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Bisher mit klaren Ansagen an die Mannschaft: Bundestrainer Hansi Flick.
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Bisher mit klaren Ansagen an die Mannschaft: Bundestrainer Hansi Flick.

Interview

DFB-Elf: „Hansi lebt nicht in Fantasien und Utopien“

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Erich Rutemöller, ehemaliger Coach von Hansi Flick, über die Stärken und Schwächen des neuen Bundestrainers, die Nachwuchsprobleme im deutschen Fußball und die kommende WM in Katar.

Herr Rutemöller, Hansi Flick und der DFB – ist zusammengekommen, was zusammengehört?

Als ich hörte, dass Jogi Löw aufhört, hat es bei mir nicht lange gedauert, bis ich dachte: Das wäre doch was für den Hansi. Meine Beobachtung von außen war, dass er es bei den Bayern als Stress empfindet, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Er war so erfolgreich, nachdem er von Niko Kovac übernommen hatte, dass er das kaum hätte wiederholen können. Zudem kennt er den DFB in- und auswendig, weiß, was auf ihn zukommt. Das hat ihn gereizt.

Flick zeigte an den ersten Spieltagen Präsenz in den unterschiedlichsten Stadien. Wird er das Amt anders ausüben als Joachim Löw?

Das war auffallend, ja. Jogi war vor allem in Freiburg. Ich will keine Kritik an Löw üben, er hat unglaubliche Verdienste – aber Hansi Flick wird sicher eine klarere Struktur im Scouting einleiten, auch mithilfe von Hermann Gerland. Es könnte so ähnlich sein wie unter Berti Vogts. Als ich bei ihm Assistent war, hat er alle Trainer des DFB in die Stadien geschickt und sich danach Spieler nennen lassen, die für ihn in Frage kommen könnten. Das ist das A und O für die Arbeit mit der Nationalmannschaft.

Hansi Flick hat einen großen Trainerstab berufen – mit Mads Buttgereit sogar einen Spezialisten für Standardsituationen.

Finde ich okay. Ich habe selbst zwei Jahre Soccer in Amerika gespielt und in dieser Zeit auch den American Football verfolgt, da gibt es für fast jeden Spieler extra einen Trainer, und wir kommen da auch hin. Doch wir lehren diesen Grundsatz in unserer Ausbildung: Hol dir Spezialisten, die in ihrem Bereich besser sind als du.

Nach der WM 2018 wurde die Anzahl der Assistenztrainer reduziert, nun wird aufgestockt – ein Zeichen, dass der DFB Flick den Boden bereitet?

Die zusätzlichen Trainer sind sicher ein Kostenfaktor, aber das Geld ist gut angelegt und Oliver Bierhoff auch offen für solche Investitionen. Und es ist ja auch eine Zäsur nach 15 Jahren, da muss der Schnitt klar erkennbar sein. Seien Sie versichert: Hansi lebt nicht in Fantasien und Utopien.

Wie beurteilen Sie Flicks ersten Kader?

Wir brauchen das Tempo im Spiel, deshalb begrüße ich, dass Hansi fünf Spieler aus der U 21 holt, die eine gute EM gespielt haben. Wenn ich an Adeyemi denke, den fand ich da als Vorbereiter Klasse, am Abschluss muss noch gearbeitet werden. Von der U 21 zur A-Mannschaft ist der Schritt übrigens gar nicht so groß. Paradebeispiel: In der Weltmeister-Mannschaft von 2014 standen auch viele U-21-Europameister von 2009.

Flick hat in seiner ersten DFB-Zeit von 2006 bis 17 Datenbanken über Spieler aufgebaut. Wie lange schon kennt er Spieler wie Karim Adeyemi und Florian Wirtz?

Die kennt er schon sehr lange, denn er geht mit offenen Augen durch die Fußballwelt. Jetzt erzähle ich Ihnen mal eine Geschichte von Steffen Baumgart, unserem Trainer in Köln. Der sagte mir, dass er sich gefreut hat, weil Hansi Flick ihn angerufen hat. Es war das erste Mal für Steffen, dass er mit einem Bundestrainer gesprochen hat. Ohne dass wir aktuell einen Nationalspieler hätten, hat Flick ihn kontaktiert, um sich über die Talente in unserem Verein zu informieren. Wie Tim Lemperle, der unser Siegtor gegen Bochum geschossen hat. Hansi kennt ihn natürlich.

Ist Flick ein Trainer, der lieber mit etablierten Spielern arbeitet als mit jungen? Beim FC Bayern hat man ihm das unterschwellig vorgeworfen.

Das kann ich nicht beurteilen, dafür war ich von München zu weit weg. Ich kann aber sagen, dass Mannschaftsführung der essenzielle Teil des Trainerjobs ist. Weitaus mehr als das Abhalten von Training. Es geht darum, Konflikte und Eifersüchteleien zu vermeiden, zu sehen, wo unangenehme Dinge sich entwickeln und gegenzusteuern. Ich bin schon gespannt, wie er das bei der Nationalmannschaft macht, in der er den großen Bayern-Block schon kennt.

Sie haben Flicks erstes Trainingslager beim FC Bayern im Januar 2020 in Doha vor Ort verfolgt und waren begeistert. Sie waren öfter in Katar, dem nächsten und höchst umstrittenen WM-Land. Wo stehen Sie in der Katar-Diskussion?

Ich habe die Trainerausbildung des Katarischen Fußball-Verbandes durchgeführt, die lief exzellent ab. Ich habe auch Spiele in den neuen Stadien gesehen und bin mir sicher, dass die Fußballer beste Bedingungen vorfinden werden. Was in Katar auf die Beine gestellt und vorbereitet wird, halte ich für sehr gut, wenn ich es rein als Fußballtrainer und Sportinteressierter sehe. Aber es ist natürlich ein schwieriges Kapitel, ich lese gerade in einem Buch über die Militärdiktatur in Argentinien bei der WM 1978 und die Rolle des DFB, ich kenne die Vorwürfe. Ich will mich in diesen Diskussionen nicht verreiten. Da sind wir Sportler und auch ich überfordert. Wenn die Politik es nicht lösen kann, dann wir Sportler sicher nicht. (Interview: Günter Klein)

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