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Hans im Pech

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Von: Jan Christian Müller

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Bundestrainer Hansi Flick beim Spiel gegen Japan. dpa
Bundestrainer Hansi Flick beim Spiel gegen Japan. © picture alliance/dpa

Nach dem verlorenen Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan zieht unser Autor ein erstes Fazit und schreibt, welche Fehler des Bundestrainers zur Niederlage führten.

Hansi Flick hat das Privileg genossen, ohne persönlichen Ballast in dieses WM-Turnier gehen zu können. Bis zur 73. Minute des deutschen Auftaktspiels gegen Japan war er ein Hansi im Glück. Dann brach das Unheil binnen zwei Minuten über seine Mannschaft hinein. Erst vergab sie drei monströse Möglichkeiten binnen eines Angriffszugs, dann sezierten die Japaner Deutschlands Mittelfeld und Abwehr und trafen zum Ausgleich. Danach versagten alle Systeme im deutschen Spiel. So wurde aus dem Hansi im Glück ein Hans im Pech.

In allen Porträts, die über den Bundestrainer vor Katar geschrieben worden sind, wurde sowohl seine Persönlichkeit als Menschenfänger als auch seine Fachkompetenz ausschweifend gelobt. Als erfolgreicher Bayern-Titelsammeltrainer lagen ihm die Kommentatoren zu Füßen. Die Voraussetzungen waren also deutlich besser als die für seinen Vorgänger Joachim Löw vor der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Der schleppte den schweren Rucksack des WM-Vorrundenaus in Russland von 2018 bis 2021 zunehmend gramgebeugt mit sich herum.

Bei Flick ist das anders. Der 57-Jährige verströmt Kraft und Behauptungswillen. Das muss aber allerspätestens ab Sonntag auch seine verzwergte Mannschaft tun, die nun ausgerechnet auf den Fußballriesen Spanien trifft. Flick steht in seinen beiden Kernkompetenzen – Menschenführung und Mannschaftstaktik – gemeinsam mit seinem vielköpfigen Trainerteam und seinem noch viel umfangreicheren Beraterstab an Scouts, Videofachleuten und Analytikern vor der schwersten Prüfung seines Trainerlebens.

Die monatelange Vorbereitung, die zahlreichen Sitzungen mit dem noch einmal massiv ausgeweiteten Expertengremium, die vielen Gespräche mit Bundesligatrainern, die Videoschulungen der Spieler, die ständigen Stadionbesuche – all das mündete in einem Akt der bloßen Selbstzerstörung binnen weniger Minuten in einem 1:2 gegen Japan. Aufwand und Ertrag stehen so in einem Missverhältnis, das krasser nicht sein könnte. Die Entwicklung kommt nicht aus dem Nichts. Schon in der Nations League gelang in sechs Spielen nur ein einziger Sieg. Führungen wurden wiederholt verspielt.

Gegen Japan hat Flick zudem einige merkwürdige Entscheidungen getroffen, die nicht aufgingen. Es hat nicht funktioniert, Thomas Müller aus einer anderthalbmonatigen Verletzung direkt in die Startelf zu beordern. Es hat nicht funktioniert, Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung trotz schon im Vorfeld modester Leistungen in Klub und Nationalteam aufzustellen. Gleiches gilt für Niklas Süle als unstet agierendem rechtem Verteidiger und Kai Havertz als unsichtbarem Mittelstürmer. Beides sind gleichwohl Personalien, die dem fehlenden Angebot auf diesen beiden Positionen geschuldet sind.

Auch die Auswechslungen des Bundestrainers gerieten unglücklich. Vor allem jene von Ilkay Gündogan, des bis dahin besten deutschen Spielers. Der Gedanke dahinter war nachvollziehbar. Flick wusste, dass Leon Goretzka auf der Bank hockte, der eigentlich Spielzeit verdient hatte und seine Nichtberücksichtigung mit Verdruss zur Kenntnis nahm. Flick, der Menschenfreund, wollte es allen recht machen. Der Schuss ging kolossal nach hinten los.

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