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Marco Bode, Frank Baumann und andere Werder-Granden haben in diesen Tagen Dauerkartenbesitzer und Mitglieder angerufen.

Telefonaktion beim SV Werder

„Hallo, hier spricht Marco Bode“

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Werder Bremen ruft bei all seinen Mitgliedern an, die über 70 Jahr alt sind, und prominente Angestellte machen mit. Eine herzliche Aktion des Klubs - und auch ein wenig kühl kalkuliert. Die Sportkolumne Einwurf.

Die Profifußballvereine im Land wiederholen gerade in diesen Tagen der sozialen Isolation gern und oft, welch enge Bande in der „Fußballfamilie“ herrsche. Und sie tragen regelmäßig ihre „gesellschaftliche Verantwortung“ und „Bereitschaft zur Solidarität“ vor sich her. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Umso beachtlicher ist das, was der SV Werder Bremen sich pünktlich zum Osterfest ausgedacht hat. Und schlau im ganz eigenen Interesse ist es noch dazu.

Die Grün-Weißen haben in diesen Tagen Dauerkartenbesitzer und Mitglieder persönlich abtelefoniert. 1800 an der Zahl. Alle, die älter als 70 sind, bekamen einen Anruf. Marco Bode, der Aufsichtsratschef, griff zum Hörer, „Mach et Otze“ Frank Ordenewitz, der Nachwuchs-Chefscout, rief an; Philipp Bargfrede, der Mittelfeldroutinier, Frank Baumann, der Sportchef, Klaus Filbry, der Geschäftsführer, Hubertus Hess-Grunewald, der Präsident – sie alle arbeiteten fleißig und diszipliniert ihre 25er-Telefonliste ab. Auch Sekretärinnen und Direktoren machten mit.

Die betagteren treuen Dauerkarteninhaber und Mitglieder wurden freundlich nach ihrem Befinden gefragt und danach, ob sie eventuell Hilfe beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Gang zur Apotheke oder zum Arzt benötigten. Unschwer vorstellbar, dass die Angerufenen sich herzlich freuten, plötzlich und unerwartet den berühmten Ex-Nationalspieler Bode am Telefon zu wissen. Auch wenn sie diesem mehrheitlich glaubhaft versichern konnten, dass sie die Hilfe des Klubs gar nicht bräuchten, blieb etwas hängen: ein Gefühl der Herzenswärme.

Es ist eine Herzenswärme, die der im Zuge der Corona-Krise ins Wanken geratenen Traditionsverein mit einiger Sicherheit zurückerwarten darf. Die gute Tat dürfte nicht nur dem puren Altruismus geschuldet sein, sondern ein klein bisschen auch dem kühlen Kalkül einer Win-win-win-win-Situation. Die Telefonaktion schweißt intern zusammen, weil vom Aufsichtsrat bis zum Ticketing-Mitarbeiter alle mitmachten; sie bindet die abtelefonierten Kunden noch enger an den Verein und spart Geld, weil so noch mehr treue Dauerkarteninhaber auf die Rückzahlung entgangener Heimspiele freiwillig verzichten dürften; sie hilft ganz konkret denjenigen älteren Werder-Fans, die Hilfe benötigen – und sie zementiert das Image als Klub mit einem sozialen Gewissen und besonderem Familiensinn. Frohe Ostern in trüben Zeiten.

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