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Ein Farbtupfer in der Männerwelt des Deutschen Fußball-Bundes: Hannelore Ratzeburg.
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Ein Farbtupfer in der Männerwelt des Deutschen Fußball-Bundes: Hannelore Ratzeburg.

DFB

„Hannedampf“ Ratzeburg gibt Ruhe

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Fast ein ganzes Leben hat Hannelore Ratzeburg für die Belange des Frauenfußballs gekämpft – bald scheidet sie als einzige Frau aus dem DFB-Präsidium aus.

Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, aber ich bin nicht aus der Welt.“ Hannelore Ratzeburg will ganz ehrlich sein: Dieser Abschied fällt ihr nicht leicht. Das WM-Qualifikationsspiel in Portugal ist die letzte Dienstreise, die die 70-Jährige mit dem deutschen Frauen-Nationalteam angetreten hat, dem sie seit 1982 als Delegationsleiterin dient. Eine irre lange Zeit. „Das ist etwas, was mir keiner nehmen kann, und davon werde ich die nächsten Jahre zehren.“ Der offizielle Schlussstrich wird am 11. März beim DFB-Bundestag in Frankfurt gezogen, wenn die DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball aus dem Präsidium ausscheidet. Bis heute ist sie die einzige Frau im Gremium.

Martina Voss-Tecklenburg, 125-fache Nationalspielerin und seit knapp drei Jahren Bundestrainerin, kann sich ein Länderspiel ohne die Dauerfunktionärin schwerlich vorstellen. „Sie ist die Pionierin. Ihre Lebensleistung ist gar nicht hoch genug zu bewerten.“ Und was die 53-Jährige für sich sagen kann: Gerade in schwierigen Momenten „als ich schwanger war“, habe sie sich auf „Hannedampf“ verlassen können. Der Spitzname passt. Besser jedenfalls als Nervensäge, die die streitlustige Hamburgerin vor allem in den Anfängen war, als sie gegen für heutige Zeiten unfassbare Widerstände ankämpfte, um nach der Aufhebung des Frauenfußball-Verbots am 31. Oktober 1970 in Travemünde ihre vielen Anliegen in einer Männerwelt zu verankern.

Kaum jemand blieb so hartnäckig wie die ehemalige Studentin der Sozialpädagogik, die sich an ihr erstes Spiel mit Grün-Weiß Emsbüttel noch gut erinnert: „Wir haben 0:6 gegen den HSV verloren, und 200 Männer haben sich die Bäuche gehalten.“ Denn gut ausgebildet waren die ersten Spielerinnen nicht, wie sie zugibt: „Es sah aus wie bei den F-Kindern.“ Sie machte damals schnell ihren Trainerschein, wurde Schiedsrichterin und Abteilungsleiterin, gründete den Ausschuss Frauen- und Mädchenfußball in Hamburg und forderte bald den gesamten DFB heraus, der sie 1977 zur Referentin für Frauen-und Mädchenfußball ernannte – und ihre Verbissenheit unterschätzte. Dass 1980 der DFB-Pokal für Frauen ausgespielt wurde, war ihr Verdienst, auch in der Frauenfußball-Kommission der Uefa bohrte sie gerne dicke Bretter.

„War nicht immer easy“

„Es war nicht immer easy going“, sagt sie rückblickend und verschweigt geflissentlich, was ihr hinter verschlossenen Türen alles an den Kopf geworfen wurde. Bundestrainer wie Jupp Derwall („Ich dachte, das ist so eine Modewelle der Damen, nach Maxi kommt Mini“) oder Berti Vogts („Warum ausgerechnet Fußball für die Dame?“) machten aus ihren Vorurteilen gegenüber dem Frauenfußball öffentlich keinen Hehl. Beim wichtigsten Ereignis zu mehr Akzeptanz muss sie nicht lange überlegen. Frauen-EM 1989 in Deutschland, Finale an der ausverkauften Bremer Brücke in Osnabrück, Liveübertragung im Fernsehen: „Das war der Dammbruch.“

Seit 1995 gehört die einst als renitente Briefschreiberin dem Verband aufgefallene Ratzeburg dem Vorstand, seit 2007 dem Präsidium an. Doch nicht auf jeden Zug, der in jüngerer Vergangenheit abfuhr, ist sie gesprungen. Zuletzt ließ sie Anfragen unbeantwortet, ob sie etwa die Ansichten der namhaft besetzten Frauen-Initiative um Katja Kraus teilt, die mit weitreichenden Forderungen abseits des Verbandswesens auffiel. Das ist nicht das Vorgehen eines Urgesteins, die bei allen Turbulenzen viel lieber nach innen wirkt – denn hier hat sie sich die Reputation erarbeitet. Ihr kommt auch zu kurz, was der DFB alles für die Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs angestoßen hat; und wie viel er sich das kosten lässt.

„Wir haben beim Bundestag 2019 einiges auf den Weg gebracht, wir haben eine Strategie für den Frauenfußball bis 2027. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen die Leute mitnehmen“, sagt sie. Sich gegenseitig zu bekämpfen, das ist ihr Credo, bringe für die Förderung der Frauen auf allen Ebenen wenig. Deshalb hält sie auch nichts vom Vorstoß aus dem Rheinland, die Frauen-Bundesliga auszugliedern. „Die Vereine waren entsetzt“, erzählt sie und setzt darauf, dass der vom ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger angestoßene Antrag für den Bundestag entweder abgeändert oder zurückgezogen wird.

Es war all die Jahre ein ulkiges Bild, wenn sich nach solchen Zusammenkünften die Führungsriege zum Gruppenbild aufstellte. Lauter Männer mit dunklen Anzügen – und ein Farbtupfer. Hannelore Ratzeburg. Es würde überhaupt nicht in die Zeit passen, wenn solche Fotos nicht bunter würden. Zwar hat DFB-Interimspräsident Rainer Koch aus Faro nun erneut bekräftigt, dass es keine Doppelspitze – beispielsweise ein Mann und eine Frau – geben wird, denn: „Es gibt keinen Antrag, die Satzung bis zur Frist am 11. Januar zu ändern. Und mir ist niemand bekannt, der das im Sinn hat.“ Doch was der Strippenzieher verspricht: „Ganz sicher wird im nächsten Präsidium mehr als eine Frau sitzen.“ Nur ob die Nachfolgerinnen so wirken wie die Vorkämpferin mit dem guten Gedächtnis, ist fraglich. Weshalb Voss-Tecklenburg einen sinnvollen Vorschlag unterbreitet hat: Sie würde sich wünschen, dass Hannelore Ratzeburg als Mentorin für jene Funktionärinnen fungiert, die in ihre Fußstapfen treten.

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