Seit zwölf Jahren beim FCH: Kapitän Marc Schnatterer. dpa
+
Seit zwölf Jahren beim FCH: Kapitän Marc Schnatterer. 

Bundesliga

Heidenheim will hoch hinaus

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
    schließen

Der kleine 1. FC Heidenheim klopft an der Tür zur großen Bundesliga.

Die heimischen vier Wände und das sportliche Wohnzimmer waren für Marc Schnatterer lange Zeit nicht mehr als einen strammen Fußmarsch voneinander entfernt. Vielleicht zehn, fünfzehn Minuten musste er von der Altstadt aus den steilen Treppen und Wegen des Schlossbergs folgen, vorbei am Wahrzeichen der Stadt, der imposanten Festung auf dem Hellensteinfelsen, bis er seinen Arbeitsplatz erreichte: das Stadion des 1. FC Heidenheim.

Genau 555 Meter über dem Meeresspiegel steht die höchstgelegene Arena des deutschen Profifußballs, nur 15 000 Fans passen rein. Für die meisten von ihnen ist Schnatterer ein Held. Nicht nur, weil er ein begabter Kicker ist und seine gefürchteten Ecken und Flanken punktgenau hineinschaufelt, nein, vor allem deshalb, weil er sich seit seiner Ankunft 2008 stets als einer von ihnen gab. Kapitän Schnatterer kennt und grüßt die Fans in den Logen ebenso herzlich wie jene im letzten Eck der Gegengerade. Dort steht bis heute ein abgeranzter, aber doch kultiger Kiosk, um den als Reminiszenz an einstige Amateurzeiten das Stadion herumgebaut wurde. Nicht selten sind Schnatterer und Kollegen für das eine oder andere Erfrischungsgetränk hier anzutreffen.

„Irgendwie verrückt“

Mittlerweile wohnt der 34-Jährige zwar nicht mehr am Fuße des steilen Schlossbergs, mehr denn je will er mit seinem Klub aber hoch hinaus – in die Bundesliga. Wenn der kleine FCH am Sonntag (15.30 Uhr) den großen HSV empfängt, dann können die Gastgeber mit einem Sieg an den Hamburgern vorbei auf Rang drei der Tabelle klettern. Der Aufstieg ist bei zwei Punkten Rückstand auf die Norddeutschen sowie drei auf den zweitplatzierten VfB Stuttgart in Reichweite. „Wir wollen unbedingt gewinnen“, sagt Frank Schmidt, der vor 13 Jahren vom Heidenheimer Spieler zum Trainer befördert wurde – in der Oberliga wohlgemerkt – und diesen Posten seither nicht mehr abgab. „Der HSV war lange der Dino der Bundesliga. Hamburg ist eine Millionenstadt. Es ist schon irgendwie verrückt, dass es zu diesem Duell kommt. Aber den Showdown haben wir uns verdient“, sagt Schmidt.

Neben dem Trainer und dem Kapitän darf natürlich Holger Sanwald nicht vergessen werden. Einst selbst für die Heidenheimer unterklassig am Ball, übernahm er 1994 die Leitung der Fußballabteilung, damals noch in der Landesliga. Heute ist der 52-Jährige der Vorstandsvorsitzende. Sanwald verstand den FCH nie als sein Projekt, sondern das einer ganzen Region. Er suchte sich starke Verbündete in der umliegenden Wirtschaft, die beiden größten Firmen der Gegend unterstützen den Klub seit Jahren finanziell, bei einem von ihnen besorgte Sanwald sogar seinem Trainer Schmidt mal einen Job, als dieser noch nicht hauptamtlich Fußball lehrte. Das familiäre Umfeld haben sich in Heidenheim stets bewahrt, nicht ohne dabei Schritt für Schritt zu wachsen.

So sehr die Heidenheimer gerne mal belächelt werden, der Kader weist gewiss gehobene Zweitligaqualität auf. Neben Schnatterer zählen die beiden Abwehrkanten Patrick Mainka und Timo Beermann zum Stärksten, was die Liga überhaupt zu bieten hat. Nicht umsonst werden sie aktuell vom Fachmagazin „Kicker“ dicht hinter einer Reihe von Bielefelder Aufstiegshelden als notenbeste Männer geführt. Zudem gilt U-21-Nationalkicker Niklas Dorsch, einst beim FC Bayern fußballerisch ausgebildet, als technisch versiertester Mittelfeldspieler der Liga – unter anderem soll ihn bereits der HSV auf seinem Einkaufszettel notiert haben.

Nun also besteht vor den beiden abschließenden Spielen am Sonntag gegen Hamburg und kommende Woche in Bielefeld tatsächlich die Möglichkeit, den Sprung in die Erstklassigkeit zu packen. „Das wäre das i-Tüpfelchen“, sagt Schnatterer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare