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Fahnen von Hannover 96. Der Verein spielt in der kommenden Saison in der zweiten Bundesliga.

Hannover 96

Abstieg, der Sechste

Bei Hannover 96 gibt es viele offene Fragen. Die Zukunft von Thomas Doll ist ungewiss.

Nur eine Stunde nach dem feststehenden Abstieg sprach Thomas Doll eine Warnung aus. „Die Zweite Bundesliga ist eine harte Kiste“, sagte der Trainer von Hannover 96: „Da brauchst du Spieler, die das auch annehmen.“ Seit diesem Samstag ist trotz eines 3:0-Sieges gegen den SC Freiburg klar, dass die Niedersachsen sich zum sechsten Mal aus der Fußball-Bundesliga verabschieden müssen. Dreimal gelang nach nur einem Jahr der sofortige Wiederaufstieg.

Der Hauptgesellschafter Martin Kind sagte unmittelbar nach dem so überzeugenden wie am Ende wertlosen Sieg gegen Freiburg: „Wir sind offen für einen Neuanfang. Wie der sich darstellen wird, kann ich nicht beantworten.“ Zweieinhalb Monate vor dem Beginn der nächsten Zweitliga-Saison Ende Juli hat der Verein bislang weder einen neuen Sportdirektor verpflichtet noch die Trainerfrage geklärt. Und auch von den 14 Spielern, die am Samstag am letzten Heimspiel dieses Jahres beteiligt waren, kann oder will Hannover maximal vier behalten (Bakalorz, Maina, Prib, Weydandt). Die anderen sind entweder schon verkauft (Füllkrug), werden nicht mehr gebraucht (Sorg), werden nur schwer zum Bleiben zu bewegen sein (Anton) oder sind fest zur Einnahme weiterer Transfererlöse vorgesehen (Bebou).

Die Fans von Hannover 96 haben also eine desaströse Saison hinter und eine ungewisse Zukunft vor sich. Umso bemerkenswerter war es, wie sie am Samstag mit der Gewissheit des Abstiegs umgingen: Sie feierten die Mannschaft minutenlang. „Das war ein Gänsehautmoment“, sagte Kapitän Marvin Bakalorz. „Hannover ist eine Fußballstadt.“

Hoffnungen auf Klassenerhalt waren schnell dahin

Alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt waren trotz der Tore von Waldemar Anton (39.), Ihlas Bebou (51.) und Walace (81.) schnell dahin. Dafür sorgte der 3:0-Sieg des VfB Stuttgart gegen Wolfsburg. Aber wenigstens der Konjunktiv regierte noch einmal für einen Nachmittag in Hannover. Was wäre möglich gewesen, wenn so veranlagte Spieler wie Linton Maina, Niclas Füllkrug und vor allem Bebou nicht so lange verletzt gewesen wären? Oder wenn diese Saison nicht am 18. Mai, sondern vielleicht erst vier Wochen später enden würde?

„Man hat gesehen, was in dieser Mannschaft steckt“, sagte Bakalorz. „Aber das kam deutlich zu spät.“ Die völlig verfehlte Transferpolitik vor dieser Saison, der Ausfall der besten Spieler, elf Niederlagen in den ersten zwölf Rückrundenpartien – das alles hat auch die leicht positive Entwicklung der vergangenen Wochen nicht mehr aufwiegen können. Kind machte am Samstag noch einmal deutlich, dass er diesen Abstieg in erster Linie dem ehemaligen Manager Horst Heldt und dem ehemaligen Trainer André Breitenreiter anlastet – und nicht dem erst Ende Januar verpflichteten Doll. Ob das trotzdem für eine Weiterbeschäftigung des früheren HSV-Coaches reicht, wollen beide in einem Gespräch nach dem letzten Spiel in Düsseldorf klären.

Für Doll spricht, dass er vertraglich noch bis 2020 an den Verein gebunden ist und sich einen Verbleib in Hannover offenbar gut vorstellen kann. „Ich habe gemerkt, dass mir die Arbeit trotz der vielen Niederlagen Spaß macht“, sagte er. Gegen ihn spricht, dass seine Rettungsmission trotz aller Fortschritte gescheitert ist. (dpa)

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