Hannover 96

„Nicht clever und abgezockt genug für die Liga“

Hannover 96 hat sich mit dem Abstieg aus der Bundesliga abgefunden.

Klubboss Martin Kind blickte mit großen leeren Augen auf das Spielfeld, Trainer Thomas Doll rang um Erklärungen: Nach der siebten Niederlage hintereinander gehen bei Hannover 96 so langsam die Bundesliga-Lichter aus – und jeder bei den Norddeutschen weiß es.

Insofern war es dem glücklosen Coach nach dem 1:3 (1:1) im Niedersachsen-Duell beim VfL Wolfsburg hoch anzurechnen, dass er sich nicht in leere Durchhalteparolen flüchtete, sondern klare Worte zur Lage beim Tabellenletzten fand. „Wir sind nicht zu schlecht für die Liga, aber nicht clever und abgezockt genug“, sagte Doll.

Auch Kind hat sich mit dem Abstieg abgefunden. „Wir sollten jetzt die Saison selbstkritisch und konstruktiv im Hinblick auf die neue Saison in der zweiten Liga analysieren“, sagte der 74-Jährige.

Der Punktabstand zu Relegationsplatz 16 wuchs von sechs auf sieben an, nur noch sechs Spiele stehen an – ernüchternde Zahlen für die Gäste, die gegen bestenfalls durchschnittliche Wolfsburger mindestens einen Zähler verdient gehabt hätten. Bei der Schlüsselszene der weitgehend ausgeglichenen Begegnung wäre Doll am liebsten unter die Reservebank gekrochen. Nur knapp zwei Minuten hielt die 96-Führung durch Hendrik Weydandt (30.), dann gelang Renato Steffen der Ausgleich per Kopfball. Der Schweizer misst gerade einmal 1,70 Meter, sein Gegenspieler Kevin Wimmer ist 17 Zentimeter größer.

„So ein Tor darf so nicht fallen“, haderte Doll, der mit großen Bauchschmerzen in die neue Trainingswoche geht, an deren Ende Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr) an den Maschsee kommt: „Spaß sieht anders aus. In jedem der letzten Spiele hätten wir punkten können, tun es aber einfach nicht.“

Immerhin: So wird es Doll leichter fallen, seinen Innenverteidiger Wimmer vielleicht schon gegen die Rheinländer auf die Tribüne zu setzen. Denn der Österreicher könnte sich durch zu viele Einsätze bei „96“ festspielen und die Roten zwingen, die Leihgabe von Stoke City fest unter Vertrag zu nehmen.

Aus dem gleichen Grund wird Takuma Asano gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Doll wurde von Kind schriftlich angewiesen, aus wirtschaftlichen Gründen bis auf weiteres auf den Japaner zu verzichten. Andernfalls wäre für den Mittelfeldspieler, der formell beim FC Arsenal in London unter Vertrag steht, eine Ablösesumme von bis zu 3,5 Millionen Euro fällig. „Das habe ich in meinen 18 Trainerjahren so noch nie erlebt. Aber ich bin Angestellter des Vereins und der Verein ist wichtiger als jeder Angestellte“, sagte Doll – es klang etwas gequält.

Schützenhilfe erhielt der 52-Jährige indes von seinem Kollegen Bruno Labbadia. „Da denken natürlich viele, der Trainer wurde enteiert. Aber das ist eine Entscheidung, die letztlich andere zu verantworten haben“, sagte der zum Saisonende aus Wolfsburg scheidende Coach – möglicherweise mit einer Qualifikation für die Europa League.

Denn der VfL hält weiter Kontakt zu den dafür erforderlichen Tabellenplätzen fünf und sechs, nächster Auswärtsgegner ist allerdings am Samstag (15.30 Uhr) der Tabellendritte und Pokalhalbfinalist RB Leipzig. (sid)

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