihnachten ein gut vorbereiteter Schenker?

Ich bin großzügig, aber die Umsetzung der Geschenkauswahl erfolgt nicht durch mich.

Selbst vergangenes Jahr waren Sie am 22. Dezember noch gemeinsam mit Armin Veh am Sonntagabend im Sky-Studio in München bei Patrick Wasserziehr.

Ich bitte deshalb darum, mir die fehlende inhaltliche Beteiligung an den Geschenken nachzusehen.

Heribert Bruchhagen über die Finanzsituation in der Bundesliga

Womit wir bei den Finanzen wären. Wie arg ist da die Situation in der Bundesliga?

Ich hatte das Glück, dass es mit den TV-Geldern immer aufwärts ging, seit ich 1989 erstmals einen Managerjob bei Schalke 04 angetreten habe. Seinerzeit gab es übrigens noch den gleichen Betrag für jeden Bundesligisten: ungefähr 490.000 Mark. Das hat mich geprägt. Bei Eintracht Frankfurt habe ich sehr darauf geachtet, dass wir jedes Jahr ein ausgeglichenes Betriebsergebnis vorweisen konnten, obwohl acht Jahre lang jährlich 2,5 Millionen Euro an den Vermarkter ISPR zurückgezahlt werden mussten, der der Eintracht vor meiner Zeit Geld geliehen hatte.

Das war seinerzeit ein schwerer Rucksack?

Ja, das waren zehn Prozent des Gesamtetats von 25 Millionen Euro. Ich habe dennoch niemals einen Kredit aufgenommen. Das war auch deshalb möglich, weil es jedes Jahr ein hübsches Aufgeld bis zu 50 Prozent durch die Fernsehvermarktung gab.

Und jetzt?

Jetzt sind die Finanzvorstände gefordert, sich mehr durchzusetzen. Und jetzt müssen die Sportvorstände, die früher wie ich in Stollenschuhen unterwegs waren, auch lernen, mit einem abnehmenden Mond umzugehen. Da sind ganz neue Qualitäten gefragt, die über den Sport hinausgehen. Da vertraue ich bei Eintracht Frankfurt Finanzchef Oliver Frankenbach und Sportvorstand Fredi Bobic vollumfänglich.

Die Sache mit dem Gehaltsverzicht gestaltet sich indes bei allen Klubs als schwierig.

Es gilt natürlich der Grundsatz: Pacta sunt servanda.

Zur Person

Heribert Bruchhagen war von 2003 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG, ehe er 15 Monate dem Hamburger SV vorsaß und im März 2018 vorzeitig gehen musste. Von 2001 bis 2003 fungierte der kantige Ostwestfale als Geschäftsführer der DFL, zuvor war er als Manager bei Schalke 04 und dem HSV tätig.

Der Sport- und Geografielehrer spielte als Offensivmann von 1968 bis 1982 bei der DJK (später FC) Gütersloh, mit der er 1975 den Aufstieg in die zweite Liga schaffte. Den Klub coachte er zudem bis 1988 in der Oberliga Westfalen.

Bruchhagen im Interview: „Gespräche an die Vernunft über Gehaltsverzichte sind schwierig“

Die Klubs haben sich an den geschlossenen Verträge zu halten?

Wirklich an der Stellschraube drehen können sie erst bei neuen Verträgen. Die Gespräche an die Vernunft über Gehaltsverzichte sind schwierig. Ich habe ein solches Gespräch nur einmal führen müssen, vor mehr als 20 Jahren bei Arminia Bielefeld. Seinerzeit habe ich bei Bruno Labbadia gebettelt und gebeten, er möge doch auf eine ihm zustehende Zahlung verzichten, weil ich das Geld nicht hatte. Da habe ich bei Bruno aber keinen Erfolg gehabt. Ich musste mir das Geld dann bei meinem Freund Jürgen Hunke (ehemaliger Präsident des Hamburger SV, die Red.) leihen.

Die rund 1,25 Milliarden Euro pro Saison aus den künftigen TV-Verträgen werden nicht so verteilt, wie viele Fans sich das gewünscht hätten. Die Großen bekommen auch künftig viel mehr als die Kleinen, wenn auch nicht mehr ganz so ausgeprägt. Ihre Meinung?

Können Sie seit 25 Jahren aus dem Archiv holen. Da ist alles nachzulesen. Aktuell möchte ich mich dazu nicht mehr äußern, denn ich habe kein Amt mehr, nicht mehr bei einem Klub, auch nicht mehr im Präsidium der DFL oder dem Vorstand des DFB. Also halte ich mich zurück.

