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Niederlage gegen Ungarn: Hansi macht sich klein und gesteht Fehler ein

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Von: Jan Christian Müller

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Die Außenverteidiger bleiben Flicks Problem, denn sie sollten nicht zu offensiv sein. DFB-Team fährt erste Niederlage unter Flick ein.

Berlin – Kluge Fußballtrainer schaufeln die Schuld an Niederlagen nicht ausschließlich auf ihre Spieler, sondern tragen einer Teil der Last auf den eigenen Schultern. Sie laufen sonst Gefahr, als vorgesetzte Respektsperson nicht mehr vollumfänglich akzeptiert zu werden.

Hansi Flick weiß das, er war ja selber Bayern-Chefcoach, und ergo hat der Bundestrainer nach dem herb enttäuschenden 0:1 in der Nations League gegen Ungarn eine Versuchsanordnung für gescheitert erklärt, die er sich gar nicht zum ersten Mal ausgedacht hatte. Der gelernte Offensivmann Jonas Hofmann hatte in der völlig verkorksten ersten Halbzeit zum wiederholten Male rechts verteidigt. „Das muss ich auf meine Kappe nehmen. Das hat nicht funktioniert“, sagte Flick hinterher leutselig.

Macht sich Gedanken über die Außenverteidiger: Bundestrainer Hansi Flick.
Macht sich Gedanken über die Außenverteidiger: Bundestrainer Hansi Flick. © dpa

DFB-Niederlage: Das rechte Glied hatte keinen guten Tag

Die Selbstkasteiung mag ehrenwert sein, sie kommt aber auch deshalb einigermaßen überraschend, weil der Mönchengladbacher Rechtsaußen schon unter Flick gegen Armenien (6:0), auf Island (4:0), gegen Rumänien (2:1) und Liechtenstein (9:0) als rechtes Glied der Viererkette gedient und zunehmend Lust an der Aufgabe empfunden hatte.

Dennoch dürfte Flick jedenfalls dann nicht mehr auf diese offensive Ausrichtung rechts hinten zurückgreifen, wenn er links hinten ebenfalls einen Mann gestellt hat, dessen Stärken im Angriffsspiel zu finden sind. David Raum links und Jonas Hofmann rechts – das ist dem Chefcoach offenbar zu viel der Offensivkraft und zu wenig der Deckungstreue und Ausgewogenheit.

Nachfolge von Joachim Löw: Die WM 2018 hat Flick von der Couch gesehen

Der seit gut einem Jahr tätige Bundestrainer hat die WM 2018 nach dem freiwilligen Ausscheiden als DFB-Sportdirektor noch als Privatmann von der heimischen Couch in Bammental verfolgt, ihm ist dabei natürlich nicht entgangen, dass sein Vorgänger Joachim Löw im ersten Spiel gegen Mexiko mit extrem offensiv ausgerichteten Außenverteidigern operierte.

Rechts Joshua Kimmich, links Marvin Plattenhardt. Das ging mit der Zweierkette Jerome Boateng/Mats Hummels in der zentralen Abwehr dann kolossal schief. Die Mexikaner konterten den damaligen Weltmeister gnadenlos aus. Löw sprach später von „Arroganz“ in seinem taktischen Ansatz.

Bierhof erinnert an 2018: Ein Fehler kann hinterherlaufen bedeuten

Manager Oliver Bierhoff erinnerte sich am Freitag (23. September) nach dem Knockout durch die Ungarn mit Grausen: „Wir haben es 2018 gesehen, sobald du dir eine Schwäche erlaubst bei einem Turnier, läufst du hinterher, dann kommt die Psyche mit rein, dann wird es schwer.“

Das soll 2022 nicht wieder passieren, und deshalb wird Hansi Flick auf mindestens einer Außenverteidigerpositionen auf einen Flankengott verzichten und stattdessen zwecks Stabilität Männer wie Thilo Kehrer oder Benjamin Henrichs aufstellen. „Die Zeit der Experimente ist vorbei“, rief der Bundestrainer aus. Denn die Zeit läuft ihm weg. (Jan Christian Müller)

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