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Wirkt beruhigend auf seine Spieler: Union-Coach Urs Fischer, hier mit Sebastian Andersson.

Union Berlin

Der Hauptmann von Köpenick

Der unaufgeregte Urs Fischer ist ein Glücksgriff fürs aufgeregte Union Berlin.

Nach der nervenaufreibenden Bundesliga-Relegation wird Urs Fischer bei seinem Hobby die dringend notwendige Entspannung suchen. Das ist – fast zwangsläufig bei diesem Nachnamen – das Angeln. „Wenn ich am Wasser in der Natur stehe“, sagt der Trainer von Union Berlin, „kann ich alles um mich herum vergessen. Dann ist Fußball mal nicht mein Thema.“

Für viele Berliner, vor allem für die Menschen im Stadtteil Köpenick, ist Union dagegen zu jeder Tageszeit ein Thema. Im Sommer hatten sich deshalb manche die Frage gestellt, ob dieser stoisch wirkende Schweizer wirklich ins emotionale Umfeld der Eisernen passt. Am Ende seiner Premierensaison kann man sagen: Das passt sogar sehr gut. „Es war vom ersten Moment an eine richtige Entscheidung“, sagte Fischer.

Sammer lobt den Schweizer

Gerade auch wegen seiner Unaufgeregtheit hat Union Berlin anders als vor zwei Jahren im Saisonendspurt der Zweiten Bundesliga nicht gänzlich die Nerven verloren und zumindest den Relegationsrang gesichert. Trotz sportlicher Rückschläge zählte Fischer gebetsmühlenartig immer wieder die positiven Aspekte auf, baute seine Spieler auf und redete sie konsequent stark. Nie war aus seiner Stimme Verzweiflung herauszuhören, obwohl Union den möglichen direkten Aufstiegsplatz fast leichtfertig aus den Händen gab.

Keine Frage: Fischer ist im Sommer nach Berlin gekommen, um mit dem Traditionsklub innerhalb seines Zweijahresvertrages den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Der 53-Jährige ist schließlich ein Meistertrainer, in den Jahren 2016 und 2017 gewann er mit dem FC Basel in der Schweiz den nationalen Titel. Außerdem stand er in der Champions League an der Seitenlinie, auch wenn ihm in sechs Gruppenspielen mit Basel kein Sieg gelang.

„Urs Fischer ist ein gestandener Fußballlehrer, der über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz auf höchstem Niveau verfügt“, sagt Oliver Ruhnert, Geschäftsführer der Profiabteilung bei Union. Und Fischer fühlt sich mit den Werten im oft kommerzkritischen Klub pudelwohl, genau wie in der Stadt. „Der Berliner kann einstecken“, sagt er, „und ich auch. In dieser Stadt kommt mir meine Art entgegen.“

Ex-Nationalspieler Matthias Sammer war beeindruckt, wie gut Fischer seine Spieler nach dem denkbar knapp verpassten Direktaufstieg auf das Relegations-Hinspiel beim VfB Stuttgart (2:2) eingestellt hatte. „Fischer hat bei Union sehr gute Arbeit geleistet, aus dem negativen Sonntag diesen starken Donnerstag zu machen“, lobte der Eurosport-Experte.

Diesen Glauben, dass immer alles möglich ist, hatte der viermalige Schweizer Nationalspieler schon als aktiver Profi. „Ich bin immer drangeblieben in den Zweikämpfen, es wird dir nichts geschenkt“, sagt der frühere Verteidiger: „Vielleicht habe ich das als Trainer mitgenommen.“

Fischer hat auch Bücher über die großen Trainer Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Jürgen Klopp und Jose Mourinho gelesen, „aus all diesen Büchern nimmst du etwas mit“. Doch im Großen und Ganzen will er sich treu bleiben. „In Hektik zu verfallen, bringt nichts“, sagt Fischer: „Das ist mein Führungsstil, den ich beibehalten will.“(sid)

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