Sie waren stets für mehr Ausgleich, um die Zementierung zu lösen. Das ist bekannt. Der Begriff „Zementierung“ ist sozusagen ihr Patent.

Ich hatte in der Tat oft eine Außenseiterposition inne, wenn es um die Verteilung ging.

Und jetzt wollen Sie sich nicht mit Kalle Rummenigge und Christian Seifert anlegen als Besserwisser aus dem Wohnzimmer?

Mir steht es einfach nicht mehr zu. Ich habe mich früher auch nicht gefreut, wenn ich von Kollegen aus dem Off Ratschläge erhalten habe.

„Ich bin mir sicher, dass Schalke Clemens Tönnies noch nachweinen wird.“

Heribert Bruchhagen über die Trennung vom Schalke-Aufsichtsratschefs

Es scheint gerade eine Entfremdung der Fans von Unterhaltungsbetrieb Profifußball zu geben!

Eine gewisse Furcht, dass die Stadien sich nicht gleich wieder komplett füllen, ist wohl berechtigt. Ich hoffe, ich täusche mich da. Der Stellenwert der Bundesliga ist so groß, der wird bleiben.

Sobald die Pandemie endet, ist Bruchhagen wieder im Stadion

Was tun Sie, wenn die Stadien wieder aufmachen?

Sobald ich wieder darf, sitze ich wieder auf meinem Platz zehn Meter von Fredi Bobic entfernt, mit dem ehemaligen Präsidenten und den Ex-Aufsichtsräten Matthias Ohms, Herbert Becker und Wilhelm Bender zusammen. Dafür bin ich der Eintracht auch sehr dankbar.

Einem weiteren Ihrer Herzensklubs, Schalke 04, geht es nicht so gut. Hätte der Verein den Aufsichtsratschef Clemens Tönnies besser behalten?

Ich bin mir sicher, dass Schalke Clemens Tönnies noch nachweinen wird. Vor Corona war ich noch regelmäßig bei ihm in der Sauna, er wohnt ja nicht ganz so weit weg. Ich weiß, was Tönnies für Schalke 04 bedeutet hat.

Tönnies ist auch durch die Covid-19-Ausbrüche in der Fleischindustrie zu ruhmloser Bekanntheit außerhalb des Fußballs gekommen. Sie halten zu ihm?

Selbstverständlich tue ich das. Alle Menschen, die Clemens Tönnies persönlich kennen, haben ein positives Bild von ihm. Überall, wo Fleisch produziert wird, ist das Risiko offenbar besonders hoch. Ich weiß, dass er sehr unter der Situation leidet und alles tut, um weitere Ausbrüche zu minimieren.

Sie sind ein wahrer Freund.

Ja, und ich erinnere mich noch sehr genau an meinen 70. Geburtstag, als Clemens Tönnies gemeinsam mit Harald Strutz und dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier für mich gesungen hat. Da war die Welt noch in Ordnung.

Das sagt Bruchhagen zum DFB

Der ehemalige Mainzer Präsident Harald Strutz hat seine Memoiren verfasst. Das Buch ist gerade veröffentlicht worden. Haben Sie so etwas auch noch vor?

Nein. Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen, die müsste ich aus diesem Interview sowieso rausstreichen, also erzähle ich sie lieber nicht. Deshalb wird es kein Buch von mir geben. Und im Übrigen: Wer sollte das kaufen und lesen wollen? Es geht da auch um Vertrautheit, die sich über viele Jahre entwickelt hat.

Wie vertraut ist Ihnen das, was da beim DFB gerade passiert? Viele Fans verstehen das nicht mehr.

Ich verstehe es gut. Weil ich die Menschen kenne, die dort tätig sind. Ich war immer nah dran im Vorstand des DFB und bei Länderspielen oft in der Delegation. Ich habe erlebt, wie Wolfgang Niersbach behandelt wurde, ich habe erlebt, dass Reinhard Grindel, der von außen kam, gar keine Chance erhielt – und ich habe Theo Zwanzigers Vorgehen gegen Gerhard Mayer-Vorfelder erlebt.

Der Putsch nach dem EM-Vorrundenaus 2004 und dem Rücktritt von Rudi Völler?

Ja, ich war in Portugal dabei und habe damals sofort einen Brief an Uli Hoeneß geschrieben. Denn ich habe noch im Bus auf der Fahrt zum Flughafen mitbekommen, dass was gegen Mayer-Vorfelder im Busch ist. Also berichtete ich Uli, er müsse eingreifen. Denn „MV“ war doch der Bundesliga sehr zugewandt.

