HSV-Profi Aaron Hunt. 
+
HSV-Profi Aaron Hunt. 

2.Bundesliga

Hamburger SV in der Schockstarre

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

Der Hamburger SV zerfällt gegen Sandhausen und verliert mit 1:5. Dadurch steht der 1. FC Heidenheim trotz der 0:3-Pleite gegen Bielefeld in der Relegation zur Bundesliga.

Präsident Marcell Jansen und Sportchef Jonas Boldt saßen abwechselnd wie versteinert und verärgert auf der Tribüne im Oberrang. Es war eine Demontage, die den Hamburger SV beim 1:5 (0:2) gegen den SV Sandhausen ereilte und die dem 1. FC Heidenheim trotz einer 0:3-Niederlage bei Meister Arminia Bielefeld die Relegation am Donnerstag in Bremen und am Montag in einer Woche daheim gegen die Werderaner bescherte. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Solch eine Leistung ist nicht zu entschuldigen“, sagte HSV-Präsident Jansen.

Der HSV konnte von Glück sagen, dass er zur Pause nicht schon mit 0:4 zurücklag. Die Hanseaten bewegten sich wie Altherrenfußballer über den Platz, allen voran Kapitän Aaron Hunt und der nach langer Verletzungspause in die Innenverteidigung zurückgekehrte Brasilianer Ewerton. Beide trugen auch die Hauptverantwortung für den frühen Rückstand. Hunt griff halbherzig an, Ewerton flog unter der Flanke durch, ehe Abwehrchef Rick van Drongelen ein Eigentor produzierte (13.). Neun Minuten später hob der bald darauf mit einer Knieverletzung ausgewechselte van Drongelen das Abseits auf, Kevin Behrens bedankte sich mit dem 2:0.

Da nützte es wenig, dass auch Bielefeld längst 2:0 gegen Heidenheim führte. Der HSV wusste, er brauchte jetzt zwei Tore, tatsächlich liefen die Norddeutschen aber wie ein wild aufgescheuchter Hühnerhaufen herum. Sandhausen vergab noch vor dem Halbzeitpfiff zwei weitere Möglichkeiten. Aus Hamburger Sicht war es ein Gruselkick der übelsten Sorte, der auch nach dem Wechsel mit Sonny Kittel für Martin Harnik nicht besser wurde. Bielefeld führte inzwischen sogar 3:0 gegen Heidenheim. Die Hamburger hatten es also umso mehr in der eigenen Hand. Es fehlten nur zwei Treffer. Und dann gab Schiedsrichter Frank Willenborg nach Videobeweis Strafstoß. Hunt wuchtete den Ball in den rechten Winkel (62.).

Es blieb noch eine halbe Stunde für ein einziges Tor, das die Tür zu Relegation öffnen würde. Entsprechend wütende Angriffe, angeführt vom stärker werdenden Hunt, folgten. Die Sandhäuser mit dem Ex-Hamburger Dennis Diekmeier und Jesper Verlaat, dem Sohn von Ex-Werder- und VfB-Stuttgart-Profi Frank Verlaat, wehrten sich kämpferisch vorbildlich und taktisch klug.

Und der überragende Behrens traf schließlich per völlig berechtigtem Strafstoß nach dusseligem Foul von Josha Vagnoman an Philip Türpitz zum 3:1 (83), Mario Engels erhöhte in der 89. Minute auf 4:1, Diekmeier nach einem unfassbaren Fehler von Bakery Jatta auf 5:1 in der Nachspielzeit. Alle Aufstiegsträume des HSV: dahin. Trainer Dieter Hecking: vermutlich schon sehr bald Vergangenheit.

Unten in der Tabelle rettete sich der Karlsruher SC durch ein 2:1 bei Greuther Fürth. Der 1. FC Nürnberg muss nach einem 1:1 in Kiel in die Relegation.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare