Henke, inzwischen Sportdirektor beim Drittligisten FC Ingolstadt
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Michael Henke, inzwischen Sportdirektor beim Drittligisten FC Ingolstadt.

Kommentar

Henkes Entgleisung

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Auf das Drittligaspiel zwischen Kaiserslautern und Ingolstadt folgt der Eklat: Michael Henke tritt Jeff Saibene. Ottmar Hitzfelds einstige rechte Hand fällt nicht zum ersten Mal negativ auf. Ein Kommentar.

Im Bewusstsein der deutschen Fußballöffentlichkeit ist Michael Henke ein Mann der zweiten Reihe. Jahrelang war der heute 63-Jährige beim FC Bayern München Co-Trainer des großen Ottmar Hitzfeld, und wenn man sich an den Bayern-Trainer Hitzfeld erinnert, dann ist Henke mit drauf auf den Bildern, etwas unscharf und im Hintergrund. Während Hitzfeld sich am Spielfeldrand den Kragen seines Trenchcoats hochschlug, saß Henke in seinen Bayern-Trainingssachen auf der Bank, und manchmal stand er empört auf, wenn der Schiedsrichter etwas Komisches gepfiffen hatte, und wenn die Bayern ein Tor schossen, klatschte Henke Hitzfeld ab und den neben ihm sitzenden Manager Hoeneß, auf die immer gleiche, etwas ungelenk wirkende Art eines großen, schlaksigen Menschen.

Ja, bei diesen fast liebenswürdigen Erinnerungen würde man es gerne belassen, was den schon auch irgendwie legendären Michael Henke angeht. Aber das geht leider nicht. Henke, inzwischen Sportdirektor beim Drittligisten FC Ingolstadt, hat sich am Mittwochabend nämlich arg daneben benommen beim emotionalen Auswärtsspiel seines Klubs beim 1. FC Kaiserslautern (1:1).

Das Durcheinander auf dem Platz nach Spielende nutzte der gebürtige Ostwestfale, um dem Kaiserslauterner Trainer Jeff Saibene, 52, von hinten mit dem Knie in die Beine zu fahren. Keine brutale Aktion, aber doch eine unsägliche Entgleisung, eine grobe Unsportlichkeit. Henke verzog sich sogleich in die Kabine, während der wutentbrannte Saibene, der einst in Ingolstadt mit Henke zusammenarbeitete, von seinen Spielern zurückgehalten werden musste. Am Donnerstag dann erklärte Henke im „Donaukurier“, die Aktion wäre „mehr freundschaftlich“ gemeint gewesen: „Vielleicht hat Jeff da was falsch verstanden.“

Ach so. Vielleicht haben ja auch die Erfurter etwas falsch verstanden, als Henke sie 2005, damals selbst kurzzeitig Cheftrainer des 1. FCK, in einem Drittligaspiel als „Scheiß Ossis!“ bezeichnete. Vielleicht aber, und vielleicht ist das sogar wahrscheinlicher, ist Henke einfach ein Mann, der seine cholerische Anflüge nicht länger hinter Ottmar Hitzfelds Mantelkragen verstecken kann. Die erste Reihe ist eben nicht jedermanns Sache.

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