„Dass man einen Kausalzusammenhang zwischen den Querelen in der Führung und den Auftritten der Nationalmannschaft herleitet, ist Unfug.“

Heribert Bruchhagen über den DFB

Mayer-Vorfelder durfte dann noch zwei Jahre lang bis zur WM 2006 in einer Doppelspitze an der Seite von Zwanziger bleiben.

Dass es dazu gekommen ist, dazu habe ich beigetragen, weil ich frühzeitig erkannt habe, was läuft und zeitig eine Gegenbewegung mitinitiiert habe.

Was erwarten Sie von Fritz Keller, dem vielkritisierten DFB-Präsidenten?

Ich wünsche mir gemeinsam mit der Bundesliga, dass man ihn stärkt, weil ich trotz seines Eigenwillens großes Vertrauen in seine Durchsetzungsfähigkeit habe.

Nationalmannschaft muss „einfach besser spielen“

Ist der Bruch zwischen dem Generalsekretär Friedrich Curtius und Keller nicht zu groß?

Ich habe weder an Curtius noch an Keller etwas auszusetzen und wünsche mir, dass sie zusammenfinden. Alles andere hilft keinem. Aber eines sagen ich Ihnen auch.

Was?

Dass man einen Kausalzusammenhang zwischen den Querelen in der Führung und den Auftritten der Nationalmannschaft herleitet, ist Unfug. Wenn sich Curtius und Keller streiten, darf das kein Alibi für das DFB-Team sein. Die Jungs müssen einfach besser spielen.

Was erwarten Sie vom Bundestrainer?

Mit Joachim Löw habe ich ein sehr vertrautes Verhältnis. Wir haben manche heimliche Zigarette geraucht, wo uns keiner sehen durfte. Ich wünsche mir, dass er Erfolg hat. Nur die Spieler können entscheiden, wie Löws Zukunft sich gestaltet. Die sind gefordert.

Soll er Hummels, Boateng und/oder Müller zurückholen?

Über allem steht die Leistung auf dem Platz. Wenn er zu der Erkenntnis käme, dass es besser wäre, bräche er sich keinen Zacken aus der Krone. Ich habe weiterhin großes Vertrauen in Joachim Löw.

Heribert Bruchhagen erzählt eine kleine Geschichte

Das kennt man von Ihnen. So schnell rücken Sie traditionell nicht von einem Trainer ab.

Ich erzähle Ihnen eine kleine Geschichte: Damals bei der Eintracht stand unser Aufsichtsratschef, der damalige Flughafenvorstand Herbert Becker, regelmäßig vor mir, weil ihm Friedhelm Funkel zu defensiv agierte. Er schlug vor, uns von Funkel zu trennen. Ich habe ihm geantwortet: „Herbert, du kannst gern eine Tasse Kaffee mit mir trinken, aber dann mach dich zeitig auf und schule das Bodenpersonal am Flughafen.“ Ich habe mich auch bei Armin Veh nie beeindrucken lassen von Forderungen, ihn rauszuwerfen. In den Etappen selbst habe ich viel Kritik einstecken müssen. Aber am Ende, als ich ging, haben sogar die Ultras mich freundlich bewertet. Dabei waren das nicht immer meine Freunde.

Nicht immer Ihr Freund war in den letzten Jahren bei der Eintracht auch die Sportredaktion der Frankfurter Rundschau. Sie haben es am Ende abgelehnt, zu Interviews für uns bereitzustehen.

Da habe ich zu klein gedacht. Ihr Kollege Ingo Durstewitz war übrigens der Erste, der mir beim Spiel unserer Geschäftsstelle gegen Journalisten im Trainingslager in Abu Dhabi aufgeholfen hat, als ich glaubte, ich könnte noch sprinten und mir einen Muskelfaserriss zuzog. Ich hatte mich da etwas überschätzt. Zwischenmenschlich hatte ich doch mit Herrn Durstewitz und Herrn Kilchenstein nie ein Problem. Es ging immer nur ums Fachliche. Ich habe mich über nichts mehr geärgert als über deren Hartnäckigkeit, mir eine Position immer wieder kritisch unterzuschieben, die auch zur Zeit wieder durch die Tabellensituation eindrucksvoll belegt wird.

Die Zementierung der Bundesliga?

Ja, natürlich!

Interview: Jan Christian Müller

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