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Leistungsträger in Hamburg: Lewis Holtby und Julian Pollersbeck

Hamburger SV

Hanseatische Wiederbelebung

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Pollersbeck, Papadopoulos und Holtby gehen beim Hamburger Sportverein voran.

Julian Pollerbeck, Spitzname „Polle“, gilt im Mannschaftskreis des Hamburger SV als Zocker. Einer, der gerne „All in“ geht. Risiko statt Sicherheit. Sein Credo: Das Leben ist ein Spiel. Zitat: „Ich brauche den Nervenkitzel.“ Das verriet der talentierte Torhüter, immerhin U21-Europameister mit dem deutschen Nachwuchs vergangenen Sommer in Polen, dem jüngsten HSV-Stadionmagazin. Ein Abenteurer durch und durch, wie auch seine anfangs wenig professionellen Ausflüge ins pulsierende Nachtleben der Elbmetropole verrieten.

Aber der Richard-Golz-Verehrer gilt auch als besonders positiver Typ, der nach einer Pechsträhne sich das Glück zurückerkämpft. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass die neue Nummer eins des vielleicht schon vorschnell totgesagten Dinos bei der Auferstehung eine Schlüsselrolle spielt. Pollersbeck ist eine der wichtigsten Veränderungen in der neuen Spielart unter Cheftrainer Christian Titz. Der 23-Jährige agiert wie der elfte Feldspieler, steht oft 30, 40 Meter vor dem eigenen Tor, um wie einst beim Hallenkick das Aufbauspiel zu gestalten. Das sieht zunächst ulkig aus, ist aber gewollt.

Papadopoulos lädt ein

Titz hat über diese Spielart sogar ein Lehrbuch („Torwarttraining - Abwehr mitgestalten, Speilaufbau fördern“) geschrieben, und wie sein Tormann es erade betreibt, taugt bislang als praktisches Lehrbeispiel. Den Fußballlehrer hat nicht interessiert, was vorher passierte. Und Pollersbeck passte ihm halt viel, viel besser. „Ich habe viel Spaß an der Art, wie wir Fußball spielen. Man kann dabei wirklich vom Fußballspielen sprechen. Wir haben die Kugel und versuchen dominant zu sein. Wenn du früher auf dem Bolzplatz gegen ältere und größere Jungs gespielt hast und nur hinterhergerannt bis, dann hat das irgendwann auch keinen Bock mehr gemacht.“

Es sind erstaunliche Sätze eines Schlussmannes, der ja eigentlich abwarten könnte, bis die Kugel auf ihn zukommt. Es aber nicht tut. Und damit spannt sich der Bogen zu seinen Vorderleuten, die sich alle neuerdings die Philosophie des Agieren statt des Reagierens auf die Fahne geschrieben haben. Sogar Kyriakos Papadopoulos versucht sich daran, auch wenn der kantige Grieche immer der Mann fürs Grobe gewesen ist – und vermutlich auch bleiben wird.

Dennoch ist auch der Abwehrchef auch ein Teil der Wiederbelebung eines fast sicheren Absteigers. Die zwischenzeitliche Suspendierung des 26-Jährigen nach dessen verbalen Attacke hob Titz nämlich auf, als sich dieser vor versammelter Mannschaft entschuldigte hatte. Mit einer Einladung in einem griechischen Restaurant im Stadtteil Pinneberg. Daraus wurde nunmehr ein Ritual, bei der weniger auf gesunde Ernährung, sondern echten Zusammenhalt gesetzt wird. „Papa hat einen großen Anteil an unserer Situation, er hat Größe gezeigt“, sagt der HSV-Coach. Diese Episode sei beispielhaft, dass Reibungspunkte auch Fortschritte bringen können.

Holtby blüht auf

Und dann ist ja noch einer, der fast zwangsläufig unter Titz aufblüht, weil sich beide schon in gemeinsamen Zeiten bei Alemannia Aachen kannten: der Trainer und sein Taktgeber Lewis Holtby. Der Großverdiener, in Zeiten von Dietmar Beiersdorfer mit einem fürstlichen Vertrag ausgestattet, pendelte unter den Vorgängern zwischen Bank und Tribüne – und sein unrühmliches Ende schien beschlossen. Nun blüht er auf, schießt Tor um Tor und ist sofort wieder das Sprachrohr. „Teilweise war ich echt stolz, wie wir den Ball haben laufen lassen – wie wir teilweise schon Tiki-Taka gespielt und auf unsere Chance gelauert haben“, beschied der unermüdliche Ankurbler nach dem Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg.

Den 27-Jährigen muss man nicht mögen, denn er polarisiert mit seiner extrovertierten Art sehr gerne. Aber er ist fest davon überzeugt, dass es so endet wie im Vorjahr. Damals hatte Luca Waldschmidt am letzten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg den HSV vor der Relegation bewahrt. Den Takt auf der Überdachung der Ersatzbank mit einem Megaphon in der Hand gab indes Holtby vor. Übrigens barfuß und mit freiem Oberkörper.

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