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H96-Trainer Andre Breitenreiter

Hannover 96

Andre Breitenreiter kämpft

Trainer Andre Breitenreiter muss in der Krise bei Hannover 96 um seinen Job fürchten. Ungewöhnlich scharf kritisierte er nun seine Chefs Martin Kind und Horst Heldt.

Andre Breitenreiter sprach ruhig und gelassen, doch innerlich brodelte es in ihm. „Ich bin enttäuscht“, sagte der angezählte Trainer von Hannover 96 und ging seine Chefs Martin Kind und Horst Heldt im Kampf um seinen Job verbal ungewöhnlich scharf an: „Ich hätte mir gewünscht, dass man mit mir offen darüber redet.“

Gemeint war der Wirbel um Breitenreiter Anfang der Woche. Mehrere Medien hatten übereinstimmend berichtet, dass der 45-Jährige beim Tabellenvorletzten unmittelbar vor dem Aus stehe. Klubchef Kind und Manager Heldt schwiegen lange, ehe sie bestätigten, dass Breitenreiter am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellenführer Borussia Dortmund auf der Bank sitzt.

Für Breitenreiter dauerte es zu lange, bis die Klarstellung kam. Er hätte sich gewünscht, die Berichte „schnellstmöglich zu dementieren – das ist nicht passiert“, sagte Breitenreiter bei der PK – Heldt saß verdutzt neben ihm.

Breitenreiter verlangt fairen Umgang

Grundsätzlich könne Breitenreiter die Diskussionen „absolut nachvollziehen“. Es sei „völlig normal, dass man darüber nachdenkt, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben“, sagte er. Schließlich seien elf Punkte aus 18 Spielen, Negativrekord von 96 zu diesem Zeitpunkt, „viel zu wenig“. Aber Breitenreiter verlangt, dass der Klub nach dem Aufstieg 2017 und dem Klassenerhalt bitteschön fair und offen mit ihm umgeht.

Breitenreiter weiß längst, dass er nur noch auf Abruf arbeitet – aber er will kämpfen. „Ich bin jemand, der niemals aufgibt“, sagte er: „Ich werde bis zum letzten Tag alles geben.“ Dieser könnte aber schon bald kommen. Heldt verweigerte „Breite“ auch am Donnerstag eine Jobgarantie. Der Klub sei nach sieben Spielen ohne Sieg „nicht in der Lage, Perspektiven“ über das Spiel in Dortmund „hinaus zu geben“, sagte er.

Es wird also eng. Kind gab Heldt bereits öffentlich den Auftrag, den Markt wegen eines möglichen Nachfolgers im Blick zu haben. „Ich erwarte von Herrn Heldt, dass die verfügbaren Trainer bekannt sind und diejenigen, die nach seiner Einschätzung das Profil erfüllen, bei Hannover 96 verantwortlich tätig sein zu können, falls eine solche Entscheidung notwendig wäre“, sagte der Unternehmer.

Kind würde Breitenreiter aber nur ungern entlassen müssen, schließlich ist der Coach bei den Fans sehr beliebt. Breitenreiter ist ein Hannoveraner Jung, er ist dort geboren und wohnt mit seiner Familie in der Stadt. Doch in dieser Saison greifen seine Maßnahmen nicht mehr. Dabei hat er schon eine ganze Partitur ausprobiert: Zuckerbrot und Peitsche, verschiedene Taktiken, verschiedene Spieler.

„Nichts fruchtet momentan“, sagte Breitenreiter. Mit Blick auf den BVB fügte er schmunzelnd hinzu: „Wenn es ein Endspiel wäre, wäre es nicht das fairste Spiel.“ Hannover hat die letzten zehn Spiele beim jeweiligen Tabellenführer alle verloren und wartet seit 21 Spielen in der Bundesliga auf einen Auswärtssieg.

Kind scheut wohl auch die Abfindung in Millionen-Höhe, die im Falle einer Scheidung fällig würde. Schließlich wurde Breitenreiters Vertrag erst vor Saisonbeginn bis 2021 verlängert. Doch notfalls wird Kind handeln, schließlich „gilt es, den Abstieg unbedingt zu verhindern“, sagte er: „Wir wollen die Klasse halten – und wir werden kämpfen.“ (sid)

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