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Heiland in Spendierhosen

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Von: Ingo Durstewitz

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Man hat sich lieb: BVB-Keeper Gregor Kobel (links) und Erling Haaland.
Man hat sich lieb: BVB-Keeper Gregor Kobel (links) und Erling Haaland. © afp

Erling Haaland geizt nicht. Nicht mit Toren, und auch nicht mit Geschenken für seine Ex-Kollegen. Und am Ende dreht sich alles - um ihn selbst. Eine Glosse.

Die Urgewalt aus dem Norden geizt, diese Plattheit sei aus gebotenem Anlass erlaubt, nicht eben mit Toren. Das ist bekannt. City-Stürmer Erling Haaland pulverisierte in der Premier League binnen kürzester Zeit alle Rekorde, nach acht Spieltagen hatte die Naturkraft bereits 14 Treffer erzielt und drei Dreierpacks geschnürt. Zurzeit steht er bei 17 Toren in der Liga und fünf in der Königsklasse – in nur 15 Spielen. Das ist selbst Pep Guardiola, dem Mastermind, nicht ganz geheuer: „Unheimlich ist das.“ Der riesige Norweger, erst 22 Jahre jung, lässt alle anderen zu Zwergen schrumpfen.

Da ist es natürlich schon eine Erwähnung wert, dass der Stürmer vom anderen Planeten beim Gastspiel in seinem alten Wohnzimmer in Dortmund leer ausging. „Miserables Spiel von Haaland“, urteilte das wenig zimperliche Krawallblatt „The Sun“ gewohnt ungnädig. Die Tormaschine blieb zur Halbzeit sogar in der Kabine, aber nicht weil er es aus freundschaftlicher Verbundenheit vermied, den Ball in die BVB-Kiste zu ballern, sondern weil er ein wenig Fieber hatte und ihm einer auf den Fuß trat. Passiert halt mal. Das null zu null tat indes keinem weh, die Dortmunder sicherten sich so das Weiterkommen, Manchester City den Gruppensieg. Und für Haaland gab es von den BVB-Fans warmen Applaus. Schön.

Das rührte den fiebrigen Wikinger so sehr, dass er dem verdutzten Borussen-Torwart Gregor Kobel einen dicken Schmatzer auf die Wange drückte, als dieser gerade im TV erklärte, wie er den Elfer von Riyad Mahrez pariert hatte. Dann haben sie sich beide schlapp gelacht.

Die alten Kumpel mag der Erling immer noch sehr, weshalb er ihnen schon nach der letzten Saison, als sein Wechsel auf die Insel feststand, ein paar nette Geschenke machte: Luxusuhren für die Kameraden und das Team hinterm Team, protzige Rolex-Klunker, der Rolls-Royce unter den Chronografen. Kostenpunkt: mehr als eine halbe Million Euro. Wer hat, der hat; wer kann, der kann. Haaland hat und Haaland kann. Und er, Achtung, geizt nicht, nicht nur nicht mit Toren.

Und weil er so ist, wie er ist, hat er sich auch jetzt nicht lumpen lassen, freundlicherweise überreichte er nach dem Spiel jedem Ex ein Manchester-City-Trikot – natürlich mit seinem Namen darauf, seiner Rückennummer neun und handsigniert. Netter Bursche, der Erling, sehr generös. Und er hat offenbar auch eine deutliche Ahnung, um wen sich die Sonne, die Erde und der Mond drehen: Heiland Haaland. Wen sonst?

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