Borussia Dortmund

Hans-Joachim Watzkes Erzfeind

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Wenn der Dortmunder Klubboss der Meinung ist, dass etwas aus dem Ruder läuft, fällt ihm ein Vogel ein - der Eichelhäher. Das könnte persönliche Gründe haben und Konsequenzen für Trainer Lucien Favre. Eine Glosse.

Dies ist die Zeit der unbequemen Wahrheiten, und so soll hier auf einen Umstand hingewiesen werden, der von der Öffentlichkeit bislang nicht wahrgenommen wurde, oder aber er wurde von ihr ignoriert: Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, hasst den Eichelhäher. Doch, doch, es stimmt.

Als 2012 die Fußball-EM in Polen und in der Ukraine anstand, sagte Watzke im Hinblick auf eine inhaftierte Oppositionspolitikerin im Interview mit der „Welt“: „Die Leute regen sich auf, wenn Eichelhäher beim Brüten gestört werden. Aber es gibt kaum Proteste gegen das, was Timoschenko widerfährt.“ Und neulich, beim Sportbusinesskongress in Düsseldorf: Es sei ein Stück weit zynisch, die Vergabe von Fußballturnieren in fragwürdige Ausrichterländer zu kritisieren, wenn es „für acht Kilometer Autobahnbau in Deutschland 14 Jahre Vorlauf braucht, bis der letzte Eichelhäher umgesiedelt ist – in einer Diktatur wird das Stück einfach platt gemacht.“

Wenn Watzke der Meinung ist, dass etwas aus dem Ruder läuft, fällt ihm sofort der Eichelhäher ein.

Dortmunder Vergesslichkeit

Vielleicht ist es eine persönliche Sache. Eine Ähnlichkeit mit Thomas Tuchel, dem von Watzke ungeliebten Ex-BVB-Trainer, kann es zwar nicht sein, denn während den Eichelhäher eine gedrungene Erscheinung auszeichnet, erinnert Tuchel eher an einen Reiher, es ist das hagere, das leicht gebeugte.

Vielleicht aber steht Watzke regelmäßig in seinem Haus im Sauerland am Fenster, beobachtet, wie der Eichelhäher sich im Garten zu schaffen macht. Nestbauen, Brüten, Samen verstecken. Was baut und brütet und versteckt der da in meinem Garten herum, denkt Watzke sich dann, wieso macht der Eichelhäher das nicht in seinem eigenen Garten, und vielleicht hat Watzke dabei eine Verhaltenseigenschaft beim Eichelhäher entdeckt, die den Dortmund-Mann schmerzhaft an seine Dortmund-Mannschaft erinnert. Dem Vogel unterläuft ja gerne der Fauxpas, dass er Baumsamen in einem Versteck deponiert, sodann aber das Versteck vergisst. Borussia Dortmund derweil: Sammelt mit Vorliebe Treffer um Treffer, nur um anschließend zu vergessen, wo das eigene Tor steht und wie man den Gegner daran hindert, dass er den Ball hineinschießt.

Das kann man Lucien Favre ankreiden, dem derzeitigen BVB-Trainer. Dessen Anstellung ist angeblich zwar nicht gefährdet. Sollte es im Gespräch mit Watzke aber plötzlich mal um den Eichelhäher gehen – für Favre wäre es der Anfang vom Ende.

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