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Gefragter Matchwinner im Weserstadion: Kai Havertz.

Ausnahmetalent

Kai Havertz auf den Spuren von Michael Ballack

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Kai Havertz untermauert auch in der Corona-Krise seinen Wert für Bayer Leverkusen.

Dass Bundesliga-Trainer neuerdings wegen der Corona-Krise fünf Mal auswechseln dürfen, bringt eine Menge Bewegung in Stadionbereiche, die ansonsten bei einem Geisterspiel ziemlich leblos wirken würden. Auf den unteren Rängen der Südtribüne des Bremer Weserstadions herrschte in der zweiten Halbzeit des Montagsspiels Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen (1:4) ein Kommen und Gehen wie sonst nur kurz vor der Halbzeitpause, wenn die ersten Stammbesucher sich zum Bierholen an den Knien der Sitznachbarn bereits Richtung Ausgang zwängen, um nicht zu lange in der Schlange zu stehen. Hier hatten es sich die Bayer-Reservisten bequem gemacht, von denen einer nach dem anderen noch eine Teilzeitbeschäftigung bei einem als Bundesligaspiel verkleideten Trainingsspiel erhielt.

Als „gutes Testspiel“ bezeichnete Kai Havertz hinterher die einseitige Angelegenheit, die das Ausnahmetalent des deutschen Fußballs die letzten Minuten artig mit Mund- und Nasenschutz von der Tribüne verfolgte. Der 20-Jährige hatte mit einem Kopfball-Doppelpack seine Klasse untermauert. Einmal stand der 1,89-Meter-Mann dabei in der Luft, als habe er in der Auszeit auf dem Trampolin trainiert. Gefühlt sprang er höher als der einst in der derselben Umgebung zum Weltstar gereifte Michael Ballack, der seinen Ruf auch über seine Kopfballstärke begründete.

Noch gar nicht am Limit

Als „besonderen Spieler“ würdigte Leverkusens Trainer Peter Bosz seine Nummer 29, um mal eben nebenbei festzustellen, dass der Nationalspieler gar nicht am Limit agiert habe. Bosz’ Begründung: „Ich kenne ihn jetzt schon lange, da weiß ich, dass er es viel besser kann. Das hat etwas mit Rhythmus zu tun.“ Gleichwohl hat sein Musterschüler ja schnell wieder Akzente gesetzt, und sechs Rückrundentore sind deutlicher Beleg, dass die Schaffenskrise aus der Hinrunde überwunden ist. Havertz selbst wollte gar nicht viel Aufhebens um seinen schnellen Leistungsnachweis beim Re-Start machen. Der gebürtige Aachener bleibt ungeachtet eines schwer zu prognostizierenden Transfersommers ein besonders werthaltiges Spekulationsobjekt. Nur ob am Ende wirklich eine dreistellige Ablösesumme herauskommt, erscheint derzeit nicht vorhersehbar.

Havertz konnte leicht verschmerzen, dass ihn Florian Wirtz – erst im Winter vom rheinischen Rivalen 1. FC Köln unters Bayer-Kreuz gelotst – mit 17 Jahren und 15 Tagen als jüngsten Leverkusener Profi abgelöst hatte. Der Jungspund könnte auch eine Option sein, wenn sich die Leverkusener am Samstag in Mönchengladbach ein Duell um die Champions-League-Plätze liefern. Havertz hat dazu gesagt: „Das wird ein absolutes Topspiel, das wir gewinnen müssen.“ Diesen Anspruch müssten er und seine Mitspieler haben. Es dürfte nur nicht so entspannend werden wie in Bremen.